Donnerstag, 24. September 2026
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Bob W startet mit 67 Studios in Wien-Döbling

Bob W eröffnet in der Heiligenstädter Straße 40 sein erstes österreichisches Haus: 67 Studios, weitgehend digitaler Betrieb, Graz und Salzburg bereits bestätigt.

Studio-Apartment in Wien-Döbling: Gast an Küchenzeile, Alltagsspuren, Blick zum Straßenfenster
Symbolbild · KI-generiert

Der finnische Longstay-Betreiber Bob W eröffnet in der Heiligenstädter Straße 40 in Wien-Döbling sein erstes Haus in Österreich: 67 Studio-Apartments in einem 2.000 Quadratmeter großen Gebäude. Nach einem Soft Opening im Juli 2026 folgte die offizielle Eröffnung, wie tophotel.de berichtet. Europaweit betreibt das Unternehmen laut hotelvor9.de derzeit 55 Häuser in elf Ländern mit rund 8.000 Zimmern und Apartments.

67 Studios, ein digitaler Betrieb

Bob W betreibt das Objekt über einen langfristigen Pachtvertrag mit der Peter Pilz & Partner Projektentwicklungs GmbH (Travolution, 2024). Die Studios verfügen über eigene Küchenzeilen und richten sich an Kurzzeit- wie an Longstay-Gäste, also Aufenthalte über mehrere Wochen. Dazu kommen laut tophotel.de eine offene Lounge, Co-Working-Bereiche und eine gemeinschaftliche Waschküche. Frühstück und Fitness laufen über Partner aus der Umgebung.

Der zentrale Hebel im Betriebsmodell ist die Digitalisierung. Vom Check-in bis zur Gästebetreuung läuft der Aufenthalt weitgehend digital, der Personaleinsatz bleibt damit unter dem eines klassischen Hotels. Zum Vergleich: Der Marktreport von ÖHV und Michaeler & Partner nennt für österreichische Serviced-Apartment-Betriebe durchschnittlich 9,2 Vollzeitäquivalente pro Standort.

Die Standortlogik erklärt die Longstay-Ausrichtung. Das Haus liegt laut Hotel News Resource (2024) gegenüber einem neuen Life-Science-Hub mit 30.000 Quadratmetern und in einem Unternehmenszentrum mit 170.000 Quadratmetern Bürofläche und über 11.000 Beschäftigten. Zielgruppe sind Projektmitarbeiter, entsandte Fachkräfte und Geschäftsreisende mit längeren Aufenthalten. Beim Gebäude setzt Bob W auf Photovoltaik, eine fossilfreie Wärmepumpe, eine begrünte Fassade und wassersparende Armaturen. Eine Übernachtung verursacht nach Unternehmensangaben rund 69 Prozent weniger Emissionen als der europäische Hoteldurchschnitt, eine Selbstauskunft, die tophotel.de wiedergibt.

Vom Vertrag 2024 bis zur Eröffnung 2026

Bob W unterzeichnete die Verträge für das Wiener Haus am 8. Juli 2024 in Helsinki (bobw.co). Ursprünglich sollte das Objekt 2025 die ersten Gäste empfangen, wie Travolution damals berichtete. Der Start verzögerte sich um rund ein Jahr auf 2026. Die Immobilientransaktion vermittelte CBRE, bei Gründung der österreichischen Gesellschaft und beim Pachtvertrag beriet die Kanzlei Wolf Theiss (TravelDailyNews).

Niko Karstikko und Sebastian Emberger gründeten Bob W 2019, die erste Unterkunft entstand in Tallinn (hogapage.at). Das Wachstum lief auch über Zukäufe: 2022 übernahm das Unternehmen Estonishing Stay und Koti, 2023 folgte Charly Hospitality (PhocusWire). Die Expansion untermauert eine Series-B-Runde über 40 Millionen Euro Anfang 2024, angeführt von Evli Growth Partners (PhocusWire). Zuvor gab es laut Dealroom eine Seed-Runde über vier Millionen Euro (2020) und eine Series A über 21 Millionen Euro (2022).

