Schani eröffnet sechstes Haus in Wien – 90 Zimmer am Naschmarkt
90 Zimmer, neun Geschosse, offene Rooftop-Gastronomie: Die Schani-Gruppe hat ihr sechstes Wiener Haus eröffnet – mit digitalem Avatar am Empfang und F&B als zweiter Ertragssäule.

90 Zimmer, 213 Betten, neun Geschosse an der Linken Wienzeile 130A: Die Wiener Schani-Gruppe hat im 6. Bezirk ihr sechstes Haus eröffnet, das Hotel Schani Naschmarkt. Laut Wiener Bezirksblatt ist es der zweite Neuzugang der Gruppe innerhalb eines Jahres. Das Konzept kombiniert Jugendstil-Bezüge, einen digitalen Check-in-Avatar und eine für Externe geöffnete Rooftop-Gastronomie.
Was am Naschmarkt eröffnet hat
Der Neubau steht unweit des Naschmarkts und zählt neun Geschosse. Die Kapazität liegt laut dem offiziellen Wien-Tourismus-Eintrag bei 90 Zimmern und 213 Betten. Größenmäßig ordnet sich das Haus zwischen dem Stammhaus am Hauptbahnhof (135 Zimmer) und dem 2024 gestarteten UNO City (202 Zimmer) ein.
Das Design bezieht sich laut tma-online auf die Wiener Moderne um Josef Hoffmann, Otto Wagner und Joseph Maria Olbrich, Aluminium und Messing prägen die Innengestaltung. Die Gastronomie heißt „Vieami“, ein Kofferwort aus Vienna und Miami. Die Küche interpretiert laut news.at südamerikanische Aromen mit asiatischen Einflüssen, im Zentrum steht Social Dining.
Entscheidend für die wirtschaftliche Logik des Hauses: Restaurant, Bar und Rooftop sind für ein Wiener Publikum geöffnet. Man könne dort laut tma-online „unabhängig von einer Hotelübernachtung essen, trinken und Zeit verbringen“. Geschäftsführer Markus Marth ordnet das im Selbstverständnis der Gruppe ein: „Das ist typisch Schani. Man begegnet einander auf Augenhöhe, ist bevorzugt miteinander per Du und die Nachbarschaft ist willkommen“, sagte er laut Gault&Millau beim Pressetermin.
Der Avatar am Empfang: Technik als Markenkern
Ein digitaler Avatar führt Gäste beim Check-in über einen Monitor durch den Prozess. Er erfasst laut tma-online persönliche Daten und Ausweisinformationen und übernimmt die Rechnungsprüfung. Entwickelt wurde die Lösung mit dem Fraunhofer IAO, dem Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, im Rahmen des FutureHotel Innovation Network, einem Forschungsnetzwerk für digitale Hospitality-Konzepte.
Wichtiger als die Technik selbst ist ihre Rolle im Markenbild. Schani setzt Digitalisierung als wiederkehrendes Element über mehrere Häuser hinweg ein, nicht als einmaliges Gimmick. Die Partnerschaft mit dem Fraunhofer IAO besteht seit Jahren. Vanessa Borkmann vom Fraunhofer IAO stuft den Avatar entsprechend ein: „Aufbauend auf unseren Entwicklungen für die digitale Gästereise markiert der Schani-Avatar als virtueller Gastgeber nun den nächsten Meilenstein hin zum vernetzten Hospitality-Ökosystem.“ CEO und Co-Founder Benedikt Komarek formuliert laut tageskarte.io grundsätzlicher: „Dieses Haus soll mehr als ein Hotel werden – es wird eine Bühne für die Geschichte Wiens.“
Vom Bahnhofsprojekt zur Sechser-Gruppe
Die Schani-Gruppe gründeten 2015 die Brüder Benedikt und Alexander Komarek, der Spatenstich für das erste Haus am Wiener Hauptbahnhof fiel laut Unternehmensangaben am 18. Februar 2014. Vor der jüngsten Expansionswelle betrieb die Gruppe laut meinbezirk vier Standorte: das Hotel Schani Wien Hauptbahnhof, das Bio-Hotel Schani Wienblick in Ottakring, das Hotel Schani Salon an der Mariahilfer Straße und das Hotel Schani UNO City an der Alten Donau, das Ende März 2024 in die Soft-Opening-Phase ging.
