Donnerstag, 24. September 2026
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NRW: 26,9 Mio. Übernachtungen – aber reale Umsätze 15 % unter 2019

NRW meldet 26,9 Mio. Übernachtungen im ersten Halbjahr 2026 – Rekord. Doch real liegen die Umsätze im vierten Jahr in Folge 15 % unter dem Niveau von 2019.

Housekeeperin schiebt Servicewagen durch Hotelflur in Köln, Morgenlicht, von hinten
Symbolbild · KI-generiert

26,9 Millionen Übernachtungen zählten die Beherbergungsbetriebe in Nordrhein-Westfalen im ersten Halbjahr 2026, ein Plus von vier Prozent und der höchste je gemessene Wert für ein erstes Halbjahr. Das teilte das Statistikamt IT.NRW in Düsseldorf mit, wie ahgz und tophotel.de berichten. Neben der Bestmarke stehen zwei Kennziffern, die den Rekord relativieren: eine reale Umsatzlücke gegenüber 2019 und die Zurückhaltung bei Neuentwicklungen und Transaktionen.

Was die Halbjahreszahlen zeigen

Die Ankünfte kletterten laut IT.NRW um sechs Prozent auf 12,3 Millionen, ebenfalls ein Höchstwert. Das Wachstum trägt vor allem das Ausland: Die Zahl ausländischer Ankünfte legte laut hogapage.ch um zwölf Prozent auf 2,8 Millionen zu. Damit liegt NRW über dem Bundesschnitt. Deutschlandweit verbuchten Hotels, Pensionen und Campingplätze im ersten Halbjahr 223,8 Millionen Übernachtungen, ein Plus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresrekord, wie Destatis mitteilte.

Bei den Prozentwerten gibt es eine kleine Divergenz: Eine regionale Tourismusauswertung (tourismus.eifel.info) weist für denselben Zeitraum bei identischen Absolutzahlen ein Plus von 3,8 Prozent aus. Maßgeblich bleibt der amtliche Wert von vier Prozent. Aufschlussreicher als diese Nachkommastelle ist die Dynamik zum Halbjahresende. Im Juni 2026 wuchsen die Übernachtungen in NRW laut IT.NRW nur noch um 1,1 Prozent auf rund 5,05 Millionen, die Ankünfte um 3,7 Prozent. Bundesweit fiel der Juni mit 48,9 Millionen Übernachtungen um 2,9 Prozent schwächer aus als im Vorjahr. Der Schwung des Jahresstarts, im Januar hatte NRW noch 4,5 Prozent mehr Übernachtungen gemeldet, ließ zum Sommer hin nach.

Wo das Volumen liegt: Köln und Düsseldorf als Schwergewichte

Der Rekord ist metropolengetrieben. Nach dem Schollen Hotelmarkt Report NRW 2026, den tageskarte.io ausgewertet hat, vereinen die zwölf untersuchten Städte rund 20,8 Millionen Hotelübernachtungen und damit etwa 60 Prozent des klassischen Hotelmarkts im Land. Das Bettenangebot dieser Städte liegt bei rund 128.000 Betten.

Köln kommt laut Report auf 6,7 Millionen Übernachtungen und etwa 36.500 Betten, Düsseldorf auf 5,5 Millionen und rund 36.200 Betten. Auf die beiden Städte entfallen zusammen etwa 35 Prozent aller Hotelübernachtungen in NRW. Wer den Rekord liest, sieht also vor allem die Nachfrage in den großen Städten. Die Fläche trägt weniger zum Zuwachs bei.

Rekord ist nicht neu, und Übernachtung ist nicht Umsatz

Das Muster wiederholt sich. Bereits für 2023 meldete der Dachverband Tourismus NRW einen Übernachtungsrekord. Geschäftsführerin Heike Döll-König ordnete das damals gegenüber dem Westfalen-Blatt so ein: „Nie zuvor haben unsere meldepflichtigen Beherbergungsbetriebe im Land so viele Übernachtungen generiert – und das, obwohl die wirtschaftliche Lage seit Jahren angespannt und die Konsumlaune der Menschen deutlich gebremst ist.“ Als Referenzpunkt taugt der Corona-Einbruch: 2020 verbuchte NRW laut DEHOGA NRW 46,5 Prozent weniger Übernachtungen und 54,9 Prozent weniger Gäste als 2019.

