DQuadrat Living übernimmt Bonner Revo-Haus als Mercure
161 Zimmer, neuer Betreiber, neue Marke: DQuadrat Living übernimmt das Bonner Revo-Haus zum 1. Oktober 2026 – das zehnte Haus im Portfolio, erstmals unter der Vier-Sterne-Marke Mercure.

161 Zimmer, Betreiberwechsel zum 1. Oktober 2026, neue Marke: Das Hotel am Bonner Hauptbahnhof geht aus der Revo-Insolvenz an die DQuadrat Living GmbH aus Ludwigsburg. Aus dem bisherigen IntercityHotel wird das Mercure Hotel Bonn City Center – das zehnte Haus im Portfolio des Betreibers.
Laut tophotel.de übernimmt DQuadrat Living den Betrieb ohne Unterbrechung des laufenden Geschäfts. Buchungen und Aufenthalte bleiben während der Umstellung möglich, das bestehende Team behält seine Jobs. Die Neuvermietung begleitete die Schollen Hotelberatung. In den kommenden Monaten will der neue Betreiber das Haus schrittweise renovieren und an die Mercure-Standards anpassen.
Ein Haus, mehrere Marken in wenigen Jahren
Das Objekt an der Quantiusstraße 22 liegt direkt am Hauptbahnhof und zielt auf Geschäfts- wie Städtereisende. Zur Ausstattung gehören Restaurant, Bar und ein eigenes Parkhaus mit E-Ladestationen. Vor der Übernahme lag die Gästebewertung auf Expedia bei 8,8 von 10 Punkten.
Die Beschilderung wechselte in den vergangenen Jahren mehrfach. IntercityHotel ist eine Marke der Deutschen Hospitality mit Sitz in Frankfurt, die auch Steigenberger, MAXX und Zleep führt. Zuletzt betrieb die inzwischen insolvente Revo Hospitality Group das Bonner Haus. Künftig läuft es als Accor-Franchise unter der Marke Mercure. Für die Belegschaft ist die personelle Kontinuität der Fixpunkt in diesem Übergang.
„Die Mitarbeitenden kennen das Haus, den Standort und unsere Gäste und sind damit ein wichtiger Bestandteil für einen erfolgreichen Neustart unter der Marke Mercure“, sagt Jens Philipsenburg, Geschäftsführer der DQuadrat Living GmbH, laut tophotel.de.
Die Revo-Zerschlagung als Auslöser
Der Bonner Deal gehört zu einem größeren Portfolio-Ausverkauf. Wie helloguest.io berichtet, stellte die Revo Hospitality Group am 16. Januar 2026 beim Amtsgericht Charlottenburg für rund 140 Gesellschaften einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Betroffen waren etwa 125 Hotels in Deutschland und Österreich mit rund 5.500 Beschäftigten. Anfang April eröffneten die Gerichte laut tophotel.de die Verfahren für 175 Häuser.
Hinter dem Kollaps steht eine Überexpansion. Nach Angaben von HOGAPAGE wuchs die Gruppe seit 2020 von 51 auf zuletzt rund 250 Hotels, die Übernachtungszahlen hielten dieses Tempo nicht. Revo, hervorgegangen aus der 2008 gegründeten HR Group, agierte als Lizenznehmer mehrerer Marken, darunter Hyatt, Accor und IHG.
Die Zerschlagung ist beschlossen. Laut Hotel vor9 übernehmen fünf internationale Hotelgruppen und Investoren rund 120 Hotels, weitere 45 Häuser sind bereits verkauft. Fast alle 5.450 Arbeitsplätze in den Hotels bleiben erhalten, die 450 Stellen in der Berliner Zentrale fallen weg. Mehr als 100 Interessenten forderten laut Tageskarte Informationen an, rund 20 gaben verbindliche Angebote ab.
Wer ist DQuadrat Living?
Das Unternehmen mit Sitz in Ludwigsburg entstand 2015 und plant, baut und betreibt Hotels, Boardinghäuser und Studentenwohnungen. Mit den Eigenmarken HARBR., Das Schlafwerk und BE:AT spricht es unterschiedliche Zielgruppen an. Bonn läuft dagegen als Franchise unter fremder Marke, ein Modell, das DQuadrat seit einigen Jahren ausbaut.