Das Grundstück am Naschmarkt hat eine längere Vorgeschichte. Das Projekt lag laut meinbezirk bereits im Dezember 2021 bei der Stadt Wien, das Haus an der Linken Wienzeile 130A stand über Jahre leer. In zwei Wintern richtete das Wiener Rote Kreuz dort im Erdgeschoss eine Wärmestube ein, 2024 riss die Gruppe den Altbestand ab. Anrainer meldeten Bedenken an: mehr Lärm, eingeschränkte Privatsphäre, Flächenversiegelung. Eine Anwohnerin kritisierte laut meinbezirk, statt Wohnraum mit Grünflächen werde „Investoreninteressen nachgegeben“, der Wohnungsmangel weiter angeheizt. Komarek hielt dagegen, das Haus werde „nicht wesentlich höher als die umliegenden Gebäude“, die alle sieben Stockwerke plus Dachgeschoss hätten, und verwies auf einen geplanten begrünten Innenhof.
Anfang 2025 kündigte die Gruppe das Haus noch als „fünften Standort“ an, eröffnet hat es nun als sechstes. Die Zählung verschob sich durch den parallelen Portfolio-Ausbau.
Was das für die Branche heißt
Für einen DACH-Stadthotelier zeigt der Fall, wie sich ein wiedererkennbares Produkt über mehrere Häuser skalieren lässt, ohne austauschbar zu werden. Schani standardisiert nicht Zimmer und Fassaden, sondern Bausteine: einen digitalen Empfangsprozess, eine geöffnete F&B-Fläche und eine erkennbare Designhandschrift. Das senkt Personalkosten am Front Desk und erschließt über Rooftop und Restaurant eine zweite Ertragssäule, die nicht von der Zimmerauslastung abhängt. Das zählt in einem Markt, in dem der RevPAR (Umsatz pro verfügbarem Zimmer) im ersten Wiener Halbjahr 2026 laut gastroportal.at mit 75,80 Euro zwei Prozent unter Vorjahr lag.
Das Marktumfeld erklärt, warum diese zweite Säule zählt. Wien verzeichnete von Jänner bis Juli 2026 laut gastroportal.at 11,14 Millionen Nächtigungen, ein Plus von fünf Prozent. Gleichzeitig wuchs das Angebot: Im Juli standen rund 84.500 Betten bereit, etwa 1.600 mehr als ein Jahr zuvor. Wer neu eröffnet, tritt in einen Markt mit steigender Nachfrage, aber auch steigendem Wettbewerb um dieselben Gäste. Ein Haus, das Wiener zum Essen und Trinken ins eigene Rooftop zieht, macht sich unabhängiger von OTA-Buchungslage (Online-Reisebüros wie Booking.com) und Preisdruck im Zimmergeschäft. Für die eigene Planung heißt das: Der Empfangs-Avatar ist die Schlagzeile, die kalkulatorisch interessantere Entscheidung ist die Öffnung der Gastronomie nach außen.
Quellen
- ahgz – Expansion: Hotel Schani Naschmarkt öffnet in Wien
- news.at – Hotel Schani Naschmarkt eröffnet im 6. Bezirk
- tma-online – Neues Boutiquehotel Schani Naschmarkt an der Linken Wienzeile
- wien.info – Hotel Schani Naschmarkt, Linke Wienzeile 130A
- Gault&Millau – Hotel Schani Naschmarkt eröffnet
- meinbezirk – Schani Hotels und das Projekt an der Linken Wienzeile 130a
- hotelier.de – Hotel Schani UNO City eröffnet vierten Standort
- tophotel.de – Schani City in der Leopoldstadt
- schanihotels.com – Unternehmensgeschichte und Hotel Schani Naschmarkt
- tageskarte.io – Benedikt Komarek über das Hotel Schani Naschmarkt
- gastroportal.at – Wiener Tourismusstatistik 2026
- evi.gv.at – Firmenbucheintrag Hotel Schani Naschmarkt GmbH
Quelle: Originalmeldung


