Donnerstag, 24. September 2026
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Prism übernimmt 24 Revo-Häuser und betreibt nun 35 Hotels in Deutschland

24 Hotels aus der Revo-Insolvenzmasse gehen an den indischen Konzern Prism, der bis Anfang 2026 Oyo hieß. Damit betreibt Prism nach eigenen Angaben 35 Häuser in Deutschland.

Hotelangestellter tauscht Zimmerschilder im Korridor, alter Marken-Abdruck noch an der Wand sichtbar
Symbolbild · KI-generiert

24 Hotels aus der Insolvenzmasse der Revo Hospitality Group übernimmt der indische Konzern Prism, bestätigt per Unternehmensmitteilung vom 22. Juli 2026. Damit betreibt Prism nach eigenen Angaben 35 Hotels in Deutschland. Hinter der Marke Sunday Hotels steht ein Konzern, der bis Anfang 2026 Oyo hieß und weltweit rund 22.000 Häuser führt.

Die übernommenen Objekte liefen zuvor unter den Marken Accor, Wyndham und H+, wie das Branchenmedium Tageskarte berichtet. Angekündigt hatte die Transaktion zuerst Hotel vor9, das die Liste der 24 Häuser exklusiv veröffentlichte. Prism bestätigte die Recherche anschließend selbst. Der Deal ist Teil der Zerschlagung von Deutschlands bislang größter Hotelinsolvenz.

Ein Käufer, der bis vor kurzem Oyo hieß

Die Muttergesellschaft Oravel Stays gründete Ritesh Agarwal 2012 in Indien als Budget-Travel-Tech-Marke Oyo, wie Boutique Hotel News berichtet. Anfang 2026 folgte das Rebranding zu Prism. Unter dem neuen Dach bündelt der Konzern nach Angaben von Hospitality-on mehrere Marken, darunter Oyo, Motel 6, Studio 6, Townhouse, Belvilla, DanCenter und Sunday Hotels.

Sunday ist innerhalb dieses Baukastens kein Billigsegment. Laut BW Hotelier positioniert Prism die Marke Townhouse als Einstieg und Sunday als Top-Tier-Upgrade. In Großbritannien setzt der Konzern das Modell bereits um. Gestützt auf eine Investition von 50 Millionen Pfund will die Gruppe ihr dortiges Portfolio an Vier- und Fünf-Sterne-Häusern bis Ende 2026 von 20 auf 50 Häuser ausbauen, wie Hospitality-on berichtet.

Prism ist kein defizitäres Startup mehr. Aus den bei der indischen Börsenaufsicht SEBI eingereichten IPO-Unterlagen geht laut Asian Hospitality hervor: In den neun Monaten bis 31. Dezember 2025 lag der operative Umsatz bei rund 732 Millionen US-Dollar, der Gewinn nach Steuern bei rund 79 Millionen Dollar, das EBITDA bei rund 224 Millionen Dollar. Europa steuerte in diesem Zeitraum 23,62 Prozent zum internationalen Umsatz bei. Für den geplanten Börsengang sieht Prism laut BigGo Finance eine Neuemission über 800 Millionen Dollar vor, 75 Prozent davon zur Schuldentilgung gegenüber der Deutschen Bank. Die Zielbewertung liegt nach Angaben von Cleartax bei drei bis fünf Milliarden Dollar.

Bis Anfang 2026 war Prism hierzulande ausschließlich im Ferienwohnungsmarkt aktiv, so Hotel vor9. Der Einstieg in die Hotellerie erfolgt nun nicht über Neubau oder Franchise, sondern über eine Insolvenzmasse.

Was übernommen wurde und wie schmal die Struktur dahinter ist

Unter den Marken Sunday Hotels und Belvilla betreibt Prism inzwischen neun Häuser aus dem Aroundtown-Portfolio in Deutschland, wie reisevor9 berichtet. Dazu zählen das Sunday Hotel Düsseldorf City Nord mit 190 Zimmern, das Sunday Hotel Frankfurt Airport Neu-Isenburg mit 163 Zimmern und das Sunday Resort Rügen in Sagard mit 230 Zimmern.

