Donnerstag, 24. September 2026
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72 Prozent der Top-Hotels wetten 2026 auf höhere Zimmerpreise

Sechs Prozent mehr Umsatz, 72 Prozent rechnen mit besseren Zimmerpreisen – doch der Netto-Zimmerpreis sank 2025 real auf 109 Euro. Die Zuversicht ist real, die Marge bleibt die offene Flanke.

Hotelrezeptionist von hinten an der Theke, prüft Zimmerpreisliste, Morgenlicht, Gebrauchsspuren auf dem Tresen
Symbolbild · KI-generiert

Sechs Prozent mehr Umsatz im Schnitt, 72 Prozent rechnen mit besseren Zimmerpreisen, 63 Prozent mit höheren Gewinnen: So schätzen sich die deutschen Top-Betriebe für 2026 selbst ein, wie hotelvor9.de am 12. Mai 2026 auf Basis der ahgz-Umfrage berichtet. Die Zuversicht ist ungleich verteilt, und die Marge bleibt die offene Flanke.

Was sich die Betriebe selbst zutrauen

Laut ahgz erwarten die deutschen Hotelgruppen für das laufende Jahr mehrheitlich steigende Umsätze, auch bei Zimmerpreisen und Gewinnen. Die Aussage stammt aus der jährlichen ahgz-Serie zum Ranking der Hotelgesellschaften.

Die Prozentwerte liefert eine zweite Auswertung. Laut hotelvor9.de äußerte sich mehr als die Hälfte der befragten Betriebe aus dem Top-100-Einzelhotel-Ranking zu ihren Erwartungen. Im Schnitt kalkulieren sie mit sechs Prozent mehr Umsatz, 65 Prozent rechnen mit mehr Gästen, 72 Prozent mit besseren Preisen, 63 Prozent mit höheren Gewinnen.

Die Zahlen betreffen die Top-100-Einzelhotels, nicht deckungsgleich das Ranking der Hotelgruppen. Der mehrheitliche Optimismus deckt sich bei beiden Gruppen, die Grundgesamtheit nicht. Für die Gruppen selbst liegt bislang nur der ahgz-Teaser offen vor; die exakte Prozentzahl steht hinter der Bezahlschranke.

Wo die Optimisten von den Vorsichtigen abweichen

Die Trennlinie verläuft beim Preis. 72 Prozent erwarten für 2026 bessere Zimmerpreise. Das steht im Kontrast zur Entwicklung 2025: Laut IHA-Branchenreport, ausgewertet über das MKG-Performance-Barometer, stieg die durchschnittliche Zimmerauslastung um 0,9 Prozentpunkte auf 68,1 Prozent, während der Netto-Zimmerpreis um 2,8 Prozent auf 109 Euro nachgab. Der RevPAR, der Umsatz pro verfügbarem Zimmer, sank entsprechend auf 74 Euro.

Wer 2026 auf höhere Preise setzt, geht eine Wette ein. Wer auf Auslastung setzt, steht auf sichererem Grund. BWH Hotels Central Europe zeigt das im ersten Halbjahr 2026: Laut ahgz austria vom 7. August 2026 wächst die Gruppe trotz Preis- und Kostendruck, Treiber ist die höhere Auslastung, nicht der Preis.

Auffällig ist die Lücke zwischen Umsatz- und Gewinnerwartung. 65 Prozent rechnen mit mehr Gästen, aber nur 63 Prozent mit steigenden Gewinnen. Die Kostenseite dämpft. In Deutschland stieg der Mindestlohn laut hotelinside.ch von 12,82 Euro im Jahr 2025 auf 13,90 Euro. Michael Lidl von der Treugast fasst das Problem gegenüber hotelinside.ch so:

„Die Margen haben ordentlich gelitten. Sie waren auch in guten Jahren noch nie üppig.“

Warum die Zuversicht ein Jahr zuvor noch fehlte

Der Optimismus für 2026 ist neu. Das Vorjahresranking mit Bezugsjahr 2024 fiel gedämpfter aus. Laut ahgz-Beitrag „Top 50 Prognosen: Gewinne unter Druck“ vom August 2025 sahen die großen Hotelgruppen damals weniger Chancen, höhere Zimmerpreise durchzusetzen, und mussten zur Gewinnsicherung an den Kosten ansetzen.

Zum Jahresstart 2026 attestierte die ahgz den Betrieben einen „vorsichtig optimistischen“ Beginn, der sich im Jahresverlauf verfestigt hat. Ausgangspunkt war eine strukturelle Margenkrise. Laut IHA verzeichnete das deutsche Beherbergungsgewerbe 2025 mit 497,4 Millionen Übernachtungen einen Höchstwert. Gleichzeitig stiegen die Unternehmensinsolvenzen im klassischen Beherbergungsgewerbe um 40,1 Prozent und übertrafen das Vorkrisenniveau. Rekordnachfrage bei sinkenden Preisen, das ist das Muster einer preisgetriebenen Konsolidierung.

Der DACH-Vergleich zeigt drei Stimmungslagen. In Österreich fällt das Bild gegenläufig aus: Laut ÖHV-Deloitte-Tourismusbarometer, zitiert bei gastroportal.at, bewerten die Betriebe die wirtschaftliche Lage mit der Note 3,2, schlechter als im Vorjahr, fast jeder zweite Betrieb erwartet eine weitere Verschlechterung. 77 Prozent steigerten laut smarthotelkey.at zwar den Umsatz, doch bei fast jedem zweiten Betrieb entwickelte sich der Gewinn schwächer als der Umsatz. In der Schweiz bleiben die Aussichten laut Schweiz Tourismus, berichtet über SRF, robust, besonders in der Luxushotellerie und in Städten mit starker Nachfrage zu hohen Preisen.

Was das für den eigenen Betrieb heißt

Die Umfragezahlen sind ein Stimmungsindikator, kein Marktindikator. Sie zeigen, wofür die Häuser ihre Budgets 2026 kalibrieren. Wer sein eigenes Budget gegen diese Erwartungen legt, sollte zwei Punkte trennen. Ein Umsatzplus von sechs Prozent ist bei stabiler Auslastung erreichbar, sagt aber nichts über die Marge. Die Gewinnerwartung liegt bewusst niedriger.

Der zweite Punkt betrifft die eigene Preisannahme. Wer 2026 mit spürbaren Preissteigerungen plant, plant gegen den Trend von 2025, in dem der Netto-Zimmerpreis real sank. Die belastbarere Rechnung setzt bei der Auslastung an, wie BWH es vormacht. Für das Tagesgeschäft heißt das: Forecast-Szenarien nicht allein auf den Preishebel stützen, sondern GOPPAR, den Bruttogewinn pro verfügbarem Zimmer nach Betriebskosten, als Steuerungsgröße neben den RevPAR stellen. Der Mindestlohnsprung auf 13,90 Euro und die hohe deutsche Kostenstruktur fressen Umsatzwachstum, das nicht durch Preis oder Prozesse abgesichert ist. Die Optimisten unter den Gruppen setzen auf Preisdurchsetzung, die Vorsichtigen auf Volumen und Kostenkontrolle. Für den einzelnen Betrieb ist entscheidend, ob die eigene Preisannahme im Markt tatsächlich trägt.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.