Donnerstag, 24. September 2026
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Johan Lundgren übernimmt TUI-Aufsichtsratsvorsitz von Zetsche

Dieter Zetsche gibt den TUI-Aufsichtsratsvorsitz ab. Johan Lundgren, bis 2024 easyJet-CEO, soll nach der Hauptversammlung im Februar 2027 die Kontrolle übernehmen.

Mann an Hotelrezeption studiert ungeordnete Dokumente unter Schreibtischlampe, früher Morgen
Symbolbild · KI-generiert

Dieter Zetsche (73), früherer Daimler-Chef, kandidiert im Februar 2027 nicht erneut für den TUI-Aufsichtsrat. An die Gremienspitze rückt der frühere easyJet-Chef Johan Lundgren (59), den Anteilseigner- und Arbeitnehmervertreter laut tophotel.de einstimmig nominiert haben. Der Wechsel fällt in ein Rekordjahr: Für das am 30. September 2025 beendete Geschäftsjahr weist der Konzern ein bereinigtes EBIT von 1,459 Milliarden Euro (zu konstanten Wechselkursen) aus, also ein operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern.

Der Wechsel im Detail

Zetsche gehört dem TUI-Aufsichtsrat seit 2018 an und führt ihn seit Mai 2019. Laut tophotel.de teilte er den Gremienmitgliedern mit, dass er zur Hauptversammlung im Februar 2027 nicht erneut antritt. Lundgren sitzt seit 2025 im Aufsichtsrat. Von 2017 bis Ende 2024 führte er den Billigflieger easyJet als CEO, davor war er bis zur Fusion von TUI Travel und TUI AG im Sommer 2015 stellvertretender Konzernchef.

Bei einer paritätisch besetzten Spitze, in der Kapital- und Arbeitnehmerseite gleich stark vertreten sind, ist eine einstimmige Verständigung beider Bänke keine Formsache. Laut schiffe-und-kreuzfahrten.de haben sich Anteilseigner- und Arbeitnehmervertreter geschlossen auf Lundgren geeinigt. Das spricht für eine breit getragene Personalie, nicht für einen erkämpften Kompromiss.

Lundgren soll nach der Hauptversammlung im Februar 2027 zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt werden.

Vorgeschichte: Ebel zieht die Hotelagenden an sich

Der Wechsel an der Kontrollspitze trifft auf eine kurz zuvor umgebaute Vorstandsstruktur. Wie money-tourism.gr und reisevor9.de berichten, scheiden David Schelp und Peter Krueger zum 30. April 2026 aus dem Vorstand aus. Marco Ciomperlik übernimmt die neu geschaffene Position eines Chief Operating Officer und bündelt dort die operative Verantwortung für die Bereiche Markets + Airline und Holiday Experiences.

Für Hotelpartner zählt ein anderer Punkt mehr: Konzernstrategie, Kreuzfahrt-Joint-Ventures und Hotel-Joint-Ventures gehen laut reisevor9.de künftig direkt an CEO Sebastian Ebel. Die Hotelverantwortung sitzt damit beim obersten Konzernlenker. Zetsche hat diese Konzentration mitgetragen und als Folge einer erfolgreichen Entwicklung eingeordnet. Lundgren übernimmt eine bereits umgebaute Struktur.

Der strategische Kontext: Plattform, eigene Hotels, Marge

TUI baut die eigene Ferienhotellerie aus. Der Bereich Urlaubserlebnisse mit Hotels, Kreuzfahrten und TUI Musement steigerte sein bereinigtes EBIT laut tophotel.de auf 1,31 Milliarden Euro nach 1,09 Milliarden im Vorjahr. Laut TUI Group betreibt der Konzern 463 Hotels weltweit, 70 weitere sind unterschrieben und eingeplant. Die Markenpalette reicht von RIU über Robinson bis TUI Blue.

Die operativen Kennziffern stützen den Kurs. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025 lag die Hotelauslastung laut TUI Group bei 82 Prozent nach 81 Prozent im Vorjahr, die durchschnittliche Bettenrate stieg um 4 Prozent auf 113 Euro. Für das laufende Geschäftsjahr 2026 stellt der Konzern laut reisevor9.de ein Umsatzplus von 2 bis 4 Prozent und ein EBIT-Wachstum von 7 bis 10 Prozent in Aussicht.

Ebel setzt auf eigene Marken, eine technische Plattform und breiteren digitalen Vertrieb. Laut fvw plant TUI dafür Investitionen in Software, eigene Urlaubsprodukte und Abfindungen, um schlanker und margenstärker zu werden.

Was das für DACH-Hotelbetriebe heißt

Für unabhängige und markengebundene Häuser im deutschsprachigen Raum verschiebt sich weniger die Tagesroutine als die Verhandlungsposition. Mit Lundgren rückt ein Manager an die Kontrollspitze, der bei easyJet über Jahre ein System aus dynamischer Preisbildung, Auslastungssteuerung und harter Kostenkontrolle verantwortet hat. In dieser Logik aus Bettenrate, Auslastung und Vertriebseffizienz steuert TUI bereits seine Hotelsparte.

Für Vertragspartner heißt das konkret: Ein Aufsichtsratsvorsitzender mit Airline-Kostenprägung dürfte den unter Ebel eingeschlagenen Plattformkurs eher bestätigen als bremsen. Wenn Konzernstrategie und Hotel-Joint-Ventures beim CEO liegen und die Kontrollinstanz denselben Effizienzgedanken teilt, wächst der Anreiz, Buchungsvolumen über die eigene Plattform und eigene Marken zu lenken. Häuser, die einen relevanten Teil ihrer Auslastung über TUI als Veranstalter beziehen, müssen sich mittelfristig auf strengere Konditionen bei Kontingenten, Raten und Vertriebsprovisionen einstellen.

Zugleich sendet Ebel ein Wachstumssignal Richtung DACH. Er sagte laut tip-online.at mit Blick auf Österreich:

„In Österreich hoffe ich auf mehr Hotels mit TUI-Branding.“

Wer ein Franchise- oder Markenpartnerschaftsmodell mit TUI Blue oder Robinson erwägt, verhandelt künftig mit einem Konzern, der stärker auf eigene Marken und eine zentrale Plattform setzt. Der Preis für Reichweite und Belegung kann eine engere Bindung an das TUI-Ökosystem sein, mit weniger Spielraum für parallele Vertriebskanäle.

Am Kapitalmarkt fiel die Reaktion verhalten aus. Am Tag der Meldung verlor die TUI-Aktie laut finanzen.ch im XETRA-Handel zeitweise 2,99 Prozent auf 6,42 Euro. Das Papier notiert damit unter dem durchschnittlichen Analystenkursziel. Den Strategieumbau hat der Markt also noch nicht vollständig eingepreist.

Quellen

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Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.