Das erste Accor-Franchise übernahm das Unternehmen im April 2022 mit dem ibis budget Ludwigsburg (126 Zimmer). Seit dem 17. November 2025 betreibt es laut eigener Mitteilung ein zweites Accor-Haus, ein ibis Styles. Mit der Übernahme in Tübingen wuchs das Portfolio im November 2025 auf neun Häuser in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Bonn ist das zehnte und das erste unter der Vier-Sterne-Linie Mercure statt der günstigeren ibis-Marken.
Warum Bonn – der Standort in Zahlen
Bonn zählte 2019 rund 1,7 Millionen Übernachtungen, wie die Stadt Bonn ausweist. Im ersten Corona-Jahr brach die Nachfrage um 56 Prozent auf rund 756.000 ein. Wirtschaftlich wiegt das Gastgewerbe schwer: 1,276 Milliarden Euro Umsatz brachte die Branche 2019 in die Bundesstadt, rechnerisch verdienen dort 18.920 Personen ihren Lebensunterhalt.
Rückenwind kommt aus dem Land. NRW verzeichnete 2025 laut IT.NRW mit 25,0 Millionen Gästen und 55,5 Millionen Übernachtungen (plus 1,7 Prozent) einen Rekordwert. Ein Vorsichtssignal liefert die IHK Bonn/Rhein-Sieg: Im Herbst 2025 lag die im Bezirk erhobene Auslastung im Gastgewerbe bei 40,7 Prozent und damit unter dem Vorjahreswert von 41,9 Prozent. Diese Umfragezahl ist keine amtliche Zimmerauslastung, zeichnet aber ein zurückhaltenderes Bild als die Landesstatistik.
Was das für die Branche heißt
Wo ein Betreiber aus der Insolvenz ausscheidet, entsteht kurzfristig Bewegung im lokalen Wettbewerb. Ein renoviertes Mercure am Hauptbahnhof tritt gegen bestehende Häuser im Bahnhofsumfeld an, mit neuer Vertriebsanbindung über Accor und einer Umbauphase, in der Zimmerqualität und Preisdurchsetzung schwanken. Wer im gleichen Mikromarkt sitzt, sollte die Wiedereröffnungs- und Ratenstrategie des Hauses beobachten.
Für Eigentümer und Pächter lohnt der Blick auf die Transaktionslogik. Bei vergleichbaren Revo-Deals, etwa dem Fünf-Häuser-Paket an Israel Canada Hotels für rund 15,8 Millionen Euro, erwarb der Käufer laut tophotel.de die Betreibergesellschaften samt bestehender Mietverträge, während Altverbindlichkeiten im Insolvenzverfahren blieben. Das erklärt, warum solche Übernahmen ohne Betriebsunterbrechung und mit Personalübernahme funktionieren: Der neue Betreiber steigt in laufende Verträge ein, statt Neubau- oder Neuvermietungsrisiken zu tragen.
Für Revenue-Verantwortliche heißt das konkret, Franchise-Übernahmen aus der Insolvenzmasse nicht als Marktbereinigung zu lesen, sondern als Verschiebung der Wettbewerbslinien: oft dieselben Häuser, aber neue Schilder, Renovierungsbudgets und Distributionskanäle. Für Beschäftigte in Revo-Häusern liefert Bonn das Muster: Der Betrieb läuft weiter, das Team bleibt, nur die Marke wechselt.
Quellen
- tophotel.de – DQuadrat Living übernimmt Bonner Intercityhotel
- AHGZ – Neuer Betreiber für das Intercity Hotel in Bonn
- Hotel vor9 – Intercity Hotel Bonn wechselt Betreiber und Marke / Revo-Zerschlagung
- Tageskarte – DQuadrat Living übernimmt Intercity Hotel Bonn / Revo-Bietprozess / Christie & Co
- helloguest.io – Revo Hospitality Group stellt Insolvenzantrag
- HOGAPAGE – Revo-Expansion von 51 auf rund 250 Hotels
- DQuadrat Living – Unternehmensprofil und Accor-Franchise-Historie
- Expedia – Hotel Bonn, 161 Zimmer, Gästebewertung 8,8/10
- HolidayCheck – Zimmerangaben Hotel Bonn
- Stadt Bonn – Übernachtungs- und Wirtschaftszahlen Gastgewerbe
- IT.NRW – Tourismuszahlen Nordrhein-Westfalen 2025
- IHK Bonn/Rhein-Sieg – Konjunkturumfrage Herbst 2025
- Handelsblatt – Revo als Lizenznehmer und Expansion


