Grand Hotel Sauerhof: 40 Mio. Euro für Neustart 2028
40 Millionen Euro, 111 Zimmer, Eröffnung 2028: Das seit 2014 geschlossene Grand Hotel Sauerhof in Baden bei Wien wird unter Eigentümer Jürgen Hesz saniert und neu eröffnet.

40 Millionen Euro, 111 Zimmer, Eröffnung 2028: Das seit 2014 geschlossene Grand Hotel Sauerhof in Baden bei Wien wird saniert und als Hotel neu eröffnet. Eigentümer ist die Meta Hesz Group 1 GmbH des oberösterreichischen Investors Jürgen Hesz, die das Biedermeier-Palais laut news.at/APA seit Frühjahr 2025 hält.
Nach einem Konkurs sperrte das Haus 2014 zu und stand seither leer. Der Neustart beziffert das Investitionsvolumen mit rund 40 Millionen Euro. Diese Zahl nennen ORF Niederösterreich, news.at, faktum.at und die deutsche Fachpresse übereinstimmend.
111 Zimmer, Sanierung statt Abriss
Das Konzept setzt auf die historische Substanz. Statt eines Neubaus wird der bestehende Komplex saniert und für eine zeitgemäße Hotelnutzung ertüchtigt, wie die Stadtgemeinde Baden in ihrer Presseaussendung vom Juli 2026 festhält. Vor der Schließung hatte das Haus laut Buchungsportalen 87 Zimmer und zwei Suiten auf drei Etagen.
Künftig sind laut Einreichung 111 Zimmer geplant. Diese Betriebsgröße sei „notwendig für ein sinnvolles Betreiben“, zitiert ORF Niederösterreich den Miteigentümer Markus Wolfesberger. Hinzu kommt ein modernisierter Wellnessbereich, den Wolfesberger als „größten Eingriff“ bezeichnet. Ausgerichtet wird das Haus auf Kulinarik, Gesundheit und Kongresse, den Grand-Hotel-Charakter will man erhalten.
Der Zeitplan ist gestreckt. Ein Baubeginn ist laut oe24 frühestens im Frühjahr 2027 möglich, die Bauzeit veranschlagt man mit 14 bis 16 Monaten. Die Eröffnung ist laut news.at für 2028 geplant.
Wer investiert: Jürgen Hesz und die Meta Hesz Group
Hinter dem Projekt steht Jürgen Hesz, Geschäftsführer der Meta Hesz Group 1 GmbH aus Oberösterreich. Für den Betrieb schlossen Hesz und Wolfesberger laut meinbezirk.at einen Fixpachtvertrag über 20 Jahre mit zweimaliger Verlängerungsoption um jeweils fünf Jahre. Das Funktionskonzept stammt vom Welser Büro Unykat Interior Design, das Hesz nach eigener Darstellung im Sommer 2025 beauftragte. Wolfesberger hält gegenüber faktum.at eine Minderheitsbeteiligung.
Wie Hesz an das Objekt kam, hängt eng mit der Vorgeschichte zusammen. In den gerichtlichen Vergleich nahm man laut ORF Niederösterreich (Oktober 2024) eine Klausel auf, die dem früheren Eigentümer Siegmund Kahlbacher einen Rückkauf bis Ende 2024 um 10,5 Millionen Euro ermöglichte. Ob Kahlbacher diese Frist nutzte, geht aus dem Recherchematerial nicht hervor. Die aktuellen Meldungen weisen Hesz als Eigentümer aus.
Vom Konkurs zum Betrugsprozess
Über die Betriebsgesellschaft eröffnete das Landesgericht Wiener Neustadt laut news.at im Februar 2014 das Konkursverfahren, es folgte die Schließung. Auch Pläne für ein Fünf-Sterne-Gesundheitshotel scheiterten.
2015/2016 übernahm die K.Y.A.T.T.-Gruppe rund um Siegmund Kahlbacher, der das Palais nach einem Umbau als „Grandhotel Sacher Baden“ führen wollte, wie die ahgz berichtete. Die Angaben zur Investorengruppe widersprechen sich in den Quellen: Die ahgz sprach von einer österreichisch-malaysischen Gruppe, die NÖN von einem chinesischen Großkonzern.
