Freitag, 9. Oktober 2026
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Andrea Bastel übernimmt CEO-Posten bei Harry’s Home

Andrea Bastel, 38, wechselt von Smartments Berlin an die Spitze der Tiroler Hotelgruppe Harry's Home. Gründer Harald Ultsch tritt nach 20 Jahren in den Aufsichtsrat.

Frau von hinten an Hotelrezeption, prüft Papierliste, Morgenlicht, Harry's Home Lobby
Symbolbild · KI-generiert

Andrea Bastel, 38, bisher Managing Director bei Smartments in Berlin, übernimmt die operative Gesamtverantwortung bei der Tiroler Hotelgruppe Harry’s Home. Gründer Harald Ultsch zieht sich zum 20-Jahr-Jubiläum der Marke in den Aufsichtsrat zurück. Die Gruppe betreibt 16 Standorte in Österreich, Deutschland und der Schweiz und erwartet für 2026 laut top.tirol einen Umsatz von rund 60 Millionen Euro.

Externes Management statt Familiennachfolge

Der Wechsel ist kein Generationenübergang innerhalb der Familie. Die Ultschs sind seit fünf Generationen in der Hotellerie tätig und betreiben neben Harry’s Home in Innsbruck das Hotel Schwarzer Adler und das Adlers Lifestyle Hotel. Die operative Spitze ging trotzdem nicht an die fünfte Generation, sondern an eine externe Managerin. Valentina Ultsch bleibt als Head of People & Organization in der erweiterten Geschäftsführung und verantwortet laut tophotel.de mehr als 300 Mitarbeitende. Marc Schönfeld, seit 2022 Prokurist, behält seine Funktion als Director of Business Development.

Die Übergabe lief über ein strukturiertes Auswahlverfahren. Bastel war laut Salzburger Nachrichten eine der wenigen Frauen im Bewerberfeld und kam als Einzige in die engere Wahl. Drei Monate lang teilte sie sich die Aufgabe mit Ultsch in einer Doppelspitze. Über den Aufsichtsrat bleibt der Gründer eng gebunden, ein vollständiger Rückzug ist das nicht.

„Aus einem Haus sind 16 geworden. Nach 20 Jahren ist für mich jetzt der richtige Zeitpunkt, die operative Verantwortung weiterzugeben und Harry’s Home aus einer neuen Rolle zu begleiten“, begründet Ultsch seinen Schritt laut tophotel.de.

Woher Bastel kommt und warum das Profil passt

Bastels Laufbahn verlief immobilien- und investorennah, nicht im klassischen Hotelbetrieb. Sie startete laut top-news.at in der Hotelberatung bei PKF Hospitality und wechselte dann für sechs Jahre zur UBM Development AG, dort laut iz.de zuletzt als Head of Hotel Operations DACH/Netherlands & Development. Danach ging sie als Managing Director zu Smartments nach Berlin, einem der größten Serviced-Apartment-Betreiber im DACH-Raum. Serviced Apartments sind möblierte Wohneinheiten mit hotelähnlichem Service, gebucht für Tage bis Monate. Das Smartments-Portfolio wuchs laut tageskarte.io auf 16 Standorte mit 2.389 Apartments, Zielmarke sind 5.000 Einheiten bis 2027.

Auffällig ist die Kontinuität im Narrativ. Schon beim Smartments-Antritt sprach Bastel laut fondsforum.de von der „steigenden Nachfrage nach flexiblen Konzepten“ und vom „Gestaltungsspielraum“ ihrer Aufgabe. Diese Sprache nutzt sie jetzt bei Harry’s Home. Ihr Wechsel fällt zudem in eine Umbruchphase ihres früheren Arbeitgebers: Laut iz.de ging der Entwickler Livory, vormals GBI, auf Distanz zum Betreiber Smartments, der sich seither als eigenständige Plattform positioniert.

