Grand Resort Bad Ragaz schließt beide Wassmer-Restaurants
Ende Februar 2027 schließen beide Sterne-Restaurants von Sven Wassmer im Grand Resort Bad Ragaz. Das Resort trennt sich nach acht Jahren und plant ein resort-eigenes Fine-Dining-Konzept.

Ende Februar 2027 schließt das Grand Resort Bad Ragaz zwei besternte Restaurants: das „Sven Wassmer Memories“ mit drei Michelin-Sternen und 18 GaultMillau-Punkten sowie das „verve by sven“ mit einem Stern und 15 Punkten. Damit endet nach acht Jahren die Zusammenarbeit mit Küchenchef Sven Wassmer und seiner Frau Amanda Wassmer-Bulgin. Die Trennung erfolgt laut HOGAPAGE einvernehmlich.
Was jetzt endet und was das Resort plant
Beide Häuser gehen in ihre letzte Saison, ihre Schließung ist an den Weggang des 39-jährigen Fricktalers gekoppelt, wie GaultMillau und die Nachrichtenagentur SDA berichten. Wassmer kocht seit der Neueröffnung des „Memories“ 2019 im Resort. Das Lokal erhielt 2020 auf Anhieb zwei Sterne und stieg 2022 in die höchste Kategorie auf. Zuvor sammelte er Erfahrung bei Andreas Caminada und Nenad Mlinarevic und führte das „7132 Silver“ in Vals, das 2017 zwei Sterne erhielt.
Als Grund nennen beide gegenüber der SDA auch familiäre Umstände: Der jüngste Sohn ist autistisch, veränderte Lebensumstände hätten die beruflichen Prioritäten verschoben. General Manager Simon Spiller kündigt einen Neuaufbau an.
„Wir wollen ein Restaurant auf höchstem Niveau mit entsprechender Michelin-Ambition etablieren und zugleich die Gesundheitskulinarik als wichtigen Bestandteil unserer Resort-Strategie 2035 fest verankern“, so Spiller laut HOGAPAGE.
Der IGNIV-Vorgang als Vorgeschichte
Der Weggang der Wassmers steht in einer laufenden gastronomischen Neuausrichtung. Im Juni 2025 kündigte das Resort das Ende der Kooperation mit Andreas Caminada an. Dessen mit zwei Sternen ausgezeichnetes IGNIV sollte trotz eines bis 2027 laufenden Vertrags bereits am 31. Januar 2026 schließen. Spiller wollte damals eigene Konzepte statt Fremdmarken und eine „Kannibalisierung“ des Angebots vermeiden, wie die Restaurant-Ranglisten und die offizielle Mitteilung des Hauses dokumentieren. Geplant waren stattdessen ein thailändisches und ein italienisches Lokal.
Ein halbes Jahr später kam die Kehrtwende. Laut htr.ch und ahgz verlängerte das Resort die Partnerschaft mit IGNIV bis Ende 2029; nach einer Umbaupause soll das Zwei-Sterne-Restaurant im Dezember 2026 zurückkehren. Die vertiefte Prüfung habe gezeigt, dass Caminadas Konzept das Angebot optimal ergänze. Parallel lief ein Führungswechsel: Klaus Tschütscher hatte die Gruppe befristet in Personalunion als Verwaltungsratspräsident und CEO geführt, mit dem Auftrag, die Strategie „GRBR 2035“ aufzusetzen. An der Generalversammlung am 5. Mai gab er die CEO-Rolle wieder ab, wie schweizeraktien.net berichtet.
Das Haus baut seine gesamte Fine-Dining-Architektur um, mal durch Trennung, mal durch Rückkehr, entlang der eigenen strategischen Logik statt entlang einzelner Starnamen.
Die Zahlen dahinter
Der Umbau erfolgt nicht aus Not. Der konsolidierte Umsatz der Gruppe stieg 2025 laut dem Wirtschaftsmagazin Leader auf 109,2 Millionen Franken, ein Plus von 6,4 Prozent. Das EBITDA, der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, kletterte laut HOGAPAGE auf 20,1 Millionen Franken nach 12,5 Millionen im Vorjahr, was einer Marge von 18,4 Prozent entspricht. Der ausgewiesene Konzernverlust von 0,9 Millionen Franken geht ausschließlich auf die Schließung des Casinos Admiral in Ruggell zurück; ohne diesen Sondereffekt hätte die Gruppe laut schweizeraktien.net rund 3 Millionen Franken Gewinn erzielt.
