165 von 175 Revo-Hotels haben einen neuen Betreiber
Für 165 der ehemals rund 175 Revo-Hotels steht Anfang Juni 2026 ein Investor fest. Prism, Israel Canada/Brown Hotels und Motel One gehören zu den Käufern – mit Folgen für den Wettbewerb im DACH-Budgetsegment.

Fünf internationale Hotelgruppen und Investoren übernehmen zusammen rund 120 Häuser der insolventen Revo Hospitality Group, weitere 45 fanden anderweitig einen Käufer, für zehn Standorte laufen noch Gespräche. Damit steht Anfang Juni 2026 für 165 der ehemals rund 175 Revo-Hotels eine Investorenlösung fest. Das berichtet tageskarte.io mit Stand vom 2. Juni.
Die Zahlen des Verfahrens
Laut tageskarte.io beantragte Revo im Januar und Februar 2026 für 138 Hotelgesellschaften beim Amtsgericht Charlottenburg ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Der erste Antrag fiel auf den 16. Januar. Betroffen waren nach Angaben von helloguest rund 125 Hotels in Deutschland und Österreich mit etwa 5.500 Beschäftigten. Anfang April eröffnete das Gericht die Verfahren für die 175 Hotels, wie tophotel.de meldet.
Den überwiegenden Teil der rund 5.450 Beschäftigten in den Häusern will man weiterbeschäftigen, so tageskarte.io. In der Unternehmenszentrale enden dagegen 450 Arbeitsverhältnisse. Zur Sicherung der Liquidität beantragte das Unternehmen laut helloguest eine Vorfinanzierung der Gehaltszahlungen für Januar bis März bei der Bundesagentur für Arbeit.
Der Bieterprozess war umfangreich. Mehr als 100 Interessenten prüften die Portfolios, rund 20 legten verbindliche Angebote vor, berichtet hotelbau. Das Ergebnis ist keine Zerschlagung, sondern eine Umverteilung an konkurrierende Betreiber. Dieses Muster dürfte den Budget- und Mittelklassemarkt im DACH-Raum für Jahre prägen.
Wer sich die Standorte sichert
Am aktivsten greift die zur indischen Plattform Prism gehörende Marke Sunday Hotels zu. Nach Angaben von Hogapage übernimmt sie 24 Standorte aus dem ehemaligen Revo-Portfolio und wächst damit in Deutschland auf 35 Häuser. Ergänzend vermietet der Immobilienkonzern Aroundtown vier Hotels in Düsseldorf, Frankfurt/Neu-Isenburg, Dortmund und Offenburg an Prism.
Israel Canada / Brown Hotels plant laut Hogapage den Erwerb von fünf Häusern mit insgesamt 1.179 Zimmern zu einem Kaufpreis von rund 15,8 Millionen Euro. Dazu zählen das H2 und das H4 Hotel München Messe, das H4 Hamburg Bergedorf, das Centro Park Berlin und das H4 Leipzig.
Motel One übernahm zum 1. Juni bereits zwei Kieler Häuser, die bislang unter den Marken ibis Styles und Adagio Access liefen. Für die Immobilie schloss die Gruppe mit Eigentümer Art-Invest Real Estate einen Mietvertrag über 25 Jahre. Ein größerer Schritt hängt noch beim Bundeskartellamt: Für zehn weitere Häuser läuft ein Fusionskontrollverfahren. Weder Standorte noch Marken noch eine Entscheidung sind bislang öffentlich, wie tageskarte.io schreibt.
Vom Einzelhotel zum 1,3-Milliarden-Konzern
Aus einem einzigen Hotel in Leipzig im Jahr 2008 wurde bis 2025 ein Konzern mit 250 Objekten in zwölf europäischen Ländern und einem Jahresumsatz von 1,3 Milliarden Euro, wie das Branchenportal REFIRE berichtet. Allein seit 2020 stieg die Zahl der Häuser laut Hogapage von 51 auf rund 250. Getrieben wurde das Wachstum durch Zukäufe der Portfolios Vienna House, Amedia, Centro und Absolute Hotel Service.
