Fattal übernimmt 22 Revo-Hotels – darunter 510-Zimmer-Haus in Wien
Die israelische Fattal Hotel Group sichert sich 22 Häuser aus der Revo-Insolvenzmasse – Leithaus ist das 510-Zimmer-Hotel am Flughafen Wien, das größte Leonardo-Objekt in Zentraleuropa.

Die israelische Fattal Hotel Group übernimmt 22 Häuser aus der Insolvenzmasse der Revo Hospitality Group, darunter das Leonardo Smart Vienna Airport Hotel mit 510 Zimmern am Flughafen Wien. Es ist der bislang größte Einzelzugriff einer Gruppe auf das zerschlagene Revo-Portfolio und bringt die Budget-Marke Leonardo Smart erstmals in großem Stil in den DACH-Raum.
Laut tophotel.de und dem Fachdienst INDat sichert sich Leonardo neben dem Wiener Flughafenhotel unter anderem die H2- und H4-Hotels am Berliner Alexanderplatz sowie Objekte in Dortmund und Düsseldorf. Damit zählt die Kette zu den aktivsten Käufern im größten Insolvenzverfahren der jüngeren deutschsprachigen Hotelgeschichte.
Was Leonardo aus der Revo-Masse übernimmt
Das Referenzobjekt steht an der Niki-Lauda-Allee 10 am Flughafen Wien. Das Leonardo Smart Vienna Airport ist mit 510 Zimmern laut tophotel.de das weltweit größte Hotel in Holzbauweise und das viertgrößte Hotel Österreichs. Errichtet hat es der Wiener Projektentwickler Mamma Group in 13 Monaten Bauzeit. Für Leonardo markiert das Haus laut aviation.direct das größte Hotel im zentraleuropäischen Portfolio, das erste reine Flughafenhotel in Österreich und die Premiere der Marke Leonardo Smart. Das Label richtet sich laut tophotel.de an Gäste, die einen funktionalen Aufenthalt suchen, und positioniert sich zwischen klassischer Budget- und Midscale-Hotellerie.
Zur Einordnung der Zahl: Der RSS-Titel der AHGZ spricht von vier Hotels, die tagesaktuellen Meldungen vom 15. September 2026 nennen für Leonardo/Fattal dagegen 22 Häuser. Möglicherweise bezieht sich der AHGZ-Titel auf ein Teilpaket. Belegbar sind nach der Recherche 22 Objekte unter den Leonardo-Marken.
Wie Revo ins Straucheln geriet
Laut hotelbau.de gehörten 2020 noch 51 Hotels zur Gruppe, zuletzt waren es 250 Häuser in zwölf europäischen Ländern und 135 Städten, mit rund 1,3 Milliarden Euro Jahresumsatz und etwa 8.300 Mitarbeitern. CEO und Inhaber Ruslan Husry gründete im April 2025 die Revo Hospitality Group aus der 2008 entstandenen HR Group heraus, kurz nachdem er die Kette H-Hotels mit mehr als 60 Häusern übernommen hatte.
Diese Übernahme wurde laut hotelbau.de zum Wendepunkt: Die Akquisition kostete viel, die Übernachtungszahlen stiegen nicht wie erwartet. Ein Frühwarnsignal kam aus dem Markt, als der französische Konzern Accor laut GEWINNERmagazin vorab die Buchungssysteme zahlreicher von Revo betriebener Hotels sperrte. Am 16. Januar 2026 stellte die Gruppe beim Amtsgericht Charlottenburg für rund 140 Gesellschaften einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Betroffen waren laut helloguest.io etwa 125 Hotels in Deutschland und Österreich mit rund 5.500 Beschäftigten. Anfang April 2026 eröffneten die Gerichte laut HOGAPAGE die Verfahren für 175 Hotels.
