Donnerstag, 24. September 2026
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COO aus den eigenen Reihen: L’Osteria macht Aufstieg sichtbar

Führungskraft und Küchenchef besprechen operative Unterlagen in einem modernen Restaurantbetrieb
Symbolbild · KI-generiert

Ein interner Aufsteiger übernimmt den COO-Posten bei L’Osteria – und macht damit ein Karriereversprechen sichtbar, das die gesamte Hospitality-Branche im DACH-Raum beschäftigt: Wie realistisch ist der Weg von der operativen Basis in die Unternehmensführung, und welche Strukturen braucht es dafür?

Was ist passiert

Linda Bornschier hat L’Osteria nach rund eineinhalb Jahren als Chief Operating Officer verlassen – auf eigenen Wunsch, wie das Unternehmen mitteilte. Ihre Nachfolge tritt laut einem Bericht von Christian Preußer bei foodservice/ahgz vom 27. Juni 2026 ein sogenanntes „Urgestein“ der Marke an: eine Person, die innerhalb des Unternehmens gewachsen ist und den Aufstieg aus dem operativen Betrieb heraus verkörpert. Parallel dazu berief der Aufsichtsrat der FR L’Osteria SE mit Jürgen Wallmann einen neuen Finanzvorstand – er tritt die Nachfolge von Emanuel Zimmermann an, der das Unternehmen ebenfalls auf eigenen Wunsch verließ.

Das Unternehmen im Überblick

L’Osteria wurde 1999 von Klaus Rader und Friedemann Findeis in Nürnberg gegründet – denselben Unternehmern, die 2002 auch zu den Gründern von Vapiano gehörten. Heute betreibt die Kette über 180 Restaurants in neun Ländern und beschäftigt mehr als 8.000 Mitarbeitende aus rund 120 Nationen. Im DACH-Raum ist L’Osteria in Deutschland (Kern), Österreich (seit 2011, erster Standort Linz) und der Schweiz (seit 2015, erster Standort Biel) vertreten.

2023 übernahm die Investmentgesellschaft McWin rund zwei Drittel der Anteile von den Gründern. Laut Presseangaben wurde das Unternehmen dabei mit rund 400 Millionen Euro bewertet. Hinter McWin stehen die US-Investoren Henry McGovern und Steve Winegar, deren Fonds ein Volumen von 525 Millionen Euro umfasst. Das erklärte Ziel: bis 2030 „European Champion in Casual Dining“ zu werden.

Das Karrieremodell von L’Osteria

Die COO-Berufung eines intern Aufgestiegenen ist kein Zufall, sondern Teil eines kommunizierten Selbstbilds. L’Osteria bewirbt intern sein Karriereprogramm unter dem Namen „L’Osteria Speedway“ – mit dem Versprechen, in 2,5 Jahren vom Schichtleiter zum Betriebsleiter aufzusteigen. Darüber hinaus stehen laut Unternehmensangaben Positionen als General Manager oder Area Manager in Aussicht.

Das Franchisesystem, das 2009 mit Matthias Seliger als erstem Partner in Neumarkt in der Oberpfalz startete, ist dabei ein struktureller Multiplikator: Jeder neue Franchisebetrieb schafft Führungspositionen, die idealerweise intern besetzt werden können. Rund zehn Jahre nach Beginn der Franchise-Expansion eröffnete L’Osteria seinen 100. Standort – ein Wachstum, das Karrierewege erst ermöglicht.

Für den Rekrutierungsmarkt ist die Besetzung des COO-Postens mit einer intern aufgestiegenen Person ein Signal mit Wirkung nach außen: Wer Aufstieg nicht nur verspricht, sondern auf C-Level-Ebene sichtbar macht, besitzt im hart umkämpften Fachkräftemarkt ein Argument, das kein Jobportal ersetzen kann.

Arbeitsmarktlage – Was die Zahlen sagen

Die strukturellen Herausforderungen, in die diese Personalmeldung fällt, sind erheblich. Laut Bundesagentur für Arbeit lag die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im deutschen Gastgewerbe im März 2026 bei rund 1,09 Millionen – das entspricht einem Plus von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorkrisenniveau 2019. Allerdings zeigt ein genauerer Blick: Der Zuwachs konzentriert sich stark auf geringfügige Beschäftigung. Die Zahl der Minijobber stieg um knapp 76.000 auf einen Wert 7,8 Prozent über dem Niveau von 2019. Viele Betriebe kompensieren Engpässe mit flexiblen Kräften statt mit Festanstellungen.

Gleichzeitig liegt die Vakanzzeit – also die durchschnittliche Dauer, bis eine offene Stelle besetzt ist – im Gastgewerbe laut Bundesagentur für Arbeit bei 194 Tagen, 30 Tage über dem Durchschnitt aller Wirtschaftszweige. Der Fluktuationskoeffizient der Branche beträgt laut BA-Daten 2024 rund 60,5 – einer der höchsten Werte überhaupt.

Dazu kommen steigende Kosten: Laut DEHOGA-Jahresauftaktumfrage nennen 75,2 Prozent der Betriebe Personalkosten als stärksten Kostendruck. Die Arbeitskosten im Gastgewerbe stiegen im vierten Quartal 2025 gegenüber dem vierten Quartal 2019 um 39,6 Prozent. Der gesetzliche Mindestlohn legte im Januar 2026 auf 13,90 Euro zu – ein Anstieg um 8,4 Prozent, eine der größten Einzelerhöhungen seit Einführung des Mindestlohns.

DACH-Einordnung: Karrierewege als strategisches Instrument

Die Situation in Österreich und der Schweiz ist ähnlich angespannt. Laut WKO-Befragung berichten 82 Prozent der österreichischen Gastro- und Hotelbetriebe von Fachkräftemangel. In der Schweiz sinkt die Lehrstellenbesetzung im Gastgewerbe seit 2012 kontinuierlich – GastroSuisse hat mit dem staatlich geförderten Programm „Avanti!“ reagiert.

Gleichzeitig zeigt das ManpowerGroup Global Talent Barometer 2026: 65 Prozent der 18- bis 28-Jährigen möchten beruflich so weit wie möglich aufsteigen. Das Potenzial an aufstiegswilligem Nachwuchs ist also vorhanden. Die Frage ist, ob die Branche die richtigen Strukturen bietet, um dieses Potenzial zu halten.

Für Hoteliers und Gastronomen im DACH-Markt bedeutet der Fall L’Osteria: Karriereentwicklung ist kein Soft-Benefit, sondern ein Instrument zur Mitarbeiterbindung mit direkter betriebswirtschaftlicher Relevanz. Wer erfahrene Kräfte verliert, verliert nicht nur Arbeitskraft, sondern Know-how, Teamdynamik und operative Stabilität. Glaubwürdige interne Aufstiegsprogramme – mit messbaren Zeiträumen, konkreten Positionen und sichtbaren Vorbildern auf Führungsebene – können diesen Abfluss bremsen. Die Ernennung eines COO aus den eigenen Reihen ist dabei mehr als eine Personalmeldung: Sie ist ein Beleg, dass das Versprechen eingelöst wird.

Quellen

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Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.