ifo steigt auf 88,8 – realer Gastgewerbeumsatz sinkt 5,2 %
Der ifo-Geschäftsklimaindex kletterte im August auf 88,8 Punkte – stärker als erwartet. Das Statistische Bundesamt meldet gleichzeitig ein reales Umsatzminus von 5,2 % im Gastgewerbe.

Der ifo-Geschäftsklimaindex stieg im August 2026 auf 88,8 Punkte, nach 86,7 im Juli. Von Dow Jones Newswires befragte Volkswirte hatten nur 87,1 Punkte erwartet. Auch Hotellerie und Gastronomie melden bessere Erwartungen – während das Gastgewerbe im ersten Halbjahr real 5,2 Prozent weniger umsetzte als ein Jahr zuvor.
Die Stimmung dreht, auch in Hotellerie und Gastronomie
Das Münchner ifo Institut befragt für seinen Index monatlich rund 9.000 Manager. Im August legte der Gesamtwert stärker zu als von Analysten erwartet, wie ifo.de mitteilte. Den Anstieg tragen vor allem die Geschäftserwartungen: Sie kletterten vom April-Tief bei 83,6 Punkten auf zuletzt 89,1. Seit dem Frühjahrstief hat der Gesamtindex 4,3 Punkte gutgemacht.
Die Aufhellung erreicht auch das Gastgewerbe, wie die Branchenfachdienste food-service und gvpraxis berichten, beide aus dem Deutschen Fachverlag. ifo-Präsident Clemens Fuest ordnete den Wert laut finanzen.ch so ein:
„Die Unsicherheit nahm weiter ab. Trotz des erneuten Energiepreisanstiegs erholt sich die deutsche Wirtschaft.“
Die Werte liegen weiter unter dem langjährigen Normalniveau, das kagels-trading.de bei 95 bis 100 Punkten verortet. Von einem Boom ist der Index also weit entfernt.
Der harte Gegenwert: real minus 5,2 Prozent
Gegen die bessere Stimmung steht die Umsatzstatistik des Statistischen Bundesamts. Laut Destatis (PD26_299) setzte das Gastgewerbe im ersten Halbjahr 2026 real 5,2 Prozent weniger um als im Vorjahreszeitraum, nominal aber 2,1 Prozent mehr. Der Unterschied liegt in den Preisen: Nominal misst den Umsatz zu aktuellen Preisen, real rechnet die Inflation heraus. Das nominale Plus ist damit kein Wachstum, sondern die Folge höherer Preise. Die verkaufte Menge sank.
Die Aufschlüsselung zeigt, wo es am stärksten drückt. Die Gastronomie verlor im Halbjahr real 5,7 Prozent, nominal legte sie 2,2 Prozent zu. Die Hotellerie kam mit real minus 3,2 Prozent glimpflicher davon, nominal plus 2,0 Prozent, wie hogapage.de berichtet. Im Einzelmonat Juni fiel der Beherbergungsumsatz gegenüber dem Vorjahr laut food-service.de real um 4,9 Prozent.
Der Tiefpunkt lag im Frühjahr. Im März 2026 erreichte der reale Gastgewerbeumsatz laut Destatis (PD26_170) das niedrigste Niveau seit März 2022, als die Corona-Auswirkungen noch spürbar waren.
Warum die Stimmung trotzdem steigt
Der Aufhellung ging ein tiefer Absturz voraus. Der ifo-Index fiel im April 2026 auf 84,5 Punkte und arbeitete sich dann in drei Schritten nach oben. Ein niedriger Ausgangspunkt lässt jeden Anstieg größer erscheinen, als er in absoluten Zahlen ist.
Ein konkreter Entlastungsfaktor stützt die Erwartungen. Seit dem 1. Januar 2026 gilt dauerhaft der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen in der Gastronomie, wie die Wirtschaftswoche berichtet. Der DEHOGA nannte den Schritt einen Beitrag zu „Steuergerechtigkeit und zur Stärkung der Gastronomie“. Die Realdelle auffangen konnte die Senkung nicht.
Denn der Kostenblock wächst weiter. Energie-, Lebensmittel- und Personalkosten sind seit Anfang 2022 um bis zu 35 Prozent gestiegen, so der DEHOGA Bayern. Die Löhne legten im Januar 2026 um 6,1 Prozent zu, gleichzeitig verzeichnet das Gastgewerbe laut tageskarte.io mit minus 3,2 Prozent den stärksten Beschäftigungsrückgang im deutschen Mittelstand. Auch die Insolvenzen widersprechen der Zuversicht: Von Januar bis Februar 2026 zählte der DEHOGA-Zahlenspiegel 466 beantragte Verfahren, ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Gesamtwirtschaft nur um 1,9 Prozent zulegte.
