Donnerstag, 24. September 2026
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Jugendherbergen 2025: Modernisierung treibt Rekorde, Gruppenrückgang bremst

Modernisierter Aufenthaltsraum einer Jugendherberge mit Reisenden und Schulgruppen
Symbolbild · KI-generiert

Die Jugendherbergen in der Schweiz und in Teilen Deutschlands melden für 2025 neue Übernachtungsrekorde – während das bundesweite Ergebnis des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) leicht rückläufig ist. Das Gesamtbild zeigt eine Branche im strukturellen Wandel: Modernisierung zahlt sich aus, der Rückgang ehrenamtlicher Gruppenfahrten bleibt eine Belastung.

Was ist passiert

Rekord in der Schweiz

Die Schweizer Jugendherbergen erzielten 2025 insgesamt 823.949 Logiernächte – ein Plus von 10.537 Nächten oder 1,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr (813.412), wie gastrojournal.ch berichtet. Der aktuelle Buchungsstand für 2026 liegt demnach bereits 3,9 Prozent über dem Vorjahreszeitpunkt.

Bemerkenswert ist die Verschiebung bei der Herkunft der Gäste: Der Inlandsanteil sank von 70,8 Prozent (2024) auf 67,4 Prozent (2025) – eine Normalisierung auf das Vor-Corona-Niveau der Jahre 2018/19. Stärkster ausländischer Herkunftsmarkt ist Deutschland mit einem Wachstum von 17,8 Prozent, gefolgt von USA, Frankreich, Großbritannien, Südkorea und China. Schulklassen und Gruppen machen laut Handelszeitung rund 36 Prozent des Gesamtvolumens aus.

Auch im Gastronomiebereich legen die Schweizer Jugendherbergen zu: Laut hotellerie-gastronomie.ch wurden 2025 rund 350.000 Mittag- oder Abendessen im Rahmen von Halb- oder Vollpensionsaufenthalten verkauft – ein Zuwachs von 6,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das rund 50 Häuser umfassende Netz wird weiter ausgebaut: Mitte Juli 2026 eröffnet eine Jugendherberge in Genf, für Sommer 2027 ist die Inbetriebnahme in Neuenburg (Neuchâtel) geplant.

Spitzenreiter im DJH-Verbund: Rheinland-Pfalz und Saarland

Im deutschen DJH-Verbund sticht der Landesverband Rheinland-Pfalz und Saarland heraus. Mit 982.037 Übernachtungen – ein Plus von 10.857 gegenüber dem Vorjahr – belegt er laut wndn.de bundesweit eine Spitzenposition. Die Mitgliederzahl stieg auf 229.442. Mit 40 Häusern und 914 Mitarbeitenden ist der Landesverband der größte Übernachtungsanbieter in beiden Bundesländern.

„Dieser Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Modernisierung und einer klaren Ausrichtung auf die Bedürfnisse unserer Gäste“, betonte Jacob Geditz, Vorstandsvorsitzender der Jugendherbergen in Rheinland-Pfalz und im Saarland, laut presseportal.de.

Als Ziel für 2026 gilt laut ahgz.de erstmals das Überschreiten der Marke von einer Million Übernachtungen; mittelfristig werden nach Abschluss aller Modernisierungen bis zu 1,1 Millionen Übernachtungen angestrebt. Ende 2025 wurde die neugestaltete Jugendherberge Traben-Trarbach in Betrieb genommen, am 1. Juni 2026 folgte die modernisierte Jugendherberge Idar-Oberstein, wie tourismus.eifel.info meldet.

Bundesweites DJH-Ergebnis: leichter Rückgang

Das bundesweite Bild ist weniger positiv. Das DJH verzeichnete 2025 rund 8,8 Millionen Übernachtungen in seinen rund 400 Häusern – ein Rückgang von 2,8 Prozent gegenüber 2024 (über 9 Millionen). Das Vorkrisenniveau von 2019 mit rund 10 Millionen Übernachtungen ist damit weiterhin nicht erreicht.

Als Hauptursache nennt DJH-Hauptgeschäftsführer Oliver Peters gegenüber evangelisch.de/epd den Rückgang bei Gruppenfahrten ehrenamtlich getragener Vereine. Die stärkste Gästegruppe bleiben Schulklassen mit 3,7 Millionen Übernachtungen (42 Prozent des Gesamtvolumens), gefolgt von Familien (20 Prozent) sowie Wander- und Freizeitgruppen (16 Prozent).

Hintergrund

Struktur und Preisniveau

Das DJH ist ein gemeinnütziger Verband mit rund 2,37 Millionen Mitgliedern. Die 14 rechtlich eigenständigen Landesverbände bewirtschaften bundesweit rund 400 Häuser. Eine günstige Übernachtung im Mehrbettzimmer inklusive Frühstück ist 2025 ab 22,40 Euro erhältlich – ein Preisniveau, das das Segment klar vom klassischen Hotelmarkt abgrenzt.

Differenziertes Bild in anderen Landesverbänden

Nicht alle Verbände melden Zuwächse. Der Landesverband Nordmark (Schleswig-Holstein, Hamburg, nördliches Niedersachsen) verzeichnete in seinem 111-jährigen Jubiläumsjahr laut eigenem Jahresbericht rund eine Million Übernachtungen – etwas weniger als im Vorjahr, bewertet das Ergebnis angesichts mehrerer erschwerender Umstände aber als stabil. Auch die Jugendherbergen im Rheinland ziehen laut jugendherberge.de eine gemischte Bilanz: leicht rückläufige Übernachtungszahlen bei gleichzeitig fortgesetzten Investitionen.

Österreichischer Sonderweg: JUFA-Hotels

Für den DACH-Kontext relevant: In Österreich wurden viele Jugendherbergen zu Jugend- und Familiengästehäusern umstrukturiert, aus denen ab 1991 die Kette JUFA-Hotels hervorging – eine eigenständige Entwicklung, die den österreichischen Markt vom deutschen und Schweizer Modell unterscheidet.

Was bedeutet das für die Branche

Für Hoteliers im DACH-Raum liefern die Ergebnisse der Jugendherbergen relevante Marktinformationen, auch wenn das Segment auf den ersten Blick weit entfernt scheint. Die starke Abhängigkeit von Schulklassen und organisierten Gruppen – im DJH machen diese Segmente gemeinsam deutlich über die Hälfte aller Nächte aus – zeigt, wie anfällig ein Haus für strukturelle Verschiebungen in der Nachfrage einzelner Zielgruppen ist. Der Rückgang bei ehrenamtlichen Vereinsfahrten trifft das DJH direkt; vergleichbare Abhängigkeiten von MICE-Gruppen (Meetings, Incentives, Conventions, Events) oder Reiseveranstaltern kennen auch klassische Hotels.

Der Vergleich zwischen stagnierenden Gesamtzahlen und den Rekordergebnissen modernisierter Häuser in Rheinland-Pfalz und der Schweiz ist aufschlussreich: Investitionen in Modernisierung zahlen sich messbar aus – unabhängig vom Segment. Das gilt für das Jugendherbergswerk ebenso wie für das klassische Hotelgeschäft. Wer nicht investiert, verliert Marktanteile, auch wenn die Gesamtnachfrage stabil bleibt.

Das überproportionale Wachstum bei Gastronomie-Umsätzen in der Schweiz (+6,9 Prozent bei Halb- und Vollpension) deutet zudem auf eine steigende Bereitschaft der Gäste hin, mehr für Verpflegungsleistungen auszugeben – ein Trend, den auch Hotels im Budgetsegment für ihre Angebotsstrategie auswerten können.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.