Donnerstag, 24. September 2026
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500.000 Euro in Monate: Inselkammer startet am Alpenhof Murnau

Rund 500.000 Euro, binnen weniger Monate bei laufendem Betrieb: Neueigentümer Peter Inselkammer setzt am Alpenhof Murnau früh auf konkrete Baustellen statt auf einen Komplettumbau.

Handwerker inspiziert frisch gefliestes Bad im Alpenhof Murnau, Korridor mit Baustellenlicht
Symbolbild · KI-generiert

Rund eine halbe Million Euro, binnen weniger Monate bei laufendem Betrieb investiert: So macht der neue Eigentümer des Alpenhof Murnau am Staffelsee die veränderten Verhältnisse sichtbar. Die Immobilie gehört seit Anfang 2026 dem Münchner Hotelier Peter Inselkammer, geführt wird das Fünf-Sterne-Resort weiter von Pächter und Hotelchef Christian Bär. Die Meldung vom 23. Juli 2026 zeigt, wie ein Eigentümerwechsel im Luxussegment früh in konkrete Baustellen übersetzt wird.

Was in den ersten Monaten passiert ist

Zur ersten Runde gehören laut HOGAPAGE ein neues Golf.Loft, die Modernisierung von 14 Badezimmern, eine Poolbar und der Ausbau der digitalen Infrastruktur. Im gesamten Resort wurde flächendeckend Highspeed-Glasfaser verlegt, wie der Ausstatter redspa berichtet. Sämtliche Maßnahmen sollten bis Ende Juli abgeschlossen sein, bei laufendem Betrieb und ohne Einschränkungen für die Gäste, so Tophotel.

Der zeitliche Druck war gewollt. „Nach einer Phase der gemeinsamen Planung haben wir im Frühjahr den Turbo gezündet“, sagt Bär gegenüber der Abendzeitung München. Der Betrieb blieb stabil. Bär führt das Haus über seine Alpenhof Murnau Hotelgesellschaft mbH weiter, alle bestehenden Mitarbeitenden bleiben, wie Tophotel bereits bei Bekanntwerden des Verkaufs im Dezember 2025 meldete. Ein Detail der neuen Poolbar liefert die Abendzeitung: Cocktails kosten zwischen 13 und 17 Euro, ein halber Liter Helles vom Fass 6,50 Euro.

Wer hier kauft – und warum die Betreiberfrage schon geklärt war

Der Fall läuft in zwei Stufen. Ende 2025 verkaufte die Tengelmann-Gruppe die Immobilie, im Sommer 2026 folgte die erste sichtbare Investition. Bis dahin gehörte die Liegenschaft der Trei Real Estate Deutschland GmbH, einer Tengelmann-Tochter. Die Betreibergesellschaft hatten die Tengelmanns bereits 2017 an Bär abgegeben und einen langfristigen Pachtvertrag geschlossen, wie die Abendzeitung München schreibt. Bär selbst ist seit 2013 an Bord, zunächst als Geschäftsführer, seit 2015 als Pächter (Hotel vor9).

Der neue Eigentümer ist kein anonymer Fonds. Inselkammer betreibt das Münchner Platzl Hotel, ist Sprecher der Wiesn-Wirte und wurde im Juli 2026 zum Präsidenten der IHK für München und Oberbayern gewählt; zudem ist er seit kurzem Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK). Die Betreiberfrage war vor dem Eigentümerwechsel geklärt. Wer ein Fünf-Sterne-Haus kauft, dessen Pächter bleibt und dessen Vertrag läuft, spart sich die riskante Übergangsphase. „Unser Ziel ist es, Bewährtes zu bewahren und gleichzeitig neue Impulse zu setzen – für Mitarbeitende, Gäste und die Region“, wird Inselkammer bei Hotelier.de zitiert.

Die Vorgeschichte, die den Maßstab setzt

Um die halbe Million einzuordnen, hilft ein Blick zurück. Hellmut Hofmann eröffnete den Alpenhof 1967 mit rund 30 Zimmern. Stammgast Erivan Haub, Miteigentümer der Tengelmann-Gruppe, kaufte das Haus 1992. Nach der Renovierung folgte im Mai 1993 die Wiedereröffnung, bis Dezember 1999 verdoppelte sich die Kapazität auf knapp 80 Zimmer, 2002 folgte die erste Fünf-Sterne-Klassifizierung. Laut Die Deutsche Wirtschaft investierte Haub rund 30 Millionen in die Renovierung der 90er-Jahre. Die Hotelseite selbst spricht von 30 Millionen Mark. Die Währungsangabe ist in den Quellen uneinheitlich, die Größenordnung nicht.

Unter Haub galt eine klare Reinvestitionslogik: Gewinne und Pacht flossen zurück ins Haus, 2021 etwa in ein neues Saunadorf. Heute umfasst das Resort 104 Zimmer und Suiten, ein 2.000 Quadratmeter großes Wellnessareal, das Restaurant Murnauer Reiter und die Roots Bar. Zimmer gibt es ab rund 200 Euro. Gemessen an den historischen Summen ist die aktuelle halbe Million bewusst kleinteilig. Sie steht für ein Signal, nicht für einen Großumbau.

Dass überhaupt investiert werden kann, hat eine betriebswirtschaftliche Grundlage. Bär hat das Haus laut Hotel vor9 zunächst aus den roten Zahlen geführt und anschließend auf eine Jahresauslastung von über 73 Prozent gebracht. „Wir wissen jetzt, wohin die Reise geht“, sagt er dort. „Und wir haben jetzt auch alle Voraussetzungen, dort anzukommen.“

Was das für die Branche heißt

Der Fall passt in die aktuelle Marktmechanik. Der deutsche Hotelinvestmentmarkt kam 2025 auf rund 1,84 bis 1,9 Milliarden Euro Transaktionsvolumen (JLL, Union Investment/Bulwiengesa). Im ersten Halbjahr 2026 ging es je nach Erhebung um 18 bis knapp 24 Prozent zurück, das Volumen lag zwischen 721 und 790 Millionen Euro (CBRE, JLL, BNP Paribas). Der Markt wird kleinteiliger, aktivste Käufergruppe waren laut JLL vermögende Privatpersonen und Family-Offices mit rund 37 Prozent Anteil. Inselkammer als lokal verankerter Unternehmer ist genau dieser Typ Käufer.

Für einen DACH-Hotelbetrieb heißt das konkret: Wer im gehobenen Segment einen Eigentümerwechsel vor sich hat, sollte die Betreiber- und Vertragsfrage vor dem Signing lösen, nicht danach. Investoren achten laut Colliers zunehmend auf Betreiberqualität, Markenstärke und Vertragsstrukturen, nicht nur auf Lage und Asset. Ein bestehender Pachtvertrag mit einem Betreiber, der schwarze Zahlen und über 73 Prozent Auslastung nachweist, ist damit selbst ein Verkaufsargument und beschleunigt spätere Investitionsentscheidungen.

Zweiter Punkt für das Tagesgeschäft ist die Reihenfolge der Maßnahmen. Der Alpenhof beginnt mit Badezimmern, Digital-Infrastruktur und einem sichtbaren Gastro-Angebot, nicht mit einem Komplettumbau. Das hält den Betrieb offen, kommuniziert nach außen Bewegung und schont die Auslastung. Bärs Formel dazu: „Die Weiterentwicklung unseres Hauses darf niemals auf Kosten der Erholung unserer Gäste gehen.“ Für Häuser im Bestand ist das die realistische Variante einer schrittweisen Modernisierung.

Quellen

Quelle: Originalmeldung

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.