Wie sich die Masse aufteilt
Leonardo ist nicht der einzige Käufer. Laut tophotel.de fanden sich für 154 der 178 insolventen Revo-Hotels Abnehmer, 15 Häuser mussten schließen. Die Sanierungsgeschäftsführer Gordon Geiser und Benedikt de Bruyn von GT Restructuring berichten, dass 125 Häuser bereits verkauft sind und für 29 weitere die Vertragsunterschriften unmittelbar bevorstehen. Fünf internationale Hotelgruppen übernehmen laut INDat zusammen 81 Häuser, für 73 Objekte fanden sich Einzellösungen.
Zu den namentlich bekannten Käufern zählen laut tageskarte.io Prism, Israel Canada Hotels, B&B Hotels, Motel One und Leonardo. Motel One übernahm das Palais Faber in Salzburg für laut Handelsblatt, unter Berufung auf die Kanzlei FPS, rund 15,8 Millionen Euro. Der luxemburgische Investmentmanager Iremis erwarb ein Dresdner Haus laut HOGAPAGE für rund 30,5 Millionen Euro. Für die Beschäftigten bleibt laut INDat ein Großteil der 5.450 Arbeitsplätze in den Hotels erhalten. Für die 450 Mitarbeiter der Zentrale sieht es laut HOGAPAGE anders aus: Ihre Arbeitsverhältnisse lassen sich nicht fortführen.
Was das für die Branche heißt
Mit Leonardo Smart etabliert sich ein weiterer Wettbewerber im preissensiblen Segment, dort, wo unabhängige Häuser und kleinere Marken ohnehin unter Druck stehen. Ein Flughafenhotel mit 510 Zimmern verändert die Angebotsstruktur rund um Wien-Schwechat. Wer im Umfeld MICE-Geschäft (Tagungen, Kongresse) oder Crew- und Transitkontingente bedient, sollte die eigene Preis- und Verfügbarkeitsstrategie gegen diesen neuen Block prüfen.
Die zweite Lehre betrifft die Marktkonzentration. Fünf internationale Gruppen sichern sich 81 der übernommenen Häuser. Fattal verfügt je nach Quellenstand über mehr als 315 Hotels mit über 56.000 Zimmern in 21 Ländern (laut tophotel.de) beziehungsweise 329 Hotels in 22 Ländern (laut hotelier.de) und erwarb laut tageskarte.io über die Fattal Partnership III binnen eines Jahres 23 Hotels für rund 604 Millionen Euro. Diese Kapitalkraft verschiebt die Verhandlungsposition gegenüber OTAs (Online-Reisevermittler), Lieferanten und Personalmarkt. Für Einzelbetriebe heißt das: differenzierter positionieren, wo Standardware der großen Ketten das Preisniveau setzt.
Bemerkenswert ist zudem, wie geräuschlos die Verwertung läuft. Von 178 Häusern sind nur 15 geschlossen worden. Das deutet darauf hin, dass die Objekte als Betriebe attraktiv blieben, während die überdehnte Konzernstruktur darüber kollabierte. Der Fall trennt die solide Immobilien- und Standortsubstanz von einem Finanzierungsmodell, das an der eigenen Wachstumsgeschwindigkeit zerbrach.
Quellen
- AHGZ – Expansion: Leonardo Hotels übernimmt vier Hotels auf einmal
- tophotel.de – Fattal übernimmt 22 Häuser aus der Revo-Masse
- INDat – Verkauf der Revo-Hotels: Aufteilung der Insolvenzmasse
- HOGAPAGE – Käufer für 154 Revo-Hotels gefunden / Verfahrenseröffnung
- tageskarte.io – Revo-Käufer und Fattal-Investitionen
- hotelbau.de – Aufstieg und Fall der HR/Revo Group
- helloguest.io – Insolvenzantrag der Revo Hospitality Group
- aviation.direct – Leonardo Smart Vienna Airport Hotel
- GEWINNERmagazin – Accor sperrte Buchungssysteme
- hotelier.de – Fattal Hotel Group Portfolio


