Donnerstag, 24. September 2026
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Palace Berlin wird ab 2027 Hyatt Regency

Ab dem ersten Quartal 2027 trägt das Hotel Palace Berlin den Namen Hyatt Regency Palace Berlin. Nach 20 Jahren bei The Leading Hotels of the World wechselt das Familienhaus in eine Konzernmarke.

Frühstücksraum des Palace Berlin kurz vor Öffnung, Mitarbeiter richtet Tische, Morgenlicht durch Vorhänge
Symbolbild · KI-generiert

Ab dem ersten Quartal 2027 firmiert das Hotel Palace Berlin in der City West als Hyatt Regency Palace Berlin. Damit endet die Mitgliedschaft bei The Leading Hotels of the World (LHW), der das Haus seit Oktober 2005 angehörte. Der Wechsel führt das 1968 eröffnete Familienhotel von einer Vertriebskooperation für unabhängige Häuser in eine geführte Konzernmarke.

Was sich ändert – und was in Familienhand bleibt

Laut HOGAPAGE und Tageskarte.io richtet sich das Haus unter dem neuen Banner stärker auf internationales Business- und Veranstaltungsgeschäft sowie auf Individualgäste aus. Investitionen in Umgestaltung und Modernisierung begleiten den Wechsel; eine konkrete Summe nennen die Meldungen nicht.

Operativ bleibt vieles beim Alten. Michael Frenzel führt das Haus weiter als General Manager. Die Bindung an den Konzern ändert die Führungsebene vor Ort nicht.

Zur Ausstattung gehören eine Club Lounge, das Restaurant beef45, die House of Gin Bar, eine Lobby Lounge Bar, das modernisierte Frühstücksrestaurant The Food Court sowie ein 800 Quadratmeter großer Spa-Bereich mit Pool und Saunen. Bei der Zimmerzahl weichen die Quellen ab: Wikipedia und palace.de nennen 238 Zimmer und 40 Suiten, die Pressemeldung 239 Zimmer und 39 Suiten. Die PR-Zahlen decken sich nicht mit den bisherigen Angaben des Hauses.

„Wir freuen uns sehr, Teil der Hyatt-Familie zu werden. Diese Zusammenarbeit ermöglicht es uns, die Persönlichkeit und Qualität unseres Hotels mit der globalen Stärke der Marke Hyatt Regency zu verbinden“, wird Michael Frenzel bei Nikos-weinwelten zitiert.

Ein Familienhotel verlässt die Leading-Kooperation

Das Palace Berlin ist eines der wenigen Luxushäuser der Hauptstadt im Privatbesitz derselben Familie, inzwischen in dritter Generation. Erbauer Karl Heinz Pepper errichtete das Europa Center samt Hotel nach dem Vorbild des Rockefeller Center in New York. 1968 eröffnete das Haus mit 188 Zimmern, Bankettsälen und einer Eisbahn, wie LHW in seinem Hausporträt schildert.

Die LHW-Mitgliedschaft bestand laut palace.de seit Oktober 2005. LHW ist ein Vertriebs- und Marketingverbund für eigenständig geführte Häuser, Hyatt Regency eine Konzernmarke im Upper-Upscale-Segment – der oberen gehobenen Mittelklasse mit Fokus auf Tagungs- und Veranstaltungsgeschäft. Für das Palace wechselt damit das Geschäftsmodell, nicht nur der Name.

Die Eigentümerfamilie investierte auch bisher: 2015 eröffnete die House of Gin Bar, bis 2017 sanierte das Haus Zimmer und Suiten im Hauptgebäude, 2018 kam das Restaurant beef45 hinzu (palace.de).

Hyatts Berlin-Offensive als Muster

Der Markenwechsel fügt sich in eine breitere Expansion. Laut HOGAPAGE (Stand März 2025) will Hyatt sein Deutschland-Portfolio binnen drei Jahren um 30 Prozent ausbauen, die Pipeline umfasst 1.700 Betten. Im März 2026 meldete HOGAPAGE den Vertrag für das Hyatt Select Berlin Prenzlauer Berg mit 140 Zimmern und Eröffnung 2028 – das erste Select-Haus des Konzerns außerhalb der USA.

In Wien flaggte Hyatt bereits ein Andaz zum Hyatt Regency Vienna um. Dort betreibt MHP das Haus per Franchisevertrag, Eigentümerin der Immobilie ist eine Deka-Tochter (Tophotel, April 2026). Ob für Berlin ein Franchise- oder Managementmodell gilt, geht aus den Quellen nicht hervor. Der Wiener Fall zeigt ein Branchenmuster, kein Rückschluss auf das Palace.

Als Vertriebsargument bringt Hyatt Größe mit: über 1.500 Häuser in 83 Ländern (Ende Dezember 2025, Hotel Inside), die Marke Hyatt Regency mit mehr als 200 Standorten in über 40 Ländern (hyatt.com). Statt Park Hyatt oder Andaz greift der Konzern zu Regency, weil die Upper-Upscale-Positionierung mit MICE-Fokus (MICE steht für Meetings, Incentives, Conventions, Events) zur Tagungsstärke des Palace passt.

Die Tagungsfläche als eigentliches Asset

Das Kapital des Hauses liegt im Veranstaltungsgeschäft. Laut palace.de verfügt das Palace über 2.600 Quadratmeter Eventfläche und 18 Konferenzräume, 16 davon mit Tageslicht, mit Kapazitäten für Konferenzen bis 900 Gäste. Den Veranstaltungsbereich erweiterte das Haus schon 2004 auf 2.400 Quadratmeter, inklusive Ballsaal mit fünf Metern Deckenhöhe. Gabriela Basovska, bei Hyatt für die Entwicklung in Nordeuropa zuständig, nennt laut Gourmet Report die Lage in der City West und die Veranstaltungsmöglichkeiten als Gründe für die Aufnahme in die Marke.

Was das für den Berliner Wettbewerb heißt

Für den Tagesbetrieb verschiebt der Wechsel vor allem die Distributionslogik. Das Palace bindet sich künftig an das Treueprogramm World of Hyatt und den Konzernvertrieb. Das bringt planbare Nachfrage aus dem internationalen Firmen- und MICE-Segment, kostet aber Gebühren und Standardisierung, die in einer Kooperation wie LHW so nicht anfallen.

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Berlin gilt 2025 als Sorgenkind unter den deutschen Metropolen: Laut Gastgewerbe-Magazin, gestützt auf Zahlen von Christie & Co, drücken trotz guter Auslastung nachgebende Zimmerraten die Gesamtperformance. Der RevPAR – der Umsatz je verfügbarem Zimmer – sank 2025 bundesweit um 0,7 Prozent, in Berlin belasten Überangebot und preissensible Gäste die Rate zusätzlich. Nach CoStar-Zahlen (fvw) wachsen Berlins Hotelkapazitäten bis 2029 um rund elf Prozent.

In diesem Umfeld verschafft ein globales Buchungssystem einen Vorteil im Kampf um internationale Nachfrage. Für Wettbewerber wie Grand Hyatt, Waldorf Astoria oder die unabhängigen Häuser der Stadt heißt das: Ein etabliertes Traditionshaus tritt künftig mit Konzernvertrieb im Rücken an, bei gleicher Lage und gewachsener Tagungskompetenz. Wer im Berliner Luxussegment ohne Kettenanbindung auskommt, muss seinen Direktvertrieb entsprechend schärfen.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.