Donnerstag, 24. September 2026
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RevPAR minus 0,7 Prozent: Wie Deutschlands Hotelmarkt 2025 wirklich abschnitt

Nürnberg vorn, Stuttgart mit minus 10,4 Prozent beim RevPAR, Insolvenzen im Beherbergungsgewerbe plus 40 Prozent: Der deutsche Hotelmarkt 2025 zeigt extreme Spreizung zwischen Standorten.

Hotelangestellte prüft von hinten Belegungsliste auf Backoffice-Tresen, Frühmorgen, Neonlicht
Symbolbild · KI-generiert

Der bundesweite RevPAR (Revenue per Available Room, Ertrag je verfügbarem Zimmer) rutschte 2025 leicht ins Minus, während Nürnberg zum Jahresstart 2026 an der Spitze der zehn wichtigsten deutschen Hotelstandorte liegt. Das berichtet die ahgz auf Basis von CoStar-Daten. Zusammen mit Hamburg, das im ersten Halbjahr 2026 bei zwei Kennzahlen bundesweit vorn liegen soll, markiert Nürnberg das obere Ende eines Marktes, dessen Durchschnitt zur Standortbewertung kaum noch taugt.

Was der Städtevergleich zu Jahresbeginn zeigt

Die Auswertung stammt aus einem Beitrag der ahgz vom 13. Mai 2026. Datengrundlage ist CoStar, dieselbe Quelle, auf die sich auch das Beratungshaus Christie & Co stützt. Dass Nürnberg im ersten Quartal 2026 überdurchschnittlich abschneidet, ist damit unabhängig nachvollziehbar.

Für Hamburg berichtet die ahgz, die Hansestadt liege im ersten Halbjahr 2026 bei zwei Kennzahlen deutschlandweit vorn. Diese Halbjahreswerte sind bislang nur im ahgz-Bericht belegt, nicht über eine zweite öffentliche Quelle. Nach den frei verfügbaren Christie-Zahlen blieb Hamburg 2025 zwar auf hohem Niveau, verzeichnete aber einen Rückgang im Jahresvergleich. Ein Plus im ersten Halbjahr 2026 wäre also keine Fortsetzung, sondern eine Trendwende.

Im ersten Halbjahr 2025 lag Hamburgs Zimmerauslastung laut Christie & Co bei 75,0 Prozent (plus 1,3 Prozent gegenüber Vorjahr), der RevPAR bei 96,90 Euro nach 98,30 Euro ein Jahr zuvor. Getragen wird der Standort vom Inlandstourismus, der 81,0 Prozent der Ankünfte ausmacht.

Der bundesweite Durchschnitt trügt

Auf Bundesebene fällt die Bilanz nüchtern aus. Nach dem IHA-Branchenreport „Hotelmarkt Deutschland 2026“ stieg die durchschnittliche Zimmerauslastung 2025 um 0,9 Prozentpunkte auf 68,1 Prozent, während der Netto-Zimmerpreis um 2,8 Prozent auf 109 Euro nachgab. Der RevPAR sank auf 74 Euro. Die Mechanik dahinter: Betriebe füllen ihre Häuser häufiger, setzen die Preise aber schlechter durch.

Christie & Co beziffert die Bewegung für 2025 ähnlich: ADR (Average Daily Rate, durchschnittliche Tagesrate) rund minus 1,8 Prozent, Auslastung rund plus 1,1 Prozent, RevPAR etwa minus 0,7 Prozent im Jahresvergleich. Trotz des Preisdrucks verbuchte das deutsche Beherbergungsgewerbe 2025 mit 497,4 Millionen Übernachtungen einen Höchstwert. Die Nachfrage ist da, die Preisdurchsetzung hinkt hinterher.

