Leonardo flaggt vier Intercityhotels um – Nürnberg macht den Anfang
Das Leonardo Nürnberg City Center ist das erste von vier ehemaligen Intercityhotels, das vollständig auf die Marke umgeflaggt wurde. Freiburg, Magdeburg und Erfurt folgen bis Ende 2026.

158 Zimmer, vier Konferenzräume, wenige Gehminuten zum Hauptbahnhof: Mit dem Leonardo Nürnberg City Center hat Leonardo Hotels Central Europe das erste von vier ehemaligen Intercityhotels vollständig auf die eigene Marke umgeflaggt. Das Haus übernahm die Gruppe zum 1. Dezember 2025, das Rebranding ist seit August 2026 abgeschlossen. Die Standorte Freiburg, Magdeburg und Erfurt sollen laut Presseportal im dritten und vierten Quartal 2026 folgen.
Nürnberg gibt damit den Takt für eine Serienumwandlung vor, die über 30 Jahre Markenpräsenz beendet. Die vier Bahnhofshotels liefen bislang als Intercityhotel, betrieben von Steigenberger. Dass ausgerechnet Nürnberg den Anfang macht, hat eine eigene Note: Hier wurde das erste Hotel der Marke Leonardo überhaupt eröffnet.
Vier Häuser, 638 Zimmer, ein Fahrplan
Das Gesamtvolumen der Transaktion beziffert das HVS-Transaktionsbulletin (Hospitality Net) auf 638 Zimmer. Sie verteilen sich auf 158 Zimmer in Nürnberg, 152 in Freiburg, 175 in Magdeburg und 153 in Erfurt. Alle vier liegen in unmittelbarer Nähe zum jeweiligen Hauptbahnhof, ein Muster aus ihrer Intercityhotel-Vergangenheit.
Nürnberg dient als Blaupause. Die 158 Zimmer wurden laut Presseportal im laufenden Betrieb modernisiert, das Haus liegt in der Drei-Sterne-Kategorie in der Eilgutstraße 8. Für den MICE-Bereich (Meetings, Incentives, Conventions, Events, also das Tagungs- und Veranstaltungsgeschäft) stehen laut HOGAPAGE.ch vier klimatisierte Konferenzräume mit rund 133 Quadratmetern Gesamtfläche und Platz für bis zu 90 Personen bereit. Schallisolierte Fenster sollen die zentrale Lage entschärfen.
Die übrigen Häuser bringen eigene Merkmale mit. Laut Presseportal setzt Magdeburg auf eine Gartenterrasse, Erfurt auf ein Tagungsangebot mit bis zu 381 Quadratmetern Fläche. Yoram Biton, Managing Director von Leonardo Hotels Central Europe, ordnet den Schritt so ein: „Nürnberg ist für uns eine wichtige Destination, und mit nun drei Leonardo Hotels können wir unseren Gästen hier ein vielfältiges Angebot bieten.“
Wer hier was verkauft hat
Hinter dem Rebranding steht kein Betreiberwechsel, sondern ein Immobilienverkauf plus Betriebsübernahme. Wie Thomas Daily berichtet, trennte sich die DWS Alternatives von den vier Bahnhofsimmobilien. Betrieben wurden sie unter der Intercity-Flagge von Steigenberger, das seit 2020 zur chinesischen Huazhu Group gehört. Laut Wikipedia lag der Übernahmepreis für die Deutsche Hospitality damals bei rund 700 Millionen Euro.
Für Steigenberger endet mit dem Verkauf eine lange Betriebsgeschichte. Dr. Stephan Hungeling, Geschäftsführer der Steigenberger Hotels GmbH, sagte laut deal-magazin.com: „Da die DWS Alternatives GmbH die Immobilien verkauft hat und die neue Eigentümerin den Betrieb der Hotels unter eigener Marke übernimmt, verabschieden wir die Hotels nach über 30 Jahren aus unserem Portfolio.“ Leonardo übernimmt Immobilie und Betrieb zugleich, wie THP News (tophotel.news) einordnet. Die Häuser waren zuvor an Steigenberger verpachtet.
Ausgerechnet Nürnberg, wo die Marke entstand
Das erste Leonardo Hotel überhaupt stand laut Wikipedia in Nürnberg. Der Nürnberger Architekt und Unternehmer Detlev Schneider übernahm es in Eigenregie und benannte es nach seinem Sohn Leonardo. 2006 verkaufte er das Haus an den Unternehmer David Fattal, den Ausgangspunkt der heutigen Konzernstruktur.
