Donnerstag, 24. September 2026
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Hamburg und Nürnberg trotzen dem Ratendruck im ersten Halbjahr 2026

Der deutsche Hotelmarkt schloss 2025 mit einem RevPAR von 74 Euro – ratengetrieben im Minus. Zwei Städte entkoppeln sich: Hamburg und Nürnberg melden für H1 2026 zweistellige Preissteigerungen.

Housekeeping-Wagen mit Handtüchern und Klemmbrett im Hotelflur, Reinigungskraft von hinten an geöffneter Zimmertür
Symbolbild · KI-generiert

Die durchschnittliche Zimmerauslastung im deutschen Hotelmarkt stieg 2025 um 0,9 Prozentpunkte auf 68,1 Prozent, der Netto-Zimmerpreis gab um 2,8 Prozent auf 109 Euro nach, der RevPAR (Umsatz pro verfügbarem Zimmer) sank auf 74 Euro. So dokumentiert es der IHA-Branchenreport. Gegen diesen Ratendruck laufen zwei Standorte an: Hamburg und Nürnberg, wobei laut ahgz einer der beiden im ersten Halbjahr 2026 ein zweistelliges Ratenplus meldet.

Welcher der beiden das zweistellige Plus verbucht, geht aus der frei zugänglichen Meldung nicht hervor; die Detailwerte stecken hinter der Paywall. Belegbar ist der Kontrast selbst: Während der Bundesschnitt bei den Preisen abwärts tendiert, koppeln sich diese beiden Märkte ab. Der Blick auf ihre Struktur erklärt, warum.

Der Bundestrend: Auslastung hält, der Preis gibt nach

Hotels füllen ihre Zimmer 2025 häufiger, akzeptieren dafür aber niedrigere Preise. Laut Gastgewerbe-Magazin sank der RevPAR bundesweit um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getrieben von der nachgebenden Tagesrate. Christie & Co beziffert den Rückgang in einer separaten Analyse auf 1,1 Prozent, ebenfalls überwiegend ratengetrieben. Die Werte weichen je nach Erhebung ab, die Richtung ist dieselbe.

Das Beherbergungsgewerbe erreichte 2025 mit 497,4 Millionen Übernachtungen einen Höchstwert. Gleichzeitig kletterten die Unternehmensinsolvenzen im klassischen Beherbergungsgewerbe laut IHA um 40,1 Prozent und lagen damit über dem Vorkrisenniveau. Rekordnachfrage und Kostendruck fallen zusammen.

Auch die stärksten Märkte entkamen dem Ratensog nicht. Die A-Städte lagen laut Christie & Co beim RevPAR rund 9 Prozent über dem Bundesdurchschnitt, verbuchten gegenüber 2024 aber ein Minus von 2 Prozent: Die höhere Auslastung glich die fallenden Preise nicht aus. Die B-Städte blieben stabil, aber rund 16 Prozent unter dem bundesweiten Mittel. Vor diesem Hintergrund gewinnt ein zweistelliges Ratenplus an Gewicht.

Was Hamburg und Nürnberg belegbar auszeichnet

Die konkreten H1-2026-Kennzahlen für beide Städte sind offen nicht verifizierbar. Die Vorjahres- und Strukturdaten zeigen aber, worauf die Widerstandsfähigkeit fußt.

Hamburg brachte 2025 laut Hamburger Wirtschaftsbehörde 16,5 Millionen Übernachtungen zusammen, ein Plus von 2,1 Prozent. Entscheidender für die Preissetzung ist die Auslastung: Die Hamburger Hotels lagen im Schnitt bei 77 Prozent und damit an der Spitze der größten deutschen Städte. Eine derart hohe Grundauslastung wirkt als Puffer. Wer regelmäßig nahe der Kapazitätsgrenze operiert, muss den Preis seltener senken, um Zimmer zu füllen. Im ersten Halbjahr 2025 kam die Stadt laut hamburg.de auf 7,7 Millionen Übernachtungen und 74,7 Prozent Auslastung; der Hamburg-RevPAR lag laut Christie-&-Co-Snapshot bei 96,9 Euro und blieb trotz eines Rückgangs um 1,5 Prozent nahezu stabil.