Alexander Apitzsch, Senior Consultant bei Christie & Co, fasst die Lage so zusammen:

„Die Zahlen des Jahres 2025 zeigen sehr deutlich, dass die Nachfrage nach Hotelübernachtungen in Deutschland weiterhin stark ist. Gleichzeitig bleibt 2025 ein Jahr der Konsolidierung: höhere Auslastung trifft auf schwächere Durchschnittsraten. Für 2026 wird entscheidend sein, ob es den Hoteliers gelingen wird, höhere Zimmerpreise am Markt durchzusetzen und Wachstum breiter getragen wird – jenseits einzelner Top-Destinationen.“

Warum 2025 rechnerisch schwächer wirkt

Das Minus hat viel mit der Vergleichsbasis zu tun. 2024 war ein Ausnahmejahr: Die sieben A-Städte erreichten laut Christie & Co einen um 11 Prozent höheren RevPAR als der Bundesdurchschnitt und legten im Jahresvergleich um 8 Prozent zu. Gegen diese Basis wirkt 2025 wie ein Rückschritt, obwohl die A-Städte mit rund 9 Prozent über dem Bundesschnitt weiter die stärkste Gruppe stellen. Ihr Minus von 2 Prozent gegenüber 2024 entsteht, weil die höhere Auslastung die nachgebenden Preise nicht auffängt.

Die Spreizung innerhalb der Spitzenstädte reicht über zehn Prozentpunkte. München bestätigte 2025 laut Christie & Co seine Rolle als bester deutscher Hotelmarkt: ADR plus 3,6 Prozent, RevPAR plus 6,4 Prozent, Auslastung plus 1,9 Prozentpunkte. Am anderen Ende steht Stuttgart mit einem RevPAR-Rückgang von 10,4 Prozent, dem stärksten unter den Top-7, getrieben von einem ADR-Verfall um 8,7 Prozent und 2,7 Prozent weniger Übernachtungen.

Was das fuer die Branche heisst

Für Betreiber, die ihr Budget 2026 aufstellen, ist der nationale Durchschnittswert als Steuerungsgröße unbrauchbar geworden. Zwischen München oder Nürnberg und Stuttgart liegen bei der Preisentwicklung 2025 mehr als zehn Prozentpunkte. Wer sein Revenue-Management am Bundes-RevPAR ausrichtet, plant an der eigenen Realität vorbei.

Entscheidend wird der Veranstaltungskalender. Accor führt die rückläufige RevPAR-Entwicklung im deutschen Markt im zweiten Quartal 2026 ausdrücklich auf einen ungünstigeren Messe- und Veranstaltungskalender zurück. Für Häuser in messeabhängigen Städten entscheidet der Kalender über Quartale, nicht die Grundnachfrage. Ratenplanung gehört enger an konkrete Messetermine gekoppelt, statt Vorjahresmuster fortzuschreiben.

Der eigentliche Druck sitzt tiefer. Der IHA verweist auf hohe Kosten, Bürokratie und indexierte Mietverträge, die die Margen belasten – ein strukturelles, kein konjunkturelles Problem. Passend dazu stiegen die Unternehmensinsolvenzen im klassischen Beherbergungsgewerbe 2025 um 40,1 Prozent und lagen über Vorkrisenniveau. Volle Häuser bei nachgebenden Raten reichen nicht, wenn indexierte Pachten und Energiekosten den operativen Gewinn aufzehren.

Dass Preisdurchsetzung im Premiumsegment möglich bleibt, zeigt die börsennotierte MHP Hotel AG: plus 25 Prozent Hotelumsatz im ersten Halbjahr 2026 auf 98,3 Millionen Euro. ADR und RevPAR im zweiten Quartal fielen zwar auf 229 beziehungsweise 180 Euro, blieben aber über der Peer Group. Für DACH-Betreiber lautet die Übersetzung: 2026 wird kein Jahr der pauschalen Ratensteigerung, sondern eines der Standort- und Segmentselektion. Wer in einem tragenden Markt sitzt, verteidigt Preise; wer in einem belastenden Markt operiert, sichert Auslastung und Kostenbasis.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.