Sonntag, 11. Oktober 2026
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Leonardo holt 28 Hotels 2026 – 20 davon aus Revo-Insolvenz

Leonardo Hotels Central Europe plant 28 Neuzugänge für 2026, etwa 20 davon aus der Insolvenzmasse von Revo. Der Fonds Partnership IV soll bis zu einer Milliarde Euro einbringen.

Housekeeping-Wagen mit neuem Leonardo-Hotelschild im Flur eines übernommenen Hotels
Symbolbild · KI-generiert

28 neue Hotels will Leonardo Hotels Central Europe 2026 in sein Portfolio holen, rund 20 davon aus dem Bestand des insolventen Betreibers Revo. Für 2027 rechnet die Gruppe mit etwa 20 weiteren Neuzugängen. Um das Volumen zu bewältigen, baut das Unternehmen seine Development-Abteilung um und besetzt eigene Regionalverantwortliche für Nordeuropa und Italien.

Finanziert wird das Wachstum unter anderem über den Fonds Partnership IV, für den Leonardo laut tophotel.de ein Gesamtvolumen zwischen 800 Millionen und einer Milliarde Euro erwartet. Das Geld fließt sowohl in die Kernmärkte als auch in neue Destinationen.

Ein Portfolio, das durch eine Insolvenz wächst

Die Business Unit Leonardo Hotels Central Europe zählt derzeit mehr als 130 Hotels, rund 80 davon in Deutschland. Das geht aus der Leonardo-Pressemitteilung vom 5. August 2026 hervor, auf die sich die Meldung von tophotel.de stützt. Neben den 28 Neuzugängen für 2026 betreut das Team laut Leonardo rund 30 weitere Projekte aus den Vorjahren, darunter Umbauten und Renovierungen von Bestandshäusern. Mehrere Neubauten sollen 2027 eröffnen.

Ein großer Teil der Neuzugänge stammt aus der Masse des insolventen Betreibers Revo. Dem Fachportal tageskarte.io zufolge übernahm Leonardo in einem ersten Paket vier Häuser in Berlin, Düsseldorf und Dortmund mit zusammen 1.040 Zimmern. Dazu zählen laut costar.com das H2 Hotel Düsseldorf City (250 Zimmer), das frühere Steigenberger Dortmund (166 Zimmer) sowie zwei benachbarte Berliner Häuser am Alexanderplatz mit 336 und 288 Zimmern. Zum 1. Oktober kamen laut konii.de drei weitere ehemalige Revo-Häuser in München, Hannover und Braunschweig mit insgesamt 735 Zimmern hinzu. Das Münchner Objekt, das frühere Hyperion Hotel mit 341 Zimmern, firmiert künftig als Leonardo Royal Munich Bavaria Towers.

Insgesamt übernimmt die israelische Muttergesellschaft Fattal Hotel Group laut tophotel.de 22 Häuser aus der Revo-Insolvenz unter ihren Leonardo-Marken, darunter das künftige Leonardo Smart Vienna Airport Hotel mit 510 Zimmern am Flughafen Wien. Offen bleibt bei vielen dieser Transaktionen die Eigentümerfrage: Ob mit der Betriebsübernahme auch ein Wechsel der Immobilieneigentümer verbunden ist, geht aus der Mitteilung nicht hervor, wie tageskarte.io anmerkt. Leonardo übernimmt also überwiegend den Betrieb, nicht zwingend die Immobilie.

Vorgeschichte: die größte Insolvenz der deutschen Hotellerie

Die Revo Hospitality Group, bis 2025 als HR Group bekannt, beantragte laut tophotel.de im Januar und Februar 2026 für 138 Hotelgesellschaften beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz in Eigenverwaltung. Betroffen sind nach Angaben von falstaff.com rund 5.900 Beschäftigte; das Verfahren umfasst inzwischen knapp 180 Hotels in mehreren europäischen Ländern. reisevor9.de ordnet den Vorgang als größte Insolvenz ein, die die deutsche Hotelwirtschaft je gesehen hat.

Ausgelöst wurde die Krise durch ein hohes Expansionstempo. 2008 mit einem Hotel in Leipzig gestartet, zählte die Gruppe von Ruslan Husry laut reisevor9.de 2020 erst 51 Häuser, bevor sie binnen weniger Jahre auf rund 250 Hotels in zwölf Ländern anwuchs. Zu den Stationen gehörten laut tageskarte.io die Integration von rund 20 Vienna-House-Hotels mit Wyndham, die Übernahme des Centro-Portfolios mit 34 Häusern und rund 2.800 Zimmern sowie der Erwerb der H-Hotels-Gruppe aus Bad Arolsen im Februar 2025. Doppelstrukturen, Integrationsprobleme und zurückbleibende Übernachtungszahlen führten in eine Liquiditätslücke. Leonardo greift aus dieser Masse selektiv zu: 22 von knapp 180 Häusern.

