Donnerstag, 24. September 2026
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15 Milliarden Euro: So verteilt sich die Macht im deutschen Hotelmarkt

Die 50 größten Hotelgesellschaften Deutschlands steigerten ihren Umsatz 2024 um 9,3 Prozent auf 15 Milliarden Euro. Accor führt – doch was die Zahlen wirklich zeigen, ist eine Machtverschiebung.

Haushaltstrolley mit Wäsche und Reinigungsmitteln im Hotelkorridor, Servicekraft unscharf im Hintergrund
Symbolbild · KI-generiert

Die 50 größten Hotelgesellschaften Deutschlands haben 2024 ihren Umsatz um 9,3 Prozent auf gut 15 Milliarden Euro gesteigert. An der Spitze steht wie in den Vorjahren Accor mit 1,483 Milliarden Euro Deutschland-Umsatz, dahinter folgen Marriott und IHG, die im deutschen Markt jeweils über einer Milliarde Euro liegen. So ordnet hotelvor9 die Zahlen des jährlichen AHGZ-Top-50-Rankings ein. Die AHGZ selbst nennt in ihrer Ursprungsmeldung als starkes Trio beim Umsatz allerdings Accor, Marriott und BWH Hotels.

Die Spitze 2024: drei Konzerne über der Milliarde

Accor verteidigt den ersten Platz mit seiner Deutschland-Tochter und ist zusätzlich mit dem Joint-Venture Ennismore unter den Top 50 vertreten, das vor allem Lifestyle- und Freizeithotels betreibt. Nach der Einordnung von hotelvor9 folgen Marriott und IHG mit jeweils über einer Milliarde Euro Umsatz in Deutschland. Bei IHG schlägt sich laut hotelvor9 vor allem die Franchise-Partnerschaft mit Novum Hospitality nieder: Durch das Rebranding mehrerer Häuser sprang der Novum-Umsatz auf 428 Millionen Euro.

Das stärkste prozentuale Wachstum verzeichnete die DSR Hotel Holding mit einem Plus von 32 Prozent, Folge der Übernahme mehrerer Häuser von Hirmer Hospitality. Premier Inn legte um 23 Prozent zu, die Budget-Marke B&B expandierte um 42 neue Hotels. Der Umsatzsprung der Gesamtgruppe geht also weniger auf höhere Zimmerpreise zurück als auf Portfolio-Zukäufe und Markenwechsel.

Trotz der Umsatzentwicklung bleibt der Druck auf die Renditen hoch. Steigende Kosten und strukturelle Veränderungen prägen die Branche, berichtet die AHGZ. Höherer Erlös bedeutet in diesem Markt nicht automatisch höhere Marge.

Wie das Ranking entsteht – und was es nicht abbildet

Die Zahlen beruhen im Wesentlichen auf Eigenangaben der Hoteliers. Häuser, die in Vorjahren im Ranking auftauchten, in diesem Jahr aber keine Angaben machten, schätzt die Redaktion auf Basis von Durchschnittswerten der teilnehmenden Betriebe. In die Schätzung fließen zusätzlich Marktdaten sowie Lage- und Geschäftsberichte aus dem Bundesanzeiger ein, wie das dfv-Presseportal zur Methodik ausführt.

Das erklärt, warum die Rangfolge nicht der reinen Markenreichweite entspricht. Gemessen wird der Umsatz der in Deutschland betriebenen Häuser. Wer stark über Franchise wächst, taucht in der Konzernstatistik anders auf als ein Betreiber mit vielen Eigenbetrieben oder Managementverträgen. Bei Franchise landet der Umsatz des Franchisenehmers meist in dessen eigener Bilanz, nicht in der des Markengebers. Für die Lektüre des Rankings heißt das: Die Zahl zeigt betriebene Umsätze, nicht zwingend Markenmacht.

25 Jahre Ranking, eine konstante Nummer eins

Die Momentaufnahme wird erst im Zeitverlauf aussagekräftig. 1999 führte Accor die Rangliste mit einem Nettoumsatz von 761 Millionen Mark an, auf Platz zwei kletterte damals die Maritim Hotelgesellschaft. 2006 erwirtschafteten die Top 50 zusammen 5,8 Milliarden Euro, mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes der deutschen Hotels. 2015 lag der Gesamterlös der Gruppe bei 8,88 Milliarden Euro, ein Plus von 7,5 Prozent. Diese Zahlen stammen aus den historischen AHGZ-Rankings.

