Krefelder Hof schließt zum 30. September – Asbest und Finanzierungslücke
Der Krefelder Hof stellt den Betrieb zum 30. September 2026 ein. Asbest im Südturm und eine nicht zustande gekommene Hotelfinanzierung machen eine Weiterbewirtschaftung unmöglich.

Der Krefelder Hof stellt seinen Hotelbetrieb zum 30. September 2026 ein. Zwei Faktoren fallen zusammen: asbesthaltige Bauteile im Südturm und eine Hotelfinanzierung, die im aktuellen Marktumfeld nicht zustande kam. Das teilte Hoteldirektor Bart Vaesen laut Westdeutscher Zeitung in einer Pressemitteilung mit.
Zwei Faktoren, ein Ergebnis
Laut tophotel.de und Westdeutscher Zeitung wurden bei den Vorbereitungen für den geplanten Abriss asbesthaltige Bauteile im Südturm entdeckt. Ein Rückbau bei laufendem Betrieb scheidet aus Gründen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes aus. Damit ist der ursprüngliche Plan hinfällig: Der Südturm sollte fallen, das Haupthaus parallel weiterlaufen, mit nur kurzer Unterbrechung.
Rechtlich geht es um eine Pachtvertragskündigung durch den Grundstückseigentümer. Der Betrieb ist gepachtet, und der Eigentümer stützt seine Kündigung laut Westdeutscher Zeitung auf die beiden genannten Gründe.
Der zweite Faktor ist die Finanzierung. Für die geplanten Wohnangebote am Standort stehen die Mittel bereit, für den Hotelteil kam kein Abschluss zustande. Convention- und Event-Hotels, also Häuser mit Schwerpunkt auf Tagungen und Veranstaltungen, im Branchenkürzel MICE (Meetings, Incentives, Conventions, Events), gelten laut dem Unternehmen bei Kreditgebern in Städten wie Krefeld derzeit als schwer darstellbar. Das Hotelmanagement bewertet Buchungslage und operative Entwicklung dagegen positiv. Diese Diskrepanz zwischen operativer Realität und Finanziererblick ließ sich nicht auflösen.
„Wir haben in den vergangenen Monaten alles dafür getan, den Hotelbetrieb aufrechtzuerhalten und gleichzeitig den Übergang in die Zukunft des Areals vorzubereiten. Gemeinsam mit unserem engagierten Team haben wir intensiv an diesem Zukunftsplan gearbeitet. Nun sind wir jedoch an einem Punkt angekommen, an dem die maßgeblichen Faktoren außerhalb unseres Einflussbereichs liegen“, sagt Hoteldirektor Bart Vaesen laut tophotel.de.
Vom ersten Haus am Platze zum Sanierungsfall
Gegründet als Institution der Krefelder Seidenindustrie, feierte der Krefelder Hof 2011 sein hundertjähriges Bestehen. „Wir sind das erste Haus am Platze“, betonte damals der frühere Direktor Robert H. Preis. Zur Gästeliste zählten laut Regionalquellen Winston Churchill, Theodor Heuss, Konrad Adenauer, Helmut Kohl und der frühere US-Vizepräsident George Bush Senior. Das heutige Gebäude wurde 1970 eröffnet, die beiden Gebäudekomplexe sind acht Stockwerke hoch. Das Haus verfügt über rund 160 Zimmer.
Betrieben wurde es seit 2003 als Mercure Parkhotel Krefelder Hof unter der Accor-Gruppe. Die Pachtthematik begleitet den Standort seit Jahren, der Vertrag lief bereits 2020 aus. Abrisspläne kursieren seit 2019/2020. Der Stadtrat beschloss 2024 die Satzung für den vorhabenbezogenen Bebauungsplan 841 (V) „Krefelder Hof“. Das Vorhaben zählt laut Regionalberichterstattung zu den umstrittensten Krefelder Bauprojekten der vergangenen Jahre.
Übernommen hat das Areal die auf Seniorenresidenzen spezialisierte Schönes Leben Gruppe, die damit erstmals ins Hotelgeschäft einsteigt. Der Baustart verzögerte sich mehrfach: vom ursprünglich ersten Quartal 2026 in die zweite Jahreshälfte 2026, wie Kip Sloane, Geschäftsführer der Schönes Leben Gruppe und des Projekts Krefelder Höfe, laut Westdeutscher Zeitung im April einräumte.
Was am Standort entstehen soll
Der Neubau ersetzt den Bestand. Geplant ist laut Regionalquellen ein Vier-Sterne-Radisson mit rund 137 bis 138 Zimmern und zwei Suiten, einer teilbaren Tagungsfläche von 270 Quadratmetern und einer Tiefgarage mit 81 Stellplätzen. Die übrigen Projektteile, eine viergruppige Kindertagesstätte sowie eine Seniorenresidenz der Schönes Leben Gruppe mit rund 191 barrierefreien Service-Wohnungen, werden planmäßig umgesetzt. Die Bauarbeiten dafür sollen noch 2026 starten.
Bei den Zeithorizonten gibt es Abweichungen: Die aktuelle Pressemitteilung nennt eine Wiedereröffnung des Hotels „bis 2030″, frühere Meldungen sprachen von einer Radisson-Eröffnung 2028. Im Rathaus wächst laut Westdeutscher Zeitung die Skepsis, ob das Hotel überhaupt kommt, während die Projektleitung am Bau von Hotel und Senioren-Wohnungen festhält.
Einordnung: Was das für Bestandshotels heißt
Der Fall Krefelder Hof kombiniert zwei Risiken, die im gesamten DACH-Raum auf Häuser der 1960er- und 1970er-Jahre zutreffen. Zunächst die bauliche Altlast: Asbest wurde bis in die 1980er-Jahre verbaut, und viele Bestandshotels aus dieser Zeit tragen das Problem in Fassaden, Brandschutzelementen und Dämmungen. Wird es erst bei Umbauvorbereitungen entdeckt, kippen ganze Sanierungspläne, samt der Rechnung, den Betrieb während der Arbeiten aufrechtzuerhalten.
Dazu kommt die Finanzierungslage. Der Investmentmarkt für Hotelimmobilien ist gedämpft, und Kreditgeber bewerten tagungsstarke Häuser in Mittelstädten zurückhaltender als Stadthotels in A-Lagen. Das Management verweist auf eine positive operative Entwicklung, die Finanzierung scheitert trotzdem. Eine gute Buchungslage schützt nicht vor dem Urteil der Banken, wenn das Standortprofil als schwer refinanzierbar gilt.
Für Eigentümer und Betreiber älterer Häuser heißt das im Tagesgeschäft: Wer eine größere Sanierung oder einen Ersatzneubau plant, sollte Schadstoffgutachten früh und vollständig einholen, bevor Zeit- und Betriebspläne stehen. Wer auf Fremdkapital angewiesen ist, muss die Finanzierung des Hotelteils separat und gesichert haben, bevor Bestandsverträge gekündigt oder Betriebsschließungen terminiert werden. Der Krefelder Hof zeigt, was passiert, wenn beide Bausteine gleichzeitig ins Rutschen geraten: Das Haus schließt, bevor der Ersatz steht.


