Donnerstag, 8. Oktober 2026
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B&B Hotels führt mit 240 Häusern – Economy verdrängt Midscale

B&B Hotels an der Spitze, Garner mit dem stärksten Jahreszuwachs, ibis minus 24 Prozent in fünf Jahren: Das PKF-Ranking 2026 zeigt, wo der deutsche Hotelmarkt strukturell umgebaut wird.

Housekeeping-Mitarbeiterin prüft Liste neben beladenem Servierwagen in schmalem Hotelkorridor, Rückenansicht
Symbolbild · KI-generiert

B&B Hotels führt das deutsche Hotelmarken-Ranking der PKF hospitality group mit 240 Häusern und 24.731 Zimmern an, Stand 31. März 2026. Das Economy-Segment wächst mit 44 zusätzlichen Häusern am stärksten, während Midscale-Marken wie ibis, Best Western und Mercure Standorte verlieren. Die Verschiebung zeigt, wo Betreiber und Investoren 2026 expandieren.

Die Rangliste 2026: wer führt, wer aufsteigt

Die jährliche Analyse der auf Hotellerie spezialisierten Beratungsgesellschaft PKF erfasst Marken mit mindestens zehn Häusern in Deutschland und ordnet sie nach Hotel- und Zimmerzahl. B&B Hotels gewann gegenüber dem Vorjahr 15 Häuser hinzu und bleibt an der Spitze. Es folgen Best Western mit 123 und Mercure mit 87 Häusern. Premier Inn rückt mit 68 Häusern auf Platz vier vor, dahinter reihen sich Motel One mit 65 und ibis mit 64 Häusern ein.

Nach Zimmerzahl verschiebt sich das Bild. Hier führt B&B Hotels mit 24.731 Zimmern vor Motel One mit 18.239. Es folgen Best Western mit 12.761, Mercure mit 12.572 und Premier Inn mit 12.423 Zimmern. Den größten Jahreszuwachs nach Hotelzahl verbucht laut Tageskarte die IHG-Marke Garner mit 23 zusätzlichen Häusern.

Economy gewinnt, Midscale schrumpft

Der Kernbefund liegt in der Segment-Statistik. Das Economy-Segment wuchs laut Tageskarte um 44 Häuser. Die größten Beiträge kamen von Garner mit 23, Coffee Fellows Hotels mit acht, Premier Inn mit sieben und Motel One mit vier zusätzlichen Betrieben. Bei der Zimmerkapazität legte Economy mit 4.388 zusätzlichen Zimmern am kräftigsten zu und erreicht einen Anteil von 32,6 Prozent.

Midscale bleibt mit rund 37 Prozent der erfassten Hotels und 34,5 Prozent der Zimmer das größte Segment der Erhebung, allerdings mit rückläufiger Zimmerzahl. Dass es sich um einen strukturellen und nicht um einen einmaligen Effekt handelt, zeigt der Fünfjahresvergleich: Premier Inn steigerte seine Häuserzahl laut PKF seit 2022 von 36 auf 68, ein Plus von 89 Prozent, die Zimmerkapazität legte von 6.155 auf 12.423 um 102 Prozent zu. Dormero wuchs von 28 auf 46 Häuser, plus 64 Prozent. B&B Hotels legte von 151 auf 240 zu, plus 59 Prozent. Holiday Inn – the niu erhöhte die Zimmerzahl um 44 Prozent auf 8.869.

Auf der anderen Seite stehen die Rückgänge. ibis verlor über fünf Jahre 24 Prozent der Häuser, Best Western 20 Prozent, Mercure elf Prozent. Ulrike Schüler, Managing Director und Head of Germany bei PKF, ordnet die Bewegung so ein, dass der Markt nicht gleichmäßig wachse, sondern zugleich seine Struktur verändere. Marken expandierten, bestehende Hotels würden neu positioniert, Portfolios reorganisiert, besonders deutlich im Economy-Segment.

Was hinter den Zahlen steckt: Rebranding statt reinem Neubau

Ein Teil des Wachstums speist sich nicht aus Neubauten. Garner, die Marke mit dem stärksten Zuwachs, ist laut Hogapage ein IHG-Rebranding ehemaliger Novum- und Select-Häuser und stieg 2025 mit 18 Betrieben ins Ranking ein. Im Ranking 2026 verzeichnete die Marke gegenüber dem Vorjahr 23 zusätzliche Häuser. Was in der Tabelle als Expansion erscheint, ist in diesem Fall vor allem die Umflaggung bestehender Objekte.

PKF selbst weist auf die Grenzen der Momentaufnahme hin. Rückwirkende Revisionen könnten zu Abweichungen gegenüber früher veröffentlichten Zahlen führen, und seit dem Stichtag 31. März habe es durch Insolvenzen und Markenwechsel weitere Veränderungen gegeben. Ebenso verweist PKF im Fall Garner selbst auf das teilweise Rebranding bestehender Häuser. Die Branchenplattform hotelinside.ch zieht daraus eine klare Konsequenz: Wachstum in der Tabelle sei nicht zwingend organisches Wachstum im Markt. Hinzu kommt die Methodik der Markenzählung. Best Western wird ohne mehrere Collections ausgewiesen, Leonardo ohne Royal und Boutique, NH ohne NH-Collection und nhow. Bei mehreren Marken in einem Hotelnamen zählt PKF nur die erstgenannte. Das ergibt eine saubere Systematik, begrenzt aber die Aussagekraft einer reinen Markenrangliste.

Was das für die Branche heißt

Für den einzelnen DACH-Betrieb ist das Ranking eine Standortansage. Wo Economy- und Budgetmarken verdichten, verschärft sich der Preiswettbewerb im unteren Segment, vor allem im B2B- und Transit-Geschäft rund um Bahnhöfe, Messegelände und Gewerbegebiete. Wer als unabhängiges Midscale-Haus in solchen Lagen operiert, konkurriert zunehmend mit standardisierten, kostenoptimierten Konzepten, die über Skaleneffekte bei Vertrieb und Betrieb günstiger anbieten.

Der Druck ist branchenweit spürbar. Laut IHA-Branchenreport „Hotelmarkt Deutschland 2026″ stieg die durchschnittliche Zimmerauslastung 2025 um 0,9 Prozentpunkte auf 68,1 Prozent. Der Netto-Zimmerpreis gab um 2,8 Prozent auf 109 Euro nach, der RevPAR, der Umsatz pro verfügbarem Zimmer, sank entsprechend auf 74 Euro. Bei 497,4 Millionen Übernachtungen, einem neuen Höchstwert, stiegen die Insolvenzen im klassischen Beherbergungsgewerbe um 40,1 Prozent. Operativ ist die Branche zurück, die Margen stehen unter Druck.

Beim Kapital zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Der deutsche Hotelinvestmentmarkt erzielte im ersten Halbjahr 2026 laut JLL rund 741 Millionen Euro Transaktionsvolumen, etwa 18 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Europaweit floss laut Cushman & Wakefield rund die Hälfte des investierten Kapitals in die Kategorien Upper Upscale und Upscale. Für Betreiber heißt das: Expansionskapital fließt in skalierbare Markenkonzepte und in das obere Segment, während das markenlose Midscale-Haus bei Finanzierung und Pachtkonditionen die schwächere Verhandlungsposition hat. Wer dort steht, sollte seine Positionierung schärfen, über klare Zielgruppen, Direktvertrieb und ein Erlösprofil, das nicht allein über den Zimmerpreis verteidigt wird.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.