Moxy mit 146 Zimmern: SV Hotel eröffnet 2028 in Ulm
146 Zimmer, Eröffnung 2028, Standort direkt am Hauptbahnhof: Das Moxy Ulm wird das erste Marriott-Markenhotel der Doppelstadt – betrieben von der Schweizer SV Hotel.

146 Zimmer, Eröffnung in der zweiten Hälfte 2028, Standort direkt am Hauptbahnhof: Mit dem Moxy Ulm bekommt die Doppelstadt an der Donau ihr erstes Marriott-Markenhotel. Betreiber ist die Schweizer SV Hotel aus Dübendorf bei Zürich, Vertragspartner die Ulmer Posthöfe GmbH, hinter der die Merckle Service GmbH des Ulmer Milliardärs Ludwig Merckle steht. Für einen Markt, der bislang keine internationale Hotelkette unter Vertrag hatte, ist das ein Einschnitt.
Ein Postgebäude wird zum Hotel
Das Haus entsteht laut deal-magazin.com am Bahnhofplatz 2, im alten Postgebäude nahe dem Hauptbahnhof. Die Hotelfläche beziffert das Lokalmedium ulm-news.de auf rund 5.600 Quadratmeter, dazu kommen eine Rooftop-Bar und eine Dachterrasse. Kern des Projekts ist ein nahezu vollständig verglaster Aufbau im fünften Obergeschoss mit Blick auf die Altstadt und das Münster.
Jochen Pfefferle, bei Merckle für das Projekt zuständiger Geschäftsführer, sagt gegenüber ulm-news.de, dieser öffentliche Bereich solle bewusst nicht nur Hotelgästen offenstehen: „Bei der Auswahl des Hotelbetreibers war es für uns wichtig, dass diese Bereiche auch öffentlich genutzt werden können. Dadurch steht dieser besondere Ort nicht nur Hotelgästen, sondern auch Besucherinnen und Besuchern aus Ulm und der Region offen.“
Das Hotel gehört zum Quartier Ulmer Posthöfe, das laut hogapage.at rund 45.000 Quadratmeter Geschossfläche umfasst und Handel, Gastronomie, Büros und Hotellerie verbinden soll. Moxy zählt bei Marriott zum Upper-Midscale-Segment, der oberen Mittelklasse mit reduziertem Service und designorientierten Gemeinschaftsflächen, und adressiert Geschäfts- wie Freizeitreisende.
Vom Telekom-Areal zum Stadtquartier
Der Deal hat eine Vorgeschichte, die den Standort erklärt. Im April 2023 kaufte Ludwig Merckle über die eigens gegründete Ulmer Posthöfe GmbH das Post- und Telekom-Areal am Hauptbahnhof von der Gewerbeimmobilien-AG Demire, wie bauforum-ulm.de berichtet. Der ursprüngliche Kaufumfang lag laut Anwaltskanzlei CMS bei rund 47.600 Quadratmetern Mietfläche, damals fast vollständig an die Deutsche Telekom vermietet, samt 621 Pkw-Stellplätzen.
Merckle begründete die Investition 2023 mit der Lage und dem Ankermieter Telekom „trotz des volatilen Marktumfelds“ (deal-magazin.com). Das Areal solle über zehn Jahre „langsam und nachhaltig“ entwickelt werden, so bauforum-ulm.de. Das Hotel ist damit weniger ein klassischer Entwicklerdeal als die Verdichtung einer bestehenden Immobilienstrategie. Darauf zielt auch SV-Development-Chefin Ursula Kriegl, die laut hogapage.at neben der zentralen Lage „die hohe Realisierungswahrscheinlichkeit dieses Vorhabens“ als Pluspunkt nennt. Dieser Wert liegt bei Projekten mit finanzstarker, langfristig orientierter Eigentümerschaft höher als bei fremdfinanzierten Neubauten.
Auch der städtebauliche Kontext passt: Das umliegende Theaterviertel steht laut Bebauungsplan der Stadt Ulm im Umbruch von gewerblich genutzten Flächen zu einem gemischten Quartier. In der Nachbarschaft plant der Architekt Daniel Libeskind das Einstein Discovery Center, wie schwaebische.de berichtet.
Warum ausgerechnet jetzt
SV Hotel expandiert derzeit im Tempo. Das Portfolio wuchs 2025 von 24 auf 32 Hotels, mit neun Neueröffnungen in einem einzigen Jahr, wie hotelinside.ch meldet. Der Konzernumsatz der SV Group lag laut htr.ch bei knapp 670 Millionen Franken; hotelvor9.de nennt in einer Euro-Angabe 735 Millionen Euro. Die beiden Zahlen stammen aus getrennten Quellenangaben und lassen sich nicht sauber ineinander umrechnen. In allen SV-Hotels zählte man 1,1 Millionen Übernachtungen (hotelvor9.de). Für 2026 hat SV laut hotelinside.ch bewusst ein Integrationsjahr angesetzt. Ulm ist ein Pipeline-Projekt für 2028, kein Sofortdruck.