Graz und Salzburg bestätigt: die DACH-Pipeline

Wien bleibt nicht der einzige österreichische Standort. Weitere Häuser in Graz und Salzburg sind nach Unternehmensangaben bestätigt, wie tip-online.at meldet. Für den gesamten DACH-Raum nennt Mitgründer Emberger eine Pipeline in Stuttgart, Wien und acht weiteren Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz (Serviced Apartment News). In München Schwabing eröffnete Bob W bereits 2025 ein Haus, das im selben Jahr den German Design Award in den Kategorien Architektur und Innenarchitektur erhielt (hogapage.at).

Zur Motivation sagt Emberger:

„Mit den Standorten unserer neuen Objekte und künftigen Eröffnungen möchten wir unsere langfristige Wachstumsstrategie für die DACH-Region verfestigen. Wir verzeichnen dort eine sehr stabile Nachfrage.“

Auffällig ist die Wahl von Graz und Salzburg. Statt allein auf die Metropolen zu setzen, geht Bob W in Zweit- und Drittstädte. Das passt zur Longstay-Logik, die weniger von Tages- und Städtetourismus lebt als von Business- und Projektnachfrage, die auch in kleineren Wirtschaftsräumen vorhanden ist.

Design als Differenzierung im 19. Bezirk

Das Interior greift Elemente Döblings auf. Die Künstlerin und Produktdesignerin Yvonne Rausch entwarf laut tophotel.de Keramikobjekte für die Studios, Fotograf Peter Neusser steuerte großformatige Aufnahmen der umliegenden Weinberge bei. Die Innenräume entstanden mit Carl Fischer und Jonas Gorke von Drees & Sommer. Karstikko begründet den Standort so:

„Döbling schien uns der richtige Ort für unser erstes Zuhause in Österreich, da das Viertel eine eigene Identität hat.“

Was das für die Branche heißt

Bob W trifft in Wien auf einen dicht besetzten Markt. Laut dem M&P-Marktreport zählt Wien 178 Serviced-Apartment-Betriebe mit 9.807 Einheiten und gilt als Sprungbrett für internationale Betreiber. Zu den etablierten Anbietern in der Stadt gehören Adina, SMARTments, Visionapartments und Zoku, direkte Wettbewerber im hybriden Segment sind laut PitchBook die Numa Group und Limehome. Für ein 67-Zimmer-Haus heißt das: Der Neuling kämpft nicht um einen freien Markt, sondern um Marktanteile in einem Feld mit bestehenden Skaleneffekten.

Für klassische Stadthotels in der DACH-Region verschärft der Eintritt den Druck im Longstay- und Business-Segment. Der Hebel liegt beim Personal. Wenn ein Betreiber Check-in, Betreuung und Housekeeping-Rhythmus digital und mit wenigen Vollzeitkräften pro Standort abbildet, verändert das die Kostenbasis pro verfügbarem Zimmer, gerade bei längeren Aufenthalten, bei denen tägliche Servicezyklen entfallen. Wer in derselben Lage mit vollem Servicebetrieb konkurriert, muss den Aufpreis über erlebbaren Mehrwert rechtfertigen.

Der Rahmen bleibt attraktiv: Wien verzeichnete 2025 laut ORF Wien einen Netto-Nächtigungsumsatz von rund 1,5 Milliarden Euro, ein Plus von sechs Prozent. Zugleich sank die durchschnittliche Auslastung der Serviced-Apartment-Betriebe 2025 laut ÖHV auf 74,5 Prozent, rund zwei Prozentpunkte unter Vorjahr. Neues Angebot trifft also auf eine Nachfrage, die wächst, aber nicht mehr jede zusätzliche Einheit automatisch füllt. Für Betreiber entscheiden damit Standortwahl und Differenzierung, genau die beiden Punkte, an denen Bob W in Döbling mit Lagelogik und lokalem Design ansetzt.

Quellen

Thema Eröffnungen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.