Ihr Mandat ist auf Expansion gestellt. „Wir wollen künftig jedes Jahr um ein bis zwei neue Hotels wachsen“, kündigt Bastel laut OTS an. Parallel steht ein Marken-Refresh an, Harry’s Home soll sich noch stärker als „Zuhause auf Zeit“ positionieren. Geplant sind laut tophotel.de ein weiterer Standort in Innsbruck, ein zweites Haus in Wien und ein neues Hotel in der Schweiz. Einen Schwerpunkt sieht die Gruppe im Süden, vor allem in Südtirol und weiteren Regionen Italiens.

Vom Goldfisch zum 60-Millionen-Umsatz

Das erste Harry’s Home eröffnete vor 20 Jahren in Hart bei Graz. Gäste wählten damals, welche Leistungen sie buchen, inklusive Küche auf Wunsch und flexibel buchbarer Services. In den Anfangsjahren konnten Alleinreisende laut tophotel.de einen Goldfisch mit aufs Zimmer nehmen. Auf Graz folgten Linz, Dornbirn und Wien, 2015 begann mit München die Expansion nach Deutschland, später kam die Schweiz dazu.

Die Wachstumskurve lässt sich an Zahlen ablesen. 2017 setzten die damals fünf Häuser laut tt.com rund 12 Millionen Euro um und beschäftigten 110 Mitarbeiter. Für dasselbe Geschäftsjahr wies die Harry’s Home Holding AG laut finnest.com eine EBIT-Marge von 20 Prozent und eine Eigenkapitalquote von rund 70 Prozent aus. 2024 eröffnete die Gruppe mit Salzburg, Lienz und Graz-Smart City drei Häuser in einem Jahr. Heute umfasst das Portfolio laut top.tirol rund 1.550 Zimmer, 4.300 Betten und etwa 450.000 Übernachtungen jährlich.

Finanziert wurde das Wachstum unter anderem über Crowdinvesting. Eine erste Runde brachte laut wirtschaftszeit.at knapp 400.000 Euro von 70 Anlegern, 2019 kam laut reisen-experten.de binnen sechs Wochen eine Million Euro zusammen, 2021 folgte eine Kampagne mit Zielvolumen von 1,5 Millionen Euro. Die Betriebe werden laut tt.com franchiseähnlich geführt, ein echtes Franchise-Modell war laut finnest.com parallel zur Eigenexpansion geplant. Die Süd-Expansion ist nicht neu: Schon 2021 nannte Ultsch laut tageskarte.io den Markteintritt in Italien als Ziel.

Was das für das Segment heißt

Für Betreiber im DACH-Raum ist weniger die Personalie relevant als der Typus-Wechsel. Eine Gründermarke, über zwei Jahrzehnte eng an eine Person und eine Familie gebunden, holt sich erstmals eine Managerin aus dem institutionell geprägten, immobiliennahen Teil des Serviced-Apartment-Geschäfts an die Spitze. Dieses Muster tritt im Segment derzeit häufiger auf, während es seine Konsolidierungsphase durchläuft.

Im Tagesgeschäft bedeutet das zweierlei. Wer aus Asset Management und Development kommt, denkt Standortpipeline, Betreiberverträge und Renditekennzahlen oft stärker durch als klassisch operativ geprägte Gründer. Wer selbst mit Investoren und Entwicklern verhandelt, konkurriert künftig mit professionelleren Gegenübern um gute Lagen. Der zweite Punkt ist die Markenpflege. Harry’s Home verkauft sein „Zuhause auf Zeit“ über persönliche Details, die sich schwer skalieren lassen. Ein bis zwei neue Häuser pro Jahr plus Marken-Refresh ist eine Gratwanderung zwischen Wiedererkennbarkeit und Verwässerung.

Dass das Segment als Assetklasse angekommen ist, bestätigt Hannes Schied von Christie & Co: „Serviced Apartments haben sich in Deutschland von einem Nischensegment zu einer etablierten Assetklasse entwickelt.“ Für inhabergeführte Betriebe heißt das: Der Wettbewerb um Kapital und Standorte wird härter, und die Frage nach einer belastbaren Nachfolge- oder Management-Lösung stellt sich früher, als vielen lieb ist.

Quellen

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Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.