Donnerstag, 24. September 2026
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BWH Deutschland: Umsatz plus 4,4 % – aber ADR gibt nach

370,5 Millionen Euro Umsatz, aber eine um 2,1 % gesunkene Tagesrate: BWH Hotels Central Europe wächst im ersten Halbjahr 2026 über Volumen – und zeigt damit, wo der deutsche Hotelmarkt gerade steht.

Rezeptionsmitarbeiter prüft Auslastungsliste an unaufgeräumtem Tresen, deutsches Mittelklassehotel, Morgenlicht
Symbolbild · KI-generiert

Der Umsatz der an BWH Hotels Central Europe angeschlossenen Häuser in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 um 4,4 Prozent auf rund 370,5 Millionen Euro gestiegen – getragen von der Belegung, nicht vom Preis. Die Auslastung kletterte von 54,8 auf 57 Prozent, während die durchschnittliche Tagesrate (ADR, Durchschnittspreis pro verkauftem Zimmer) um 2,1 Prozent auf 108,12 Euro nachgab. Damit spiegelt BWH einen Markt, in dem sich höhere Preise derzeit kaum durchsetzen lassen.

Wachstum aus dem Volumen, nicht aus dem Preis

Vier Kennziffern beschreiben das Halbjahr. Neben Auslastung und ADR meldet die Gruppe laut Ausgangsmeldung von tophotel.de einen RevPAR (Erlös pro verfügbarem Zimmer, unabhängig davon, ob es belegt ist) von 61,63 Euro nach 60,52 Euro im Vorjahreszeitraum. Der Zuwachs beim RevPAR liegt damit bei rund 1,8 Prozent und fällt schwächer aus als das Umsatzplus von 4,4 Prozent.

Diese Lücke ist die eigentliche Lesehilfe. Das Umsatzplus speist sich nicht allein aus stärkeren Bestandshäusern, sondern auch aus dem Portfoliozuwachs. Acht Hotels mit zusammen 750 Zimmern schlossen sich BWH im ersten Halbjahr an, unter anderem an Standorten in Bochum, Frankfurt, Fürth, Neumarkt in der Oberpfalz und Wennigstedt auf Sylt. Neue Häuser bringen zusätzlichen Umsatz in die Gesamtsumme, sagen aber wenig über die organische Ertragskraft der bestehenden Betriebe aus. Der moderate RevPAR-Anstieg zeigt, wie schmal der operative Spielraum ist.

Geschäftsführer Marcus Smola ordnet den Erfolg selbst zurückhaltend ein. „Entscheidend ist für uns nicht allein das Umsatzplus, sondern wie es zustande kommt: Trotz des Drucks auf die Zimmerpreise konnten unsere Hotels mehr Nachfrage generieren und ihre Auslastung steigern“, wird er in der Mitteilung zitiert. Das Marktumfeld bleibe herausfordernd, „der anhaltend hohe Preis- und Kostendruck schmälert die positiven Umsatzentwicklungen“.

Der Vertriebshebel als eigentliche Nachricht

Die interessanteste Zahl steht etwas versteckt: die Brand Contribution von 60,8 Prozent. Knapp zwei Drittel des Logisumsatzes der deutschen BWH-Häuser laufen über die eigenen Vertriebs- und Buchungskanäle der Gruppe, nicht über Online-Buchungsplattformen wie Booking.com oder Expedia (OTA, Online Travel Agencies). Bei sinkender ADR ist das ein Margenvorteil, weil jeder direkt gebuchte Aufenthalt Vermittlungsprovisionen spart, die im OTA-Vertrieb zweistellige Prozentsätze erreichen.

