Donnerstag, 24. September 2026
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Fattal sichert sich vier Revo-Häuser mit 1.040 Zimmern in Berlin, Düsseldorf und Dortmund

Leonardo Hotels Central Europe übernimmt vier ehemalige Revo-Betriebe mit 1.040 Zimmern in Berlin, Düsseldorf und Dortmund – das zweite Großpaket der Fattal Holding aus der Revo-Insolvenz.

Housekeeping-Wagen mit halb überklebtem Revo-Logo im Hotelkorridor, Mitarbeiterin von hinten
Symbolbild · KI-generiert

Leonardo Hotels Central Europe übernimmt vier ehemalige Revo-Betriebe mit zusammen 1.040 Zimmern: zwei Häuser am Berliner Alexanderplatz sowie je eines in Düsseldorf und Dortmund, alle zeitgleich. Es ist das zweite Großpaket, das die israelische Fattal Holding aus der Insolvenzmasse der Berliner Revo Hospitality Group herauslöst – nach dem Wiener Flughafenhotel mit 510 Zimmern. Die Ansage datiert vom 15. September 2026.

Vier Häuser, drei Markenrollen

Leonardo verteilt die Neuzugänge über mehrere Marken statt einer einheitlichen Umflaggung. Das bisherige H4 Hotel am Alexanderplatz läuft zunächst als „Hotel Berlin Alexanderplatz by Leonardo Hotels“ im White-Label-Betrieb, also ohne feste Markenzuordnung. Erst nach der Integrationsphase soll es ins Markenportfolio wandern. Das Haus zählt 336 Zimmer und Suiten, ein Restaurant, eine Bar sowie einen Fitness- und Saunabereich. Für Veranstaltungen stehen laut Tophotel 13 Räume für mehr als 700 Personen bereit.

Direkt daneben startet das Leonardo Smart Berlin Alexanderplatz mit 288 Zimmern. Das ehemalige H2 Hotel ist erst das zweite Haus der jungen Budget-Marke Leonardo Smart. In Düsseldorf kommt die Marke mit 250 Zimmern zum ersten Mal in Nordrhein-Westfalen zum Einsatz; Leonardo wächst in der Stadt damit auf fünf Hotels. In Dortmund wird das frühere Steigenberger zum Leonardo Royal: 166 Zimmer und Suiten gegenüber dem Messe- und Kongresszentrum, mit sechs Tagungsräumen für bis zu 200 Personen. Laut HOGAPAGE ist im kommenden Jahr eine Renovierung von Zimmern und öffentlichen Bereichen geplant.

Allein in Berlin kommen 624 Zimmer hinzu, das Portfolio der Gruppe in der Hauptstadt wächst auf neun Häuser. „Mit vier Hotels, die wir gleichzeitig übernehmen, setzen wir ein klares Zeichen für unser weiteres Wachstum in Deutschland“, sagt Yoram Biton, Managing Director von Leonardo Hotels Central Europe, laut Presseportal-Meldung der Gruppe. Berlin, Düsseldorf und Dortmund seien Märkte mit starker Nachfrage aus unterschiedlichen Segmenten. In den kommenden Wochen sollen weitere ehemalige Revo-Häuser folgen.

Der Anker war Wien, die Fläche liegt in Deutschland

Die vier Häuser gehören zu einem größeren Bild. Fattal übernimmt insgesamt 22 Revo-Betriebe unter den Leonardo-Marken, wie Tophotel berichtet. Der erste öffentlich sichtbare Zugriff traf Österreich: Am Flughafen Wien ging das „Leonardo Smart Vienna Airport“ mit 510 Zimmern in Betrieb, laut news.at/APA das größte Hotel Niederösterreichs. Das Haus sollte ursprünglich als Vienna House Easy by Wyndham starten, was an der Revo-Insolvenz scheiterte. Verkauft wurde es von der Mamma Group des Investors Herbert Pinzolits an Fattal, wie Hotel vor9 berichtet. Zum Kaufpreis sagte Pinzolits, er sei „zufrieden“.