Nürnberg erreichte 2025 mit 3.866.470 Übernachtungen laut Congress- und Tourismus-Zentrale (CTZ) das Rekordniveau von 2024 und übertraf es minimal. Bemerkenswert ist der Rahmen: Das Ergebnis entstand in einem turnusgemäß schwächeren Messejahr. Die inländische Nachfrage legte um 1,1 Prozent zu, die Auslandsübernachtungen gaben um 2,1 Prozent nach, bei italienischen Gästen um 13,4 Prozent, bei polnischen um 11,6 Prozent, wie Nordbayern berichtet.

Der Messekalender als struktureller Hebel

Dieser Messezyklus erklärt, warum Nürnberg 2026 stärker abschneiden dürfte als 2025. CTZ-Geschäftsführerin Yvonne Coulin ordnet das Rekordjahr so ein:

„Dass dies trotz eines turnusgemäß schwächeren Messejahres gelungen ist, unterstreicht die breite touristische Aufstellung der Stadt.“

Laut CTZ fielen 2025 mehrere international bedeutende Leitmessen aus dem Turnus. 2026 ist turnusgemäß ein stärkeres Messejahr. Kehren die internationalen Leitmessen zurück, füllt sich das zuvor rückläufige Auslandssegment wieder, und in Messewochen lassen sich Raten durchsetzen, die den Jahresschnitt nach oben ziehen. Dass Nürnberg schon im ersten Quartal 2026 laut ahgz auf Basis von CoStar-Daten besonders stark ins Jahr startete, spricht gegen einen Einzelmonatseffekt.

Hamburgs Treiber sind breiter verteilt. Zur hohen Auslastung kommen stabile Auslandsmärkte: 2025 wuchs die Nachfrage aus Österreich um 5,5 Prozent, aus Dänemark um 2,8 Prozent, aus der Schweiz um 2,5 Prozent. Dazu die Kreuzfahrt, die 2024 mit 1,3 Millionen Passagieren einen Rekord erreichte. Diese Standbeine machen den Markt weniger anfällig für einen einzelnen schwachen Kalender.

Was das für die Branche heisst

Für Betriebe außerhalb dieser beiden Märkte liegt der Wert weniger in den Absolutzahlen als in der Diagnose. Der Ratendruck ist bundesweit real, aber er trifft Märkte ungleich. Wer über eine hohe, stabile Grundauslastung verfügt, verteidigt seine ADR (durchschnittliche Tagesrate) besser als ein Haus, das Belegung über Preisnachlässe kauft. Die Hamburger 77 Prozent sind hier die Referenz.

Für Standorte mit Messe- oder Veranstaltungsanteil zeigt Nürnberg, wie stark der Kalender die Jahreslinie verzerrt. Ein schwaches Messejahr lässt sich nicht durch spontane Ratenaktionen kompensieren, ein starkes sollte in der Budgetierung nicht als Wachstum aus eigener Kraft fehlinterpretiert werden. Accor führt die leicht rückläufige RevPAR-Entwicklung in Deutschland im zweiten Quartal 2026 ausdrücklich auf einen ungünstigeren Messe- und Veranstaltungskalender zurück, wie Tageskarte berichtet.

Praktisch heißt das: Wer den eigenen Markt einordnen will, sollte Auslastungspuffer und Veranstaltungskalender getrennt bewerten. Ein zweistelliges Ratenplus in einem schwächelnden Gesamtmarkt entsteht nicht durch bessere Preispolitik allein, sondern durch Nachfrage, die andere Standorte in dieser Halbjahresperiode schlicht nicht haben.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.