Seit 2014 erzielte das Unternehmen laut REFIRE keinen Gewinn mehr. Erst im April 2025, wenige Monate vor dem Kollaps, benannte sich die HR Group in Revo um. Wie schnell sich Prioritäten drehten, zeigt die Vienna-House-Transaktion: Im September 2022 verkaufte die HR Group diese Marke laut CoStar für 44 Millionen US-Dollar an Wyndham. CEO Ruslan Husry begründete den Verkauf damit, Umsatz und Zimmerzahl zu beschleunigen.
Die Insolvenz wirkt bis in die Bilanzen der Franchisegeber. Wyndham verbuchte laut MarketBeat wegen der Revo-Pleite 160 Millionen US-Dollar nicht zahlungswirksame Belastungen und nahm zugehörige Erlöse aus dem Ausblick für 2026 heraus.
Was das für den DACH-Markt bedeutet
Für Betreiber im deutschsprachigen Raum verschiebt das erste Halbjahr die Kräfteverhältnisse im Budget- und Mittelklassesegment. Wer bislang an einem Standort gegen ein Revo-Haus konkurrierte, hat jetzt einen neuen Wettbewerber, oft mit anderer Preisstrategie, Marke und Vertriebslogik. Prism und Israel Canada sind ausländische Kapitalgeber, die über Nacht zu relevanten Größen im deutschen Stadthotel-Markt werden. Das erhöht den Wettbewerbsdruck auf ADR (durchschnittliche Zimmerrate) und Auslastung, gerade in Messestädten wie München, Hamburg und Berlin, wo sich mehrere übernommene Häuser konzentrieren.
Parallel läuft die organische Expansion der Budget-Ketten weiter. Premier Inn überschritt laut tophotel.de Anfang April erstmals die Marke von 70 Standorten in Deutschland und investierte seit dem Markteintritt 2016 mehr als eine Milliarde Pfund, bei einem Marktanteil von rund sechs Prozent im deutschen Budgetsegment. In Großbritannien betreibt die Kette 850 Hotels. Scandic kommt nach der jüngsten Eröffnung auf neun deutsche Häuser mit 2.849 Zimmern, B&B laut ahgz auf 18 zusätzliche Betriebe in diesem Jahr. Der Verdrängungswettbewerb im unteren Preissegment bleibt hoch.
Für Eigentümer und Pächter heißt das konkret: Standorttreue der Marken ist keine Konstante mehr. Wer Immobilien an große Betreiber verpachtet, sollte Bonität und Konzernstruktur des Mieters genauer prüfen als in den Boomjahren. Die Revo-Historie mit aggressiven Zukäufen, Doppelstrukturen und elf Jahren ohne Gewinn zeigt, dass Größe kein Sicherheitsversprechen ist. Im Tagesgeschäft bedeutet ein Betreiberwechsel am Nachbarhaus geänderte Wettbewerbspreise, neue Buchungskanäle und Personalbewegungen im lokalen Arbeitsmarkt.
Quellen
- ahgz – Stürmische Zeiten auf dem Hotelmarkt
- tageskarte.io – Revo-Insolvenz: Investorenlösungen und Motel-One-Übernahme
- Tophotel.de – Verfahrenseröffnung und Premier-Inn-Expansion
- Hogapage – Prism, Israel Canada/Brown Hotels und Portfolioübernahmen
- hotelbau – Bieterprozess Revo Hospitality Group
- helloguest – Insolvenzantrag und Liquiditätssicherung
- REFIRE – Aufstieg und Fall der HR Group / Revo
- CoStar – Verkauf Vienna House an Wyndham 2022
- MarketBeat – Wyndham Q4-Call: Belastung durch Revo-Insolvenz
- Hotel vor9 – Vorgeschichte, Zahlungsprobleme und Marktanteile
- Verbraucherzentrale Hessen – Insolvenz Revo Hospitality Group
- DEHOGA Bayern / IHA – Branchenreport 2025
Quelle: Originalmeldung