Der Deutschland-Zugriff folgt einer anderen Logik. Statt eines einzelnen Volumen-Symbols staffelt Leonardo Stadthotellerie über drei Preis- und Markensegmente. Die Gruppe verantwortet inzwischen 130 Hotels mit über 22.000 Zimmern in elf Ländern, wie die Pressemeldung im September ausweist. Im März 2026 waren es laut Tophotel noch 124 Häuser mit gut 20.000 Zimmern in zehn Ländern. Österreich lieferte das Schlagzeilen-Objekt, Deutschland liefert die Masse.

Wie die Revo-Masse unter den Ketten aufgeteilt wird

Der Leonardo-Deal ist Teil eines der größten Betreiberwechsel im deutschsprachigen Markt seit Jahren. Laut Tophotel gehen 154 insolvente Revo-Hotels an fünf internationale Hotelgruppen sowie Einzelinvestoren; 15 Häuser mussten schließen. Zum Verkaufsstand meldet dieselbe Quelle: 125 Hotels verkauft, für 29 stehen Vertragsunterschriften bevor, für neun wird noch nach Käufern gesucht.

Größter Käufer ist laut Berliner Kurier der indische Konzern Prism mit 29 Häusern, künftig unter den Marken Sunday und Belvilla. Fattal folgt mit 22 Betrieben, Motel One übernimmt neun Hotels, Brown Hotels acht. Für Einzelobjekte gab es gesonderte Lösungen: Das Mövenpick Münster geht laut INDat an die niederländische Odyssey Hotel Group, das Intercity Bonn an DQuadrat Living. Sanierungsgeschäftsführer Dr. Benedikt de Bruyn nannte gegenüber INDat den Grund für die Schließungen: „15 Häuser mussten leider geschlossen werden, da beispielsweise hohe Investitionen in den Brandschutz nötig gewesen wären.“ Der Großteil der 5.450 Arbeitsplätze in den Hotels bleibt erhalten. Die 450 Stellen der Berliner Zentrale fallen laut Hotel vor9 ersatzlos weg.

Warum Revo fiel – und was das für Stadthotels heißt

Revo, bis April 2025 unter dem Namen HR Group firmierend, war ein reiner White-Label-Betreiber ohne eigene Immobilien und führte Häuser im Namen von Ketten wie Accor, Hyatt, Hilton oder IHG, wie marktaktuell.com berichtet. Das Wachstum lief aus dem Ruder: von 51 betriebenen Hotels 2020 auf zuletzt rund 250, unter anderem durch die Übernahmen der Centro Hotels und der H-Hotels-Gruppe. Nach Informationen des GEWINNERmagazins wies der Betreiber zuletzt eine Überschuldung von 19,9 Millionen Euro aus. Mitte Januar 2026 folgte der Insolvenzantrag in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Charlottenburg.

Einordnung für den Betrieb: Für Hoteliers in den betroffenen Städten verschiebt sich mehr als ein Firmenschild. In Berlin, Düsseldorf und Dortmund tritt mit Leonardo ein finanzstarker Wettbewerber mit klarer Segmentstaffelung auf: Budget über Leonardo Smart, gehobene Mittelklasse über Leonardo Royal. Wer im gleichen Markt Tagungsgeschäft akquiriert, also MICE (Meetings, Incentives, Conventions, Events), bekommt in Berlin mit über 700 Plätzen und in Dortmund mit 200 Plätzen zusätzliche Kapazität an prominenten Standorten. Für die Preisgestaltung heißt das: Der Übergang von der insolventen Revo zu einem Betreiber mit stabiler Bilanz beendet das Preisdumping aus der Krise. Kurzfristig dürften die neu integrierten Häuser während der Umflaggung und der Dortmunder Renovierung weniger aggressiv am Markt auftreten. Mittelfristig steigt der Wettbewerbsdruck im Stadthotel-Segment, weil ein Betreiber mit Systemkraft die Standorte durchfinanziert, statt sie wie Revo auf Verschleiß zu fahren. Wer sein Revenue Management auf die Preisschwäche einzelner Ex-Revo-Häuser gestützt hat, sollte diese Rechnung neu aufstellen.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.