Ein Rekord ist der Wert nicht. Im Gesamtjahr 2025 lag die Brand Contribution laut BWH-Jahresbilanz bei 62 Prozent, 2024 bei 60 Prozent. Der Halbjahreswert 2026 ordnet sich in diesen Korridor ein. Smola verkauft die eigene Distribution folgerichtig als Modell, nicht als Ausnahmeerfolg: „Unser Modell verbindet die unternehmerische Eigenständigkeit unserer Hoteliers mit der Vertriebsstärke einer internationalen Hotelgruppe. Wenn der Markt anspruchsvoller wird, zeigt sich besonders deutlich, welchen wirtschaftlichen Mehrwert diese Kombination bietet.“

Vom Franchise-Verbund zum operativen Partner

BWH Hotels Central Europe gehört zur DEHAG Hospitality Group mit Sitz in Eschborn und betreut Häuser in Deutschland, Österreich, der Schweiz sowie weiteren europäischen Märkten. Geführt wird die Gruppe seit 2018 von Smola, der bereits 2008 zum Geschäftsführer ernannt wurde, gemeinsam mit Carmen Dücker, die zum 1. Juli 2018 in die Geschäftsführung aufrückte. Mit dieser personellen Kontinuität positioniert sich BWH gegen die aktuellen Marktverwerfungen.

Zum Referenzrahmen: 2025 erreichte die Gruppe einen Netto-Gesamtumsatz von 921,8 Millionen Euro und baute ihr Portfolio von 206 Häusern mit 22.662 Zimmern zu Jahresbeginn auf 222 Häuser mit 23.305 Zimmern zum Jahresende aus. Für 2026 waren 17 neue Häuser geplant. Der Halbjahreszuwachs von acht Hotels bewegt sich im Rahmen dieser Planung, liegt beim Zimmervolumen aber unter dem Vorjahr. Im ersten Halbjahr 2025 hatte BWH nach eigenen Angaben noch 14 Hotels mit rund 1.400 Zimmern gewonnen. Das aktuelle Expansionstempo hat sich gemessen daran halbiert. Flankiert wird das durch das sogenannte Pro-Konzept, mit dem sich BWH als operativer Begleiter der Einzelhotels positioniert. Damit erklärt sich auch die Betonung von Distribution und Nachfragesteuerung.

Was das für den DACH-Markt heißt

Das BWH-Halbjahr ist kein Sonderweg, sondern die konkrete Ausprägung eines Gesamtmarktes unter Druck. Für 2025 meldete der IHA-Branchenreport eine durchschnittliche Zimmerauslastung von 68,1 Prozent bei einem um 2,8 Prozent auf 109 Euro gesunkenen Netto-Zimmerpreis und einem RevPAR von 74 Euro. Bei 497,4 Millionen Übernachtungen, einem neuen Rekord, stiegen die Insolvenzen im klassischen Beherbergungsgewerbe um 40,1 Prozent. Volumen ist da, Preis und Marge nicht.

Für den einzelnen Betrieb bedeutet das dreierlei. Erstens: Auslastung allein sichert keine Rendite, wenn die ADR gleichzeitig wegbröckelt. Wer im Revenue Management nur auf Belegungsquoten schaut, übersieht den Margenverlust. Zweitens: Der Direktvertrieb wird zum Kostenfaktor mit Hebelwirkung. Jeder Prozentpunkt, der von der OTA auf eigene Kanäle wandert, verteidigt bei fallenden Raten den GOPPAR (Bruttobetriebsergebnis pro verfügbarem Zimmer). Genau hier liegt der ökonomische Kern des BWH-Modells: nicht in Markenglanz, sondern in gesparter Provision. Drittens: Der Kostendruck ist strukturell. DEHOGA-Zahlen für das erste Quartal 2026 zeigen real 5,1 Prozent weniger Umsatz, gegenüber 2019 sogar ein reales Minus von 19,7 Prozent. Personal-, Energie- und Lebensmittelkosten sind seit Anfang 2022 um bis zu 35 Prozent gestiegen.

In Österreich verschärft sich das Bild. Der Deloitte-ÖHV-Tourismusindex fiel 2026 auf 3,2, den schlechtesten Wert seit 2021. Häuser sind gebucht, die Ertragskraft bleibt schwach. Ab 1. Jänner 2026 stieg zudem die Ortstaxe, und die Kollektivvertragsverhandlungen im Hotel- und Gastgewerbe endeten ohne Einigung. Analyst Alexander Apitzsch von Christie & Co bringt die Kernfrage auf den Punkt: Für 2026 werde entscheidend sein, „ob es den Hoteliers gelingen wird, höhere Zimmerpreise am Markt durchzusetzen“. Solange das nicht gelingt, bleibt der Weg über Volumen und Direktvertrieb, so wie ihn BWH gerade vorexerziert.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.