In den Grand Hotels sanken die Logiernächte laut HOGAPAGE von 76.131 auf 74.251, die Zimmerbelegung von 54,6 auf 51,2 Prozent. Der Umsatz blieb mit 62,4 Millionen Franken dennoch leicht über Vorjahr. Tschütscher erklärt das mit einem bewussten Wechsel vom Gruppen- zum Individualgeschäft, der die Zimmerrate hebe. Im Mehrjahresvergleich lag der Umsatz 2023 bei 107,8 Millionen, fiel 2024 auf 102,6 Millionen und liegt 2025 wieder über 109 Millionen Franken (htr.ch, Wirtschaftszeit).
Was das für die Branche heißt
Für DACH-Hoteliers mit eigener Spitzengastronomie verschiebt sich die zentrale Frage. Es geht weniger um die Küchenleistung als um Konzept und Verweildauer. Sternekoch Martin Göschel, der das Alpina Gstaad im Frühjahr 2025 verließ, sagte gegenüber GastroJournal: „Vier Stunden am Tisch zu sitzen, dauert manchen Gästen zu lange.“ Das Star-Chef-Modell, bei dem ein Name das ganze Haus trägt, wird teurer und riskanter, wenn die Nachfrage nach langen Menüfolgen bröckelt.
Bad Ragaz zeigt eine Alternative: resort-eigene Konzepte, in die Wellness- und Gesundheitsstrategie integriert, statt an eine einzelne Person gebunden. Für Häuser mit vergleichbarer Positionierung heißt das konkret, die Abhängigkeit von einem Küchenchef als Klumpenrisiko zu behandeln. Wer sein Fine-Dining an die Marke des Hauses koppelt, bleibt beweglicher, wenn ein Spitzenkoch geht, und muss nicht bei jedem Wechsel das ganze Angebot neu aufbauen. Gleichzeitig verschärft sich der Wettbewerb um Talente. Laut GaultMillau suchen mit Bad Ragaz, dem Beau-Rivage Palace in Lausanne und der Villa Florhof gleich drei Spitzenbetriebe nach einem neuen Aushängeschild, teils in denselben Kandidatenlisten.
Ein pauschales Ende der großen Gastronomie ist das nicht. NZZ Bellevue warnt davor, die „Memories“-Schließung zum Anlass zu nehmen, „über das Ende der grossen Gastronomie zu lamentieren“; Nachfrage und Angebot auf höchstem Niveau blieben bestehen. Was sich ändert, ist die Struktur dahinter: weg vom personifizierten Prestige, hin zu Konzepten, die der Betrieb selbst steuert. Im angespannten Marktumfeld, in dem laut Watson 40 Prozent der Schweizer Betriebe im zweiten Quartal 2025 sinkende Umsätze meldeten, ist das eine betriebswirtschaftliche Entscheidung, keine kulinarische Kapitulation.
Quellen
- ahgz – Ende: Restaurant im Grand Resort Bad Ragaz schließt
- HOGAPAGE – Trennung Grand Resort Bad Ragaz / Wassmer Family Group
- Watson – Sven Wassmer verlässt das «Memories»
- GaultMillau – Wassmer und das Grand Resort Bad Ragaz
- htr.ch – IGNIV-Verlängerung und Umsatzentwicklung Bad Ragaz
- schweizeraktien.net – Geschäftsjahr 2025 und Führungswechsel GRBR
- Leader – Umsatz Grand Resort Bad Ragaz 2025
- Guide Michelin – Vita Sven Wassmer
- Restaurant-Ranglisten – Ende der IGNIV-Kooperation (Juni 2025)
- aktuellenews.ch – Mitteilung zur gastronomischen Neuausrichtung
- NZZ Bellevue – Einordnung zur «Memories»-Schließung
- gast.at / GastroJournal – Fine-Dining-Rückzüge und Marktkontext
- Headtopics / SDA – Hintergründe zum Abgang Wassmers
- Wirtschaftszeit – Umsatzhistorie Grand Resort Bad Ragaz
Quelle: Originalmeldung


