Donnerstag, 24. September 2026
DasHotellerie
Markt & Betrieb

Novum stellt Crowne Plaza Frankfurt ohne Vorwarnung ein

395 Zimmer, 500-Personen-Kongresszentrum, Betriebsende um 11 Uhr: Novum Hospitality schloss das Crowne Plaza Frankfurt am 21. September 2026 – die Belegschaft erfuhr es am selben Morgen.

Verlassener Housekeeping-Wagen in einem Hotelflur, Rezeption unbesetzt, Telefonhörer liegt auf dem Tresen
Symbolbild · KI-generiert

Am Montag, 21. September 2026, stellte Novum Hospitality um 11 Uhr den Betrieb im Crowne Plaza Frankfurt Congress Hotel in Niederrad ein – ein Haus mit 395 Zimmern und einem Kongresszentrum für bis zu 500 Gäste. Die Belegschaft erfuhr davon am selben Morgen, mündlich und laut Gewerkschaft ohne Begründung. Gäste wurden mit Bussen in andere Häuser verlegt.

Was am Montagmorgen geschah

Der Ablauf, wie ihn die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) schildert, ist kurz: Die Beschäftigten erfuhren am Vormittag, dass der Betrieb noch am selben Tag um 11 Uhr endet. Sie sollen widerruflich freigestellt worden sein, eine Begründung lieferte der Betreiber zunächst nicht. Das berichtet t-online unter Berufung auf die NGG. Buchungsgäste seien per Bus in andere Häuser gebracht worden.

An einem Punkt ist die Quellenlage eindeutig: Der operative Sachstand stützt sich in allen bisherigen Berichten auf Angaben der NGG. Eine Stellungnahme des Betreibers fehlt. Hotel vor9 dokumentiert eine erfolglose Anfrage bei Novum Hospitality.

Die personelle Vorgeschichte wiegt schwer. Laut NGG entließ der Betreiber den Betriebsratsvorsitzenden und seine Stellvertreterin bereits am Freitag zuvor fristlos und belegte beide mit Hausverbot. Über die Schließung selbst sei der Betriebsrat vorab nicht informiert worden. Gewerkschaftssekretärin Anna Langensiepen wird bei t-online zitiert:

„Das Vorgehen der Unternehmensleitung ist ein beispielloser Vorgang und wirft erhebliche arbeits- und betriebsverfassungsrechtliche Fragen auf.“

Die NGG kündigte an, die Vorgänge rechtlich zu prüfen und die betroffenen Beschäftigten wie die Betriebsratsmitglieder zu unterstützen.

Vom Sheraton zum Crowne Plaza: die Vorgeschichte der Immobilie

Das Haus firmierte früher als Arabella Sheraton beziehungsweise Sheraton Frankfurt Congress. Nach der Übernahme zum Jahresbeginn 2018 eröffnete Novum das Haus laut eigener Pressemitteilung als Crowne Plaza neu. In die Renovierung investierte Novum laut eigener Mitteilung rund vier Millionen Euro. Konzernchef David Etmenan setzte bei der Übernahme auf das Kongressgeschäft und sah „enormes Potential im MICE-Geschäft“, also im Segment Meetings, Incentives, Conventions und Events.

Für die Einordnung zählt die Vertragskonstruktion. Betreiberin ist Novum Hospitality, Franchisegeberin die IHG (InterContinental Hotels Group), zu der die Marke Crowne Plaza gehört. Die Marke stand an der Fassade, die operative Verantwortung lag beim Betreiber. Zur Zimmerzahl gibt es leichte Abweichungen: Die Übernahmemeldung 2017 nannte 396 Zimmer, aktuelle Berichte 395.

Novum wächst. Der Konzernumsatz kletterte laut Tophotel und Hotelier.de von 323,8 Millionen Euro (2022) über 416,9 Millionen (2023) auf 471,2 Millionen Euro (2024), bis 2030 peilt das Unternehmen rund 770 Millionen Euro an. Die Vorgeschichte war weniger glatt: In den Jahren 2020 und 2021 summierte sich der Konzernverlust laut Hotel vor9 unter Berufung auf das Handelsblatt auf 122 Millionen Euro, das Eigenkapital habe am Ende bei null gestanden. Die im April 2024 unterzeichnete langfristige Kooperation mit IHG gilt als Konsequenz daraus.

Der Arbeitskampf, der vorausging

Das Crowne Plaza war in den laufenden Tarifkonflikt des hessischen Gastgewerbes einbezogen. Die NGG fordert seit dem Frühjahr 7,5 Prozent mehr Gehalt und Ausbildungsvergütung sowie einen jährlichen Gesundheitszuschuss von 300 Euro. Die Arbeitgeberseite bot laut Tophotel bislang ein Prozent über 30 Monate an und will die Löhne ungelernter Kräfte nicht anheben.

Am 19. Mai 2026 beteiligten sich rund 400 Beschäftigte an einem Warnstreik zum Auftakt der Leitmesse IMEX. Bestreikt wurden laut Gewerkschaft unter anderem Steigenberger, Radisson, Marriott, Hilton, Westin Grand und das Crowne Plaza. Ein kausaler Zusammenhang zwischen Arbeitskampf und Schließung ist nicht belegt. Dokumentiert sind die zeitliche und personelle Nähe: bestreikter Betrieb, fristlose Entlassung der Betriebsratsspitze, Betriebseinstellung wenige Tage später.

Was das für die Branche heißt

Der Fall legt eine Schwachstelle des Franchise- und Betreibermodells offen: Marke und Betreiber sind zwei verschiedene Adressen. Steht Crowne Plaza an der Fassade, heißt das nicht, dass IHG operativ haftet oder einspringt, wenn der Betreiber den Schlüssel umdreht. Buchungsgäste stehen dann beim Betreiber im Regen. Im konkreten Fall wurden sie ausgebust.

Der Kontrast zum Hilton-Rückzug in Frankfurt ist aufschlussreich. Dort bereitet Hilton laut Recherchelage die geordnete Beendigung von Managementverträgen vor, kommuniziert und mit Vorlauf. Die Novum-Schließung traf Mitarbeiter und Gäste ohne Vorwarnung. Wer als Eigentümer eine Immobilie über einen Betreiber führen lässt, sollte die Exit- und Krisenklauseln im Vertrag kennen: Wer informiert wann? Welche Fristen gelten? Was passiert mit laufenden Buchungen und Veranstaltungen?

Der Markt macht die Frage nicht kleiner. Frankfurt verzeichnete 2024 laut Christie & Co einen RevPAR-Anstieg von 8,5 Prozent – der Umsatz pro verfügbarem Zimmer – und 11,1 Millionen Übernachtungen. Für MICE-lastige Kongresshäuser mit hohen Fixkosten steigt der Wettbewerbsdruck, und Betreiber bewerten Standorte schneller neu. Veranstaltungs- und Firmenkunden zieht die Novum-Schließung eine praktische Lehre: Betreiberbonität und vertragliche Absicherung bei Kongressbuchungen wiegen schwerer als die Marke am Eingang.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.