Der entscheidende Punkt liegt zwischen Menge und Ertrag. Der DEHOGA Nordrhein hielt fest, dass Gastronomie und Hotellerie in NRW trotz Übernachtungsrekord im vierten Jahr in Folge real 15 Prozent unter dem Umsatzniveau von 2019 lagen. Volumenrekord bei gedrückten realen Umsätzen. Auf Bundesebene zeigt der IHA-Branchenreport „Hotelmarkt Deutschland 2026″ die Ertragsseite: Die durchschnittliche Zimmerauslastung stieg 2025 um 0,9 Prozentpunkte auf 68,1 Prozent, der Netto-Zimmerpreis (ADR, durchschnittlicher Preis pro verkauftem Zimmer) gab um 2,8 Prozent auf 109 Euro nach, der RevPAR (Ertrag pro verfügbarem Zimmer) sank auf 74 Euro.

Auch die Investitionsdynamik bleibt verhalten. Die Projektpipeline in den zwölf größten Städten umfasst laut konii.de rund 5.700 geplante Zimmer, konzentriert auf Köln und Düsseldorf. Der Markt zeige sich insgesamt „von Zurückhaltung bei Neuentwicklungen und Transaktionen geprägt“. Bewegung gab es punktuell: Die Deiker Höfe in Düsseldorf gingen laut tageskarte.io für rund 250 Millionen Euro an HIH Invest, auch das Pullman Cologne und das Moxy Cologne wechselten den Eigentümer.

Beide Verbände lesen dieselben Zahlen unterschiedlich. Döll-König wertete die Entwicklung gegenüber der ahgz als „ein starkes Zeichen für die Attraktivität des Reiselandes“, mahnte aber: „Damit Nordrhein-Westfalen auch künftig im Wettbewerb um Gäste bestehen kann, braucht es weiterhin Investitionen in die touristische Infrastruktur, in Qualität und Digitalisierung.“ DEHOGA-NRW-Präsident Patrick Rothkopf verwies auf die Kostenseite: „Die wirtschaftliche Lage bleibt trotz Übernachtungsrekorden insgesamt sehr angespannt, der Kosten- und Bürokratiedruck enorm.“

Was das für den Betrieb heißt

Für Hoteliers im DACH-Raum liegt der praktische Wert der Meldung darin, die beiden Kennzahlenwelten sauber auseinanderzuhalten. Ein Übernachtungsrekord im amtlichen Bericht sagt nichts über die eigene GOPPAR (Bruttobetriebsgewinn pro verfügbarem Zimmer). Wer sein Pricing an der öffentlichen Rekordstimmung ausrichtet, übersieht, dass der ADR bundesweit real nachgibt und die Auslastung den RevPAR trägt, nicht der Preis.

Die Metropolenkonzentration ist eine Warnung für Häuser in der Fläche. Der Landeszuwachs speist sich überwiegend aus Köln und Düsseldorf und aus Auslandsnachfrage. Betriebe außerhalb der Ballungsräume sollten prüfen, ob ihre eigene Belegungskurve dem Landestrend folgt oder eine andere Realität abbildet.

Die dauerhafte Rückkehr zum reduzierten Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent auf Speisen ab 2026 verschiebt die Kalkulationsgrundlage im F&B-Bereich. Rothkopf sprach von „Freiräumen für Investitionen“, schränkte aber ein, dass der Kostendruck etwa durch die Mindestlohnerhöhung fortbestehe. Der bundesweite DEHOGA erwartet, dass 76,2 Prozent der Betriebe durch den niedrigeren Satz eine Stabilisierung ihrer wirtschaftlichen Lage erwarten. Die Entlastung landet also eher in der Substanzsicherung als in expansiven Bauprojekten, was den beklagten Investitionsstau erklärt, statt ihn aufzulösen.

Quellen

Quelle: Originalmeldung

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.