Zentral für den Verkauf war ein Betrugsfall. Laut ORF Niederösterreich soll Kahlbacher im November 2023 über den früheren Vizekanzler Heinz-Christian Strache den Investor Adnan K. vermittelt bekommen haben, der 130 Millionen Euro in den Sauerhof und weitere Projekte investieren wollte. Geflossen sei nach Kahlbachers Angaben nie ein Euro. Adnan K. wurde laut ORF im April festgenommen, ihm wird schwerer gewerbsmäßiger Betrug vorgeworfen. Zur Schadenshöhe gehen die Angaben auseinander: Im Akt sei von 12.800 Euro die Rede, Kahlbacher selbst beziffert seinen Schaden gegenüber dem ORF auf einen „niedrigen, zweistelligen Millionenbetrag“.
Die Folge fasst Hesz in der NÖN so zusammen:
„Wir haben Herrn Kahlbacher über Jahre hinweg mitfinanziert. Aber wir waren aus Freundschaftsgründen nie im Grundbuch eingetragen. Nach langen, verschiedenen Prozessen ist jetzt mein Unternehmen im Besitz des Sauerhofes.“
Was das für den Standort Baden heißt
Für Baden geht es um mehr als ein einzelnes Haus. Bürgermeisterin Carmen Jeitler-Cincelli (ÖVP) spricht laut heute.at von einem „Impuls für die Stadt, den wir dringend brauchen“. Im Koalitionspapier der Stadtregierung steht das Ziel, in dieser Legislaturperiode eines der großen Hotels wiederzueröffnen. Das erklärt, warum die Gemeinde das Projekt offen begleitet.
Für Hoteliers in der Region verschiebt der Sauerhof mittelfristig die Wettbewerbslage. 111 Zimmer im gehobenen Segment plus modernisierter Wellnessbereich treffen ab 2028 auf einen Markt, der bislang von der Kurstadt-Tradition und den 14 Thermalquellen lebt. Die Ausrichtung auf Gesundheit und Kongresse, also MICE-Geschäft (Meetings, Incentives, Conventions, Events), zielt auf Nachfrage abseits des reinen Städtetourismus. Hesz betonte gegenüber dem ORF, ein reines Touristenhotel brauche es in Baden nicht mehr.
Für Betreiber in Baden heißt das konkret: Wer heute Gesundheits- und Tagungsgäste bedient, bekommt in wenigen Jahren neue Kapazität und damit Preisdruck bei der ADR (durchschnittlich erzielter Zimmerpreis) im Vier- bis Fünf-Sterne-Bereich. Zugleich macht ein Haus dieser Größe die Destination als Ganzes sichtbarer. Der Zeithorizont bis mindestens 2028 lässt Spielraum, das eigene Angebot zu schärfen, bevor die neue Konkurrenz startet.
Quellen
- ahgz – Baden/Weikersdorf: Zwei Traditionshotels vor neuem Leben
- noe.ORF.at – Grand Hotel Sauerhof soll neu belebt werden
- news.at/APA – Grand Hotel Sauerhof: 40 Millionen Euro für Neustart
- faktum.at – Sauerhof Baden wird saniert
- hotelvor9.de – Grand Hotel Sauerhof vor Wiedereröffnung
- Stadtgemeinde Baden – Presseaussendung zum Sauerhof (20.07.2026)
- meinbezirk.at – Sauerhof: Investition, Pachtvertrag und Bauzeit
- oe24.at – Baubeginn und Zeitplan Sauerhof
- heute.at – Bürgermeisterin Jeitler-Cincelli zum Sauerhof
- NÖN – Kahlbacher, Betrugsfall und Verkauf des Sauerhofes
- tourismus.baden.at – Thermalquellen und Kurstadt Baden
- wienerwald.info – Nächtigungstaxe Baden 2026
Quelle: Originalmeldung