Noch 2022 sah die Spitze anders aus: Accor führte mit 442 Millionen Euro, dahinter lag die BWH Group mit 388 Millionen Euro, gefolgt von IHG mit 356 Millionen Euro, wie hotelvor9 damals berichtete. Die genossenschaftlich geprägte BWH rangierte also vor IHG. Für 2024 nennen hotelvor9 und fvw Accor, Marriott und IHG als Spitzentrio, während die AHGZ-Ursprungsmeldung Accor, Marriott und BWH Hotels als starkes Trio führt. Über die Jahre zeigt sich ein Muster: Accor hält die Spitze, während sich die Plätze dahinter zugunsten franchisegetriebener internationaler Ketten verschieben.

Der Verband liest diese Dynamik ähnlich. Laut AHGZ heißt es im Kompendium der Markenhotellerie, internationale Ketten trieben mit neuen Marken die Transformation voran und wüchsen bevorzugt über Franchisemodelle und Multi-Development-Agreements mit Betriebsgesellschaften.

Nationale Gruppen zwischen Wachstum, Sanierung und Übernahme

Stärkste nationale Marke bleibt Motel One. Der Umsatz stieg 2024 um 15 Prozent auf 979,6 Millionen Euro, nach 851,5 Millionen im Vorjahr, wie Hogapage aus der Bilanzmeldung berichtet. Das EBITDAR wuchs um 14 Prozent auf 532 Millionen Euro bei einer Marge von 54,3 Prozent. Bei einer Auslastung von 71 Prozent legte der TRevPAR, der Gesamtumsatz je verfügbarem Zimmer, um rund 8 Prozent auf 99 Euro zu. Zum Jahresende zählte das Portfolio laut Tophotel 99 Hotels mit 27.928 Zimmern.

Selbst dieser Aufsteiger steht vor einem Kurswechsel: Im Februar 2025 schloss Motel One eine Vereinbarung mit dem Finanzinvestor PAI Partners, der 80 Prozent des operativen Geschäfts übernehmen soll. Die Transaktion sollte laut Tophotel im zweiten Quartal 2025 abgeschlossen werden, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Am anderen Ende des Spektrums stehen Sanierungsfälle: Lindner Hotels und Achat Hotels befinden sich nach Insolvenzverfahren in der Sanierung, während Revo Hospitality durch Übernahmen von H World, Centro und H-Hotels an Gewicht gewonnen hat.

Otto Lindner, Vorsitzender des Hotelverbands Deutschland (IHA), ordnet die Konsolidierung so ein:

„Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen wie steigender Kosten, geopolitischer Spannungen und sich wandelnden Gästeerwartungen sind Resilienz und Innovationskraft unserer Branche hoch. Auch inmitten aktueller Konsolidierungen und Übernahmen bleiben innovative Marken erhalten und werden weiterentwickelt.“

Was das für den eigenen Betrieb heißt

Für einen einzelnen Betrieb in der DACH-Region ist das Ranking weniger Ruhmesliste als Landkarte der Verhandlungsmacht. Wenn internationale Ketten primär über Franchise und Multi-Development-Agreements wachsen, verschiebt sich die Frage für Eigentümer und Betreiber vom Ob zum Wie einer Markenanbindung. Wer über einen Anschluss nachdenkt, sollte prüfen, welches Modell zum eigenen Haus passt: Franchise mit hoher Eigenverantwortung und Gebührenlast, Managementvertrag mit abgegebener operativer Kontrolle oder Eigenbetrieb mit voller Marge und vollem Risiko.

Der Fall Motel One zeigt zugleich, dass auch profitable nationale Gruppen zum Übernahmeziel internationaler Finanzinvestoren werden. Für unabhängige Häuser bedeutet das im Tagesgeschäft härteren Wettbewerb um Direktbuchungen und Personal, sobald eine Kette in der Region über ein neues Franchisehaus Preis- und Distributionsmacht bündelt. Die IHA verweist darauf, dass der reale Umsatz der klassischen Hotellerie 2024 trotz gestiegener Auslastung, Durchschnittspreise und RevPAR weiter unter Vorkrisenniveau lag und Inflation sowie Betriebskosten die Betriebe belasten. Höhere Nominalumsätze überdecken damit einen anhaltenden Margendruck. Die zentrale Kennzahl bleibt nicht der Erlös, sondern was davon im Betrieb hängen bleibt.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.