Die Serienumwandlung beginnt nun am Gründungsort der Marke. Am selben Standort, an dem Leonardo vor knapp zwei Jahrzehnten startete, betreibt die Gruppe jetzt drei Häuser.
Der Konzern dahinter
Leonardo Hotels Central Europe mit Sitz in Berlin verantwortet laut HOGAPAGE.ch derzeit 126 Hotels mit mehr als 21.800 Zimmern an 55 Destinationen in elf Ländern, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz. Mit der Vierfach-Übernahme wächst das Deutschland-Portfolio laut tma-online auf 73 Hotels. Die Muttergesellschaft, die 1998 von David Fattal gegründete Fattal Hotel Group, verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 315 Hotels mit über 56.000 Zimmern in 21 Ländern und ist an der Tel Aviv Stock Exchange gelistet.
Die Übernahme fügt sich in eine Serie. Laut HOGAPAGE.de gründete Fattal im Januar 2024 die Fattal Partnership III mit einem Investitionsvolumen von 419 Millionen Euro und erwarb darüber innerhalb eines Jahres 23 Hotels zu einem Gesamtwert von rund 604 Millionen Euro. Seit 2022 verschiebt die Gruppe ihren Fokus vom klassischen Businessgeschäft in Richtung Freizeitreisende. Jan Heringa, Vice President Development bei Leonardo Hotels, formulierte das Ziel laut deal-magazin.com so: „Mit ihrem frischen Design, zeitgemäßer Ausstattung und unserem charakteristischen Servicegedanken schaffen wir attraktive Angebote für Geschäfts- wie Freizeitreisende.“
Was das für die Branche heißt
Für den DACH-Markt zeigt der Vorgang, wie schnell etablierte Bahnhofsstandorte die Marke wechseln, wenn Eigentümer und Betreiber getrennt agieren. Wer als Hotelier in Nürnberg, Freiburg, Magdeburg oder Erfurt operiert, bekommt es ab sofort mit einem Wettbewerber zu tun, der Immobilie und Betrieb kontrolliert und dadurch beim Preis flexibler agiert als ein reiner Pächter. Die zentrale Bahnhofslage trifft direkt das Kernsegment vieler Stadthotels: den preisbewussten Geschäftsreisenden mit Tagungsbedarf.
Im Tagesgeschäft heißt das: Wer im Umkreis der vier Standorte ADR (durchschnittliche Zimmerrate) und Belegung steuert, sollte die Neupositionierung im Auge behalten. Modernisierte Zimmer und ausgebaute Tagungsflächen bis 381 Quadratmeter in Erfurt verschieben den Vergleichsmaßstab im lokalen MICE-Geschäft. Kleineren Häusern ohne eigene Konferenzkapazität kann das Nachfrage abziehen, Betrieben mit ausgeprägtem Tagungsprofil erhöht es den Druck auf Ausstattung und Preis.
Der zweite Punkt betrifft die Markenlandschaft an deutschen Bahnhöfen. Mit dem Verschwinden von vier Intercityhotels schrumpft eine Marke, die über Jahrzehnte zur Bahnhofshotellerie gehörte. Für Eigentümer vergleichbarer Bestandsimmobilien signalisiert der Deal, dass Owner-Operator wie Fattal ganze Portfolios samt Betrieb übernehmen, ein Abnehmerprofil, das bei anstehenden Verkäufen von Bahnhofsobjekten künftig mitzudenken ist.
Quellen
- tophotel.de – Leonardo eröffnet drittes Haus in Nürnberg
- Presseportal – Medieninformation Leonardo Nürnberg City Center
- HOGAPAGE.ch – Leonardo Hotels erweitert Präsenz in Nürnberg
- Hospitality Net / HVS Europe – Leonardo Hotels acquires four IntercityHotels
- AHGZ – Leonardo übernimmt vier Intercityhotels
- Hotel vor9 – Leonardo und die vier Bahnhofshotels
- Hotels.com – Leonardo Nürnberg City Center, Eilgutstraße 8
- Thomas Daily – DWS Alternatives verkauft vier Intercityhotel-Immobilien
- HOGAPAGE.de – Steigenberger verabschiedet vier Hotels; Fattal Partnership III
- THP News / tophotel.news – Leonardo acquires four German bahnhof hotels
- deal-magazin.com – Zitate Jan Heringa und Dr. Stephan Hungeling
- tma-online – Leonardo erweitert Deutschland-Portfolio auf 73 Hotels
- Wikipedia – Leonardo Hotels und H World International / Deutsche Hospitality