Die Verbindung zu Marriott reicht weit zurück. Den Grundstein legte SV 2006 mit dem Courtyard by Marriott Zürich Nord (artichox.com), die ersten beiden Moxy-Häuser folgten 2019 am Münchner Ostbahnhof (tageskarte.io). Bei der Zahl der aktuellen Moxy-Häuser widersprechen sich die Quellen: Die Ausgangsmeldung von tophotel.de spricht vom 14. Haus der Marke im Portfolio, während Managing Director Marco Meier gegenüber ulm-news.de sagt: „Wir betreiben bereits 13 Häuser dieser Marke und freuen uns darauf, in Ulm unsere Partnerschaft mit Marriott weiter auszubauen.“
Der Ulmer Hotelmarkt – ein enger Wettbewerb
Der Standort ist kein weißer Fleck bei den Übernachtungen, wohl aber bei den Marken. Die Doppelstadt Ulm/Neu-Ulm verzeichnete 2025 laut ulm-news.de rund 654.000 Gästeankünfte und etwa 1,146 Millionen Übernachtungen, jeweils plus 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Bettenauslastung lag bei 48,1 Prozent, im Schnitt standen 6.267 Gästebetten in 67 Betrieben zur Verfügung. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug 1,75 Tage und weist den Standort als Geschäfts- und Kurzreiseziel aus.
Konkurrenz um die bahnhofsnahe Nachfrage gibt es reichlich. Das Maritim Hotel Ulm führt 287 Zimmer, das Leonardo Royal 148, das direkt am Bahnhof gelegene IntercityHotel 135 Zimmer. Letzteres war 2025 wegen Bauarbeiten geschlossen, die Wiedereröffnung ist für Oktober geplant. Am Bahnhofplatz 7 betreibt SV mit dem me and all hotel bereits ein Haus der Hyatt-Lifestyle-Marke mit 147 Zimmern. Das neue Moxy entsteht damit in Rufweite eines eigenen Konzernbetriebs.
Was das für die Branche heißt
Für DACH-Hoteliers in mittelgroßen Städten ist der Fall ein Lehrstück zur Standortlogik der Ketten. Marriott erschließt Ulm nicht über einen spekulativen Neubau, sondern über eine Bestandsimmobilie in Milliardärshand. Das senkt das Realisierungsrisiko und erklärt, warum ein Markt, der jahrelang unter dem Radar der internationalen Marken lag, plötzlich attraktiv wird: nicht wegen sprunghaft gestiegener Nachfrage, sondern weil ein finanzstarker Eigentümer Fläche und Geduld mitbringt.
Für privat geführte Häuser am Ort verschärft das den Wettbewerb um die immer gleiche Nachfrage. Ein Moxy mit 146 Zimmern zieht bei einer Aufenthaltsdauer von unter zwei Tagen genau die kurzfristige Geschäfts- und Städtereise-Klientel an, um die auch Bestandsbetriebe kämpfen. Mit der Markenanbindung kommen Marriotts Vertriebskanäle und das Bonusprogramm Bonvoy ins Spiel. Beide bündeln Buchungsströme, bevor Gäste überhaupt bei einer OTA, einer Online-Buchungsplattform, oder direkt beim Einzelhaus landen.
Der Fall zeigt auch, wo Betreibermodelle heute ansetzen: SV positioniert das öffentlich zugängliche Rooftop nicht als Nebenfläche, sondern als Frequenzbringer für Einheimische. Wer als unabhängiges Haus in einer solchen Stadt bestehen will, konkurriert künftig nicht nur um Zimmer, sondern auch um die lokale F&B-Frequenz, also den Umsatz aus Speisen und Getränken durch Gäste von außerhalb.
Quellen
- tophotel.de – SV Hotel bringt Moxy nach Ulm
- hogapage.at – Moxy Ulm in den Ulmer Posthöfen
- deal-magazin.com – SV Hotel / Moxy Ulm am Bahnhofplatz 2
- ulm-news.de – Moxy Hotel im alten Postgebäude / Ulmer Tourismuszahlen 2025
- htr.ch – SV Group Umsatz und Hotelexpansion 2025
- hotelvor9.de – SV Group Jahreszahlen und Übernachtungen
- hotelinside.ch – SV Hotel Wachstum von 24 auf 32 Hotels
- bauforum-ulm.de – Merckle kauft Post- und Telekom-Areal
- cms.law – Erwerb Telekom-Areal Ulm, Mietfläche und Stellplätze
- schwaebische.de – Merckle, Einstein Discovery Center und Libeskind
- artichox.com – SV Hotel Franchisekooperation mit Marriott seit 2006
- tageskarte.io – Erste Moxy-Häuser München Ostbahnhof 2019
- maritim.com – Maritim Hotel Ulm, 287 Zimmer
- leonardo-hotels.com – Leonardo Royal Hotel Ulm, 148 Zimmer
- guide.michelin.com – me and all hotel Ulm, 147 Zimmer
- tui.com – IntercityHotel Ulm, 135 Zimmer