Auffällig ist die dünne Personaldecke. Laut Hotel vor9 sind aktuell 24 Prism-Mitarbeiter greifbar, je eine Person pro Hotel für das Onboarding. Mehr Personal gebe es in Deutschland nicht, der Großteil der Steuerung erfolge aus Indien. Bei der Gesamtzahl der deutschen Häuser weichen die Angaben voneinander ab: Prism nennt 35 Standorte, Hotel vor9 kommt nach eigener Recherche auf 41.

Cluster General Manager Michal Michalowski umreißt die Strategie so:

„Nachdem wir im Vereinigten Königreich ein erfolgreiches Premium-Hotelmodell etabliert haben, bringen wir nun dieselbe operative Philosophie nach Deutschland.“

Man wolle schnelleren und konsistenteren Service sowie ein reibungsloseres Buchungs- und Check-in-Erlebnis bieten, zugleich den lokalen Charakter und die deutschen Servicestandards bewahren, so Michalowski laut reisevor9.

Vom Ein-Hotel-Betrieb zur größten deutschen Hotelinsolvenz

Verkäufer der Häuser ist die Revo Hospitality Group des 49-jährigen Berliners Ruslan Husry. Er gründete das Unternehmen 2008 mit einem einzigen Hotel in Leipzig, wie das Handelsblatt berichtet. 2020 zählte die Gruppe erst 51 Häuser, danach wuchs sie binnen weniger Jahre auf rund 250. Treiber waren große Übernahmen: im Juni 2024 die Centro Hotels, im Februar 2025 die H-Hotels-Gruppe mit mehr als 60 Häusern, darunter die Marke Hyperion, so Hotel Inside.

Revo agierte überwiegend als White-Label-Operator. Die Immobilien gehörten meist Investoren oder Fonds, Revo trat als Pächter und Betreiber auf, teils unter Franchisemarken wie Accor oder Wyndham. Für den Gast war das unsichtbar. Gerät der Betreiber ins Wanken, wackelt das gesamte Konstrukt. Genau das geschah: Steigende Personal-, Energie- und Mietkosten trafen auf ausbleibende Synergien und eine langsamere Nachfrageerholung. Laut North Data schrieb der Konzern, der zuletzt rund 1,3 Milliarden Euro Umsatz erzielte, seit 2014 keine Gewinne mehr und war zuletzt mit 19,9 Millionen Euro überschuldet.

Der Insolvenzantrag in Eigenverwaltung ging am 16. Januar 2026 beim Amtsgericht Charlottenburg ein, wie die ahgz berichtet. Betroffen waren nach Handelsblatt-Angaben 175 Hotels und 138 Gesellschaften. Bis Anfang Juni 2026 übernahmen fünf Gruppen und Investoren rund 120 Häuser, neben Prism auch Israel Canada Hotels, Leonardo, B&B Hotels und Motel One. Die Berliner Zentrale wird geschlossen, 450 Stellen fallen weg. Die rund 5.450 Arbeitsplätze in den Hotels bleiben laut Hotel vor9 weitgehend erhalten.

Was das für die Branche heißt

Für DACH-Betriebe verschiebt sich mit diesem Deal weniger im Tagesgeschäft als im Wettbewerbsumfeld. Ein kapitalstarker, profitabler und IPO-reifer Konzern betritt die deutsche Hotellerie über die Abkürzung Insolvenzmasse und übernimmt etablierte Häuser mittlerer bis großer Kategorie statt der Kleinhotels, mit denen Oyo früher am Budgetsegment ansetzte. Wer im Umfeld eines künftigen Sunday-Standorts operiert, bekommt einen Nachbarn mit anderem Kostenmodell: zentralisierte Steuerung aus Indien, ausgedünnte lokale Strukturen, ein technikgetriebener Buchungs- und Check-in-Prozess.

Die Personaldecke von einer Person pro Haus ist dabei der kritische Punkt. Ob sich die deutschen Servicestandards, die Michalowski bewahren will, mit einer weitgehend aus der Ferne gesteuerten Organisation halten lassen, entscheidet über die Positionierung. Für Betriebe mit spürbarer Vor-Ort-Präsenz kann genau das ein Differenzierungsargument gegenüber Gästen und Firmenkunden werden. Zugleich zeigt der Fall Revo, wie schnell White-Label-Konstrukte mit fremden Immobilien und dünnen Margen kippen. Für Eigentümer und Verpächter sind Bonität und operative Substanz des Betreibers keine Formalie, sondern das eigentliche Risiko.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.