Donnerstag, 24. September 2026
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Treschers Titisee: Bauvorbescheid für 86 neue Zimmer erteilt

Seit 20. Juli 2026 liegt der Bauvorbescheid vor: Treschers Schwarzwaldhotel am Titisee kann um bis zu 86 Zimmer und rund 192 Betten wachsen – rechnerisch eine Verdopplung.

Baupläne für Hotelneubau am Titisee auf Arbeitstisch, Person von hinten beim Prüfen der Zeichnungen
Symbolbild · KI-generiert

Seit dem 20. Juli 2026 liegt für das Treschers Schwarzwaldhotel am Titisee ein positiver Bauvorbescheid vor. Das Landratsamt Breisgau-Hochschwarzwald bestätigt unter der Aktennummer B2600407 die planungsrechtliche Zulässigkeit einer Erweiterung um bis zu 86 Zimmer und Suiten mit rund 192 Betten. Das Haus führt heute rund 74 Zimmer – rechnerisch verdoppelt sich die Kapazität.

Was der Bauvorbescheid konkret erlaubt

Ein Bauvorbescheid ist noch kein Baurecht. Er klärt vorab, ob ein Vorhaben grundsätzlich genehmigungsfähig ist. Für Treschers ist damit die planungsrechtliche Frage beantwortet, wie it-boltwise.de berichtet.

Vorgesehen sind 43 bis 86 neue Zimmer, rund 192 Betten und eine Tiefgarage mit 128 Stellplätzen. Im Kern soll ein bislang als Parkplatz genutzter Innenhof zu einem parkähnlichen Areal mit mehreren Hotelgebäuden werden. Die Neubauten in den Typen I bis III erhalten Steildächer – eine Bauform, die sich laut Projektbeschreibung ins Ortsbild von Titisee einfügen und der wintertauglichen Bauweise am Standort gerecht werden soll.

Als Bauherr tritt die Treschers Schwarzwald-Hotel am See KG auf, vertreten durch Michael Moninger. Für die Planung verantwortlich zeichnet das Münchner Büro LSA Architekten GmbH unter Christof Lampadius, das im Hotelsegment auf die Neugestaltung des Parkhotels Egerner Höfe am Tegernsee verweist. Bereits im Mai 2026 nahm der Ausschuss für Umwelt und Technik die Bauvoranfrage wohlwollend auf, wie die Badische Zeitung unter der Überschrift „starkes Bekenntnis zum Standort“ meldete.

Vom Familienbetrieb zur Verdopplung: die Investitionshistorie

Der Ausbau reiht sich in eine lange Investitionslinie ein. 2012 flossen 4,5 Millionen Euro in eine neue Wellnesswelt, fertiggestellt zum 125. Geburtstag des Hauses. 2020 folgten Kernsanierungen von zehn Zimmern und vier Bädern im Südflügel sowie eine Neugestaltung des Restaurants Bellevue. 2022 riss der Betrieb den Seeflügel für 2,5 Millionen Euro bis auf die Grundmauern ab und errichtete ihn mit 30 Zimmern und 60 Betten neu – die Angaben stammen aus der Berichterstattung der Badischen Zeitung und der Hotelwebsite.

Das Hotel besteht aus drei Flügeln, errichtet 1912 bis 1914, 1974 und 1987 in unterschiedlichem Stil. Gegründet wurde das Haus laut eigener Darstellung 1887 durch Friedrich Jäger, parallel zur Eröffnung der Höllentalbahn. Geführt wird es in vierter Generation von den Familien Moninger und Trescher.

Bei der Zimmerzahl streuen die Angaben: HolidayCheck nennt 74 Zimmer, andere Quellen 62. Die Verdopplung ist damit eine rechnerische Ableitung aus der geplanten Bettenzahl, kein bestätigter Zielwert des Betreibers. Ein wörtliches Statement der Familie zum Erweiterungsprojekt lag in frei zugänglichen Quellen nicht vor.

Enges Feld am See: die Wettbewerbslage

Titisee ist ein kleiner, dichter Markt. Laut hochschwarzwald.de gibt es im Ort 13 Hotels, aber nur vier 4-Sterne-Häuser am See: das Seehotel Wiesler, Treschers, das Boutique Hotel Alemannenhof und das Hotel Bären. Größter Wettbewerber ist das Maritim TitiseeHotel mit 129 Zimmern, das ab Juli 2026 renoviert.

Mit rund 192 zusätzlichen Betten würde Treschers aus der mittleren Größenklasse in die Liga des Marktführers aufrücken. Am See sind die Wege fußläufig, und die Nachfrage steigt an Wochenenden und in Ferienzeiten. Parallel investiert der Ort weiter: Das Badeparadies Schwarzwald plant eine Erweiterung für rund 38 Millionen Euro, die dem Gemeinderat Titisee-Neustadt bereits vorgestellt wurde.

Einordnung: Ausbau in einer schwachen Marktphase

Auffällig ist das Timing. Die Erweiterung wird geplant, während die Branchenstimmung gedämpft ist. Die durchschnittliche Auslastung der Gästezimmer (Hotellerie ab 25 Zimmern) lag 2025 in Baden-Württemberg laut DEHOGA-Zahlenspiegel bei 59,1 Prozent und damit unter dem Bundesschnitt von 60,4 Prozent. Im ersten Quartal 2026 fiel sie saisonal auf 49,7 Prozent. Der Verband spricht von einem schwachen Jahresstart ohne Anzeichen für eine baldige Trendwende.

Wer in dieser Phase Kapazität aufbaut, wettet auf die eigene Standortstärke statt auf den Markttrend und muss die neue Bettenmenge dauerhaft füllen. Für ein Haus mit fußläufiger Seelage ist das kalkulierbarer als für Betriebe im ländlichen Raum, von denen die Branche gegenüber 2019 laut DEHOGA Baden-Württemberg über 3.200 verloren hat.

Dazu kommt der Kostenrahmen. Der am 12. Januar 2026 zwischen DEHOGA und der Gewerkschaft NGG geschlossene Entgelt-Tarifvertrag für das baden-württembergische Gastgewerbe hebt die Löhne in drei Stufen an, beginnend mit 3,5 Prozent ab April 2026. Für einen Betrieb, der seine Bettenzahl verdoppelt, verschärft das den Personalbedarf in einem Markt, in dem der Fachkräftemangel laut Verband das Problem Nummer eins bleibt. Der Bauvorbescheid ebnet Treschers den planungsrechtlichen Weg. Ob die Verdopplung betriebswirtschaftlich trägt, entscheidet sich an Auslastung und Personaldecke, nicht am Baurecht.

Quellen

Quelle: Originalmeldung

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.