Donnerstag, 24. September 2026
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Nur 53,6 Prozent der Hotelfachleute zufrieden mit ihrer Ausbildung

53,6 Prozent der angehenden Hotelfachleute bewerten ihre Ausbildung positiv – der niedrigste Wert aller 25 untersuchten Berufe im DGB-Ausbildungsreport 2026. Der Trend zeigt seit drei Jahren nach unten.

Auszubildende im Hotelbackoffice prüft Ausbildungsplan an Pinnwand, unaufgeräumter Schreibtisch, Mischlich
Symbolbild · KI-generiert

Nur 53,6 Prozent der angehenden Hotelfachleute bewerten ihre Ausbildung als „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Das geht aus dem Ausbildungsreport 2026 der DGB-Jugend hervor, den der Gewerkschaftsbund am 20. August 2026 in Berlin vorgestellt hat. Der Beruf rangiert damit am unteren Rand der Skala, unter dem Gesamtschnitt aller Befragten von 65,7 Prozent und weit hinter den Verwaltungsfachangestellten mit 81,8 Prozent.

Was der Report für die Hotellerie zeigt

Für die Untersuchung befragte die DGB-Jugend nach eigenen Angaben über zwölf Monate bis Mai 2026 insgesamt 13.227 Auszubildende aus den 25 am stärksten besetzten dualen Ausbildungsberufen. Verantwortlich für die Erhebung war Studienleiter Oliver Dick vom Institut für Sozialpädagogische Forschung Mainz (ISO).

Die Hotelfachleute stehen nicht allein am unteren Ende. Laut wiwo.de nennen auch Friseure, Zahnmedizinische Fachangestellte und Köche niedrige Zufriedenheitswerte. Das Gastgewerbe stellt mit Köchen und Hotelfachleuten gleich zwei Berufe auf den hinteren Plätzen. Zur Einordnung: Die Gesamtzufriedenheit sank branchenübergreifend von 71,6 Prozent im Vorjahr auf 65,7 Prozent, laut DGB der niedrigste je gemessene Wert. Die Hotellerie steht nicht isoliert da, fällt aber überdurchschnittlich stark ab.

Als Hebel benennt der Report die betriebliche Mitbestimmung. Gibt es im Betrieb eine Jugend- und Auszubildendenvertretung, einen Betriebs- oder Personalrat, steigt die Zufriedenheit auf 75,7 Prozent. Wo Auszubildende Probleme ansprechen und Ausbildungspläne durchsetzen können, fallen die Bewertungen besser aus.

Der Abwärtstrend zieht sich über drei Jahre

Die aktuellen 53,6 Prozent sind kein Ausreißer. Im Ausbildungsreport 2024 lagen die Hotelfachleute noch bei 60,4 Prozent. Der Report 2025 wies für den Beruf laut ahgz.de knapp 60 Prozent aus, schon damals der letzte Platz auf der Zufriedenheitsskala. Die Position verfestigt sich.

Ein methodischer Vorbehalt gehört dazu: Die Stichprobe fiel 2025 mit 9.090 Befragten kleiner aus als die 13.227 im aktuellen Jahr, und das Berufe-Ranking variiert je nach Jahrgang leicht. Ein exakter Vergleich Jahr für Jahr ist damit nicht möglich. Die Richtung zeigt aber sowohl beim Einzelwert für die Hotellerie als auch bei der Gesamtzufriedenheit nach unten.

Was Azubis konkret belastet

Der Report nennt mehrere Faktoren, die den Ausbildungserfolg drücken. 35,4 Prozent der Befragten leisten regelmäßig Überstunden, 3,1 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr, wie wz.de auf Basis einer dpa-Meldung berichtet. Weitere 16,3 Prozent übernehmen „immer“ oder „häufig“ Aufgaben ohne Bezug zum Ausbildungsziel. Für das Gastgewerbe lagen diese Werte bereits im Vorjahr höher: Rund 41 Prozent der Hotelfachleute und 50,6 Prozent der Köche gaben damals an, dass Überstunden zum Alltag gehören (food-service.de).

Auffällig ist die mentale Belastung. 50,6 Prozent aller Befragten berichten von psychischen Belastungen. 80,8 Prozent fühlen sich am Ende eines Ausbildungstages erschöpft, 2016 waren es 61,9 Prozent. Auch die Abbruchgedanken nahmen zu: Der Anteil derjenigen, die „immer“ oder „häufig“ ans Aufhören denken, stieg laut DGB-Studie von 36,5 auf 48,7 Prozent.

Wie stark die Betreuung wirkt, zeigt eine Zahl: Sind Ausbilderinnen und Ausbilder stets erreichbar, fühlen sich nur 8,5 Prozent hoch belastet. Bei selten oder nie erreichbarer Betreuung steigt der Wert auf 36 Prozent.

„Junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung, weil sie einen Beruf lernen und darin gut werden wollen. Dafür brauchen sie gute fachliche Anleitung, planbare Arbeitszeiten und Aufgaben, die wirklich zum Ausbildungsziel gehören“, sagt DGB-Bundesjugendsekretärin Nina Krüger.

Ein Vergütungsproblem kommt hinzu. Laut food-service.de verdienten Hotelfachleute im dritten Lehrjahr zuletzt 980 Euro, Köche 950 Euro, Bankkaufleute dagegen 1.345 Euro. 65,3 Prozent aller Befragten geben an, von ihrer Vergütung „weniger gut“ oder „gar nicht“ selbstständig leben zu können.

Was das für den Betrieb heißt

Für die Hotellerie in der DACH-Region bestätigt der Report ein bekanntes Muster, und er trifft eine Branche, die sich Nachwuchsverluste kaum leisten kann. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Deutschland sank 2025 laut Destatis um 2,8 Prozent auf 461.900, das Ausbildungsplatzangebot laut BIBB um 4,6 Prozent. Der DEHOGA zählt rund 51.500 Auszubildende im Gastgewerbe. Wer hier jährlich mehr Azubis verliert, spürt das in wenigen Jahren im Serviceniveau.

Die belastbarste Handlungsanweisung liefert der Report über die Zusammenhänge, die er offenlegt. Erreichbare Ausbilder senken die Belastungsquote von 36 auf 8,5 Prozent. Betriebe mit Interessenvertretung erreichen Zufriedenheitswerte von 75,7 statt 65,7 Prozent. Wer die Ausbildung organisiert, mit festen Ansprechpartnern, eingehaltenen Ausbildungsplänen und ohne dauerhafte fachfremde Aushilfsdienste, hält Azubis eher. Die 37,1 Prozent, die kurz vor Abschluss keine Übernahmezusage haben, sind ein weiterer Ansatzpunkt: Eine frühe, verbindliche Perspektive kostet nichts und bindet Fachkräfte, die andernfalls wechseln.

Die Überstundenzahlen im Gastgewerbe zeigen den strukturellen Widerspruch. Wer im laufenden Betrieb den Personalmangel über die Azubis kompensiert, produziert genau die Belastung, die später zum Abbruch führt. Die Rechnung geht kurzfristig auf und langfristig nicht.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.