Zum Jahresbeginn bewerteten nur 19,3 Prozent der befragten Unternehmer ihre Lage als gut, so tageskarte.io. Der DEHOGA formulierte im Zahlenspiegel: „Anzeichen für eine baldige Trendwende sind nicht in Sicht.“ Analysten von experten.de fassen den ifo-Wert entsprechend zusammen: „Das ist ein belastbares Signal für eine konjunkturelle Stabilisierung, aber noch kein Aufschwung.“
Was das für den DACH-Betrieb heißt
Für die Praxis im Haus zählt der Abstand zwischen Klima und Kasse. Ein steigender ifo-Wert taugt nicht als Freigabe für aufgeschobene Investitionen, solange der reale Umsatz sinkt und die Margen unter dem Kostendruck schmelzen. Wer jetzt Kapital bindet, sollte es an belegter Nachfrage im eigenen Betrieb festmachen, nicht am aufgehellten Gesamtindex.
Österreich zeigt das Muster in Reinform. Die Wintersaison 2025/26 brachte mit 54,25 Millionen Nächtigungen einen Rekord, dennoch entwickelte sich laut ÖHV bei jedem zweiten Betrieb der Gewinn schlechter als der Umsatz. Volle Betten bedeuten nicht automatisch volle Kasse. Die Investitionsbereitschaft zeigt das: 41 Prozent der österreichischen Betriebe reduzieren ihre geplanten Investitionen, nur 6 Prozent erhöhen sie. Der Tourismusindex von ÖHV und Deloitte liegt bei 3,2, laut smarthotelkey.at der schlechteste Wert seit 2021.
Beim Personal bleibt der Handlungsdruck hoch. Trotz leicht entspannter Verfügbarkeit haben in Österreich 62 Prozent der Betriebe offene Stellen zu besetzen. Für die Kalkulation heißt das: Lohnsteigerungen und ein schrumpfender Personalbestand treffen auf sinkende reale Umsätze. Preiserhöhungen federn das nominal ab, verschieben das Problem aber nur, wenn die verkaufte Menge weiter fällt. Der DTV-Vertreter Olaf Bentlage brachte die Lage gegenüber der Wirtschaftswoche auf den Punkt: „Das Glas ist halb voll und halb leer.“ Für Revenue- und F&B-Verantwortliche ist die bessere Stimmung ein Grund, genauer auf die eigenen realen Zahlen zu schauen, nicht sie durch den Index zu ersetzen.
Quellen
- AHGZ – Ifo Geschäftsklima: Mehr Zuversicht im Gastgewerbe
- ifo Institut – ifo Geschäftsklimaindex August 2026
- finanzen.ch – ifo-Geschäftsklima steigt stärker als erwartet
- finanzmarktwelt.de – ifo-Index: Erwartungen und Lageeinschätzung August 2026
- experten.de – ifo-Erwartungen: Stabilisierung, aber kein Aufschwung
- kagels-trading.de – ifo-Index-Verlauf und Normalniveau
- food-service.de – Stimmung im Gastgewerbe bessert sich / Hotellerie-Umsatz Juni 2026
- gvpraxis – Hotellerie und Gastronomie ziehen mit
- Statistisches Bundesamt – Gastgewerbeumsatz 1. Halbjahr 2026 (PD26_299)
- Statistisches Bundesamt – Gastgewerbeumsatz März 2026 (PD26_170)
- hogapage.de – Umsatzentwicklung Hotellerie Halbjahr 2026
- Wirtschaftswoche – Mehrwertsteuersenkung und Branchenlage
- tageskarte.io – DEHOGA-Konjunkturumfrage / Löhne und Beschäftigung
- DEHOGA Bundesverband – Zahlenspiegel und Vorkrisenvergleich
- DEHOGA Bayern – Kostenentwicklung seit 2022
- DEHOGA Berlin – Erwartungen der Betriebe 2026
- gast.at – Volle Betten, schmale Margen: Tourismusbarometer
- gastroportal.at – ÖHV/Deloitte Tourismusindex und Personallage
- smarthotelkey.at – Tourismusindex 2026 auf Tiefstand
Quelle: Originalmeldung


