Mittwoch, 30. September 2026
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Seminaris-Marke erlischt: Alle acht Häuser werden Sunday Hotels

Zum 1. Oktober 2026 endet die Marke Seminaris nach 47 Jahren. Alle acht Häuser gehen an die Belvilla Deutschland GmbH, eine Tochter des indischen Prism-Konzerns.

Hotelangestellter nimmt Ausschilderung von Korridorwand ab, helle Stelle auf Tapete sichtbar
Symbolbild · KI-generiert

Zum 1. Oktober 2026 verschwindet die 1978 gegründete Marke Seminaris vom deutschen Markt. Alle acht Häuser laufen künftig als Sunday Hotels, betrieben von der Belvilla Deutschland GmbH, einer Tochter des indischen Prism-Konzerns, der früher als Oyo firmierte. „Ab diesem Zeitpunkt wird es keine Hotels der Marke Seminaris mehr geben“, bestätigte eine Sprecherin der Berliner Seminaris-Zentrale gegenüber Hotel vor9.

Zwei Tranchen, ein Markenende

Der Übergang läuft in zwei Stufen. Vier Häuser in Bad Honnef, Bad Boll, Leipzig und Nürnberg gingen laut Tageskarte bereits zum 15. September 2026 an die Belvilla Deutschland GmbH und firmieren seither als Sunday Hotel Bad Honnef, Sunday Hotel Bad Boll, Sunday Hotel Leipzig West und Sunday Hotel Nürnberg. Die vier verbleibenden Standorte SeeHotel Potsdam, Avendi Potsdam, Berlin und Lüneburg folgen zum 1. Oktober.

Prism bestätigte den Vorgang und erklärte, der Betrieb laufe wie gewohnt weiter. Damit endet die Eigenständigkeit einer Gruppe, die zuletzt in allen wesentlichen deutschen Metropolregionen im Tagungs- und Kongressgeschäft vertreten war. Ihren Jahresumsatz bezifferte Seminaris zuletzt auf mehr als 35 Millionen Euro. Der Stammsitz in Lüneburg bringt allein 210 Zimmer, 20 Tagungsräume und 1.285 Quadratmeter Veranstaltungsfläche mit; das Avendi Hotel Potsdam verfügt über 87 Zimmer und rund 300 Quadratmeter Konferenzfläche.

Von der Ergo zum indischen Konzern

Die Eigentümerkette der Gruppe ist bewegt. Günther Strube gründete Seminaris 1978 in Lüneburg, der Name entstand über einen Leserwettbewerb der Landeszeitung. Lange Jahre hielt die Ergo-Versicherungsgruppe die Mehrheit. Deren Ausstieg begründete Kommunikationschef Andreas Lampersbach auf Anfrage der LZ knapp: „Aus strategischen Gründen wird sich die Ergo Group AG von der Beteiligung an der Seminaris-Gruppe trennen.“

Käufer wurde die GCH Hotel Group. Über den Preis vereinbarten die Beteiligten Stillschweigen; Branchenschätzungen für die damals sieben Seminar- und Kongresshotels bewegten sich im dreistelligen Millionenbereich, bestätigt wurde diese Größenordnung nie. Diese GCH-Verbindung erklärt den direkten Weg zu Prism: Zum 1. September wechselten die Beschäftigten der Berliner Seminaris-Zentrale zur GCH Hospitality Group. In Branchenkreisen heißt es, Prism habe die GCH Hospitality Group übernommen. Über die konkrete Vertragsform des aktuellen Seminaris-Übergangs, ob Pacht, Kauf oder Managementvertrag, liegen keine belastbaren Angaben vor.

Wer ist Prism und was treibt die Sunday-Expansion

Prism ist der umbenannte Oyo-Konzern, 2012 in Indien gegründet. Zum Portfolio gehören neben Oyo die Marken Sunday, Townhouse, Palette, Motel 6, Studio 6, Belvilla und DanCenter. Zum Jahresende 2025 betrieb das Unternehmen nach eigenen Angaben 293.554 Storefronts in mehr als 35 Ländern, darunter über 24.000 Hotels.

In Deutschland wächst der Konzern schnell. Der Markteintritt über Belvilla erfolgte im Februar 2026 mit ersten Häusern unter den Marken Sunday, Palette und Belvilla. Prism übernahm 24 Standorte der insolventen Revo Hospitality Group und wuchs damit von elf auf 35 Sunday-Hotels. Die Revo-Übernahme kostete rund 500 Mitarbeiter ihre Stelle, eine Zahl, die Prism bislang bestreitet.

Der Einkauf fällt in eine sensible Phase. Prism bereitet einen Börsengang vor, geplant ist ein Fresh Issue von bis zu 6.650 Crore Rupien ohne Verkaufskomponente, frühe Bewertungsdiskussionen bewegen sich zwischen sieben und acht Milliarden US-Dollar. Für die neun Monate bis Ende Dezember 2025 wies der Konzern einen Gewinn nach Steuern von 748 Crore Rupien aus. Darin steckte allerdings eine latente Steuergutschrift von 559 Crore Rupien; wer die Ertragslage beurteilt, sollte über die nackte Gewinnzahl hinausschauen. Vor diesem Hintergrund zählt vor allem Portfoliomasse, und der Seminaris-Deal ist ein weiterer Baustein der Skalierung vor dem IPO.

Was der Markenabriss für spezialisierte Tagungshäuser heißt

Für den deutschen Seminar- und Konferenzmarkt ist weniger der Betreiberwechsel die Nachricht als das Verschwinden des Namens. Seminaris stand 47 Jahre lang als eine der wenigen bundesweit bekannten Marken explizit für Tagung und Kongress. Dass ein Volumenanbieter mit Wurzeln im Budget-Segment die Häuser übernimmt und unter einer auf Skalierung ausgelegten Marke zusammenführt, sagt etwas über die Verhandlungsposition spezialisierter Konferenzhäuser aus.

Im Tagesgeschäft eines DACH-Betriebs heißt das konkret: Wer im MICE-Segment (Meetings, Incentives, Conventions, Events) unterwegs ist, konkurriert künftig verstärkt mit Häusern, die zu einem preisaggressiven Plattformbetreiber gehören. Firmenkunden und Einkaufsabteilungen vergleichen Tagungspauschalen, Ratenstruktur und Vertragskonditionen. Ein Konzern, der auf Auslastung und Vertriebsvolumen optimiert, kann hier Druck auf die durchschnittliche Zimmerrate (ADR) und damit auf den Ertrag pro verfügbarem Zimmer (RevPAR) ausüben.

Gleichzeitig entsteht eine Lücke bei der Markenwahrnehmung. Ein spezialisiertes Haus, das bislang gegen die Referenz Seminaris positioniert war, muss seine eigene Erkennbarkeit neu begründen: über Servicetiefe, Technikausstattung der Tagungsräume, Erreichbarkeit und persönliche Betreuung, also über Kriterien, die ein Volumenmodell strukturell schwerer bedient. Der Betrieb der Sunday-Häuser läuft nach Konzernangaben zunächst wie gewohnt weiter. Ob die Tagungskompetenz der acht Standorte unter einer Skalierungsmarke erhalten bleibt, lässt sich an der Investitions- und Personalpolitik der kommenden Monate ablesen.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.