Die neue Struktur und ein Mann, der die andere Seite kennt

Laut Leonardo übernimmt Martin Stegner als Development Director und Deputy VP for Development die Development-Aktivitäten in Zentraleuropa und vertritt Jan Heringa, den Vice President Development und Project Management. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem Ausbau der Serviced-Apartment-Marke Master. Robert Ruschke, seit 2021 im Team, rückt zum Deputy Development Director Central Europe auf und verantwortet den DACH-Raum sowie die osteuropäischen Märkte.

Pikant ist Stegners Vita: Seinem eigenen Profil auf stegner.io zufolge war er von Mai bis Dezember 2025 Chief Development Officer bei der Revo Hospitality Group und davor über zwölf Jahre in leitender Funktion (CIO) bei Novum Hospitality tätig. Er integriert bei Leonardo also Häuser, die er auf der anderen Seite des Verhandlungstisches mitverantwortet hat.

„Wir wollen unser Portfolio gezielt weiterentwickeln und in neuen Regionen Fuß fassen. Dabei geht es nicht um Wachstum um seiner selbst willen, sondern darum, die richtigen Projekte an den richtigen Standorten zu identifizieren und langfristig passende Partnerschaften aufzubauen“, so Jan Heringa laut tophotel.de.

Als finanzielles Rückgrat dient der Fonds Partnership IV. Der Vorgängerfonds Partnership III startete laut marketscale.com im Januar 2024 mit 419 Millionen Euro und wuchs bis Januar 2025 auf 542 Millionen Euro. Seit Fondsstart erwarb Leonardo 30 Hotels für insgesamt fast 740 Millionen Euro. Partnership IV ist laut skift.com der erste Fonds der Gruppe mit US-Mandat; erste Investition war der Kauf des Blakely in Manhattan für 38,5 Millionen Dollar. Fattal will bis 2030 auf 400 bis 450 Hotels wachsen.

Zwei neue Himmelsrichtungen: Skandinavien und Italien

Für die nordischen Märkte holt Leonardo Björn Anker Gullaksen als Director of Development. Im Fokus stehen laut Pressemitteilung die Hauptstädte Stockholm, Kopenhagen, Oslo, Helsinki und Reykjavik. Wachsen will die Gruppe dort über Akquisitionen und Pachtverträge, bevorzugt mit bestehenden Hotels, die sich schnell in eine der sieben Marken integrieren lassen.

In Italien betreibt Leonardo nach eigenen Angaben derzeit acht Hotels und ein Master-Apartmenthaus, darunter das Nyx Hotel Rome. Für die Expansion kommt Niccolò Pravettoni als Business Development Manager Italy ins Team, zuvor Head of Business Development bei der Líbere Hospitality Group. Er soll mit Eigentümern, Asset Managern und institutionellen Investoren zusammenarbeiten und zielt auf große Städte, ausgewählte Sekundärstandorte und Leisure-Destinationen. Weiteres Potenzial sieht die Gruppe in Tschechien, Rumänien, Ungarn und Polen sowie in der Slowakei und Slowenien; auch in Frankreich sucht Leonardo einen eigenen Development Manager.

Was das für die Branche heißt

Für DACH-Betriebe verschiebt sich mit der Revo-Integration die Wettbewerbslage in den Stadthotelmärkten. Leonardo konsolidiert Häuser in Berlin, Düsseldorf, Dortmund, München, Hannover, Braunschweig und am Flughafen Wien unter einem Dach mit zentralem Vertrieb, einheitlichem Markenportfolio und einem Finanzierungsvehikel im dreistelligen Millionenbereich. Wer in diesen Städten als unabhängiges Business- oder Tagungshotel operiert, konkurriert künftig gegen einen Betreiber mit größerer Buchungsmacht gegenüber OTAs (Online-Reiseportale) und mehr Spielraum bei ADR (durchschnittliche Zimmerrate) und Vertriebskosten.

Aufschlussreich ist der Fokus auf Betriebsübernahmen statt Immobilienkäufe. Für Eigentümer und Asset Manager mit Häusern in zweitklassiger Lage oder mit Markenbindungsproblemen wird Leonardo damit zu einem realistischen Pächter, gerade bei Objekten, die sich zügig auf eine der sieben Marken umflaggen lassen. Für Revenue- und F&B-Verantwortliche in übernommenen Häusern heißt die Phase vor allem: Integrations-, Umbau- und Renovierungsprojekte laufen parallel zum operativen Geschäft. Die rund 30 Altprojekte zeigen, dass sich solche Prozesse über Jahre ziehen.

Die Personalie Stegner macht die Logik sichtbar: Leonardo kauft nicht nur Betten, sondern holt sich Wissen über die Portfolios, die es integriert. Das beschleunigt die Konsolidierung und erhöht den Druck auf regionale Anbieter, ihre Stärken in Service, Direktvertrieb und lokaler Marktkenntnis herauszuarbeiten.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.