Motorworld baut 159-Zimmer-Hotel mit Car-Suiten an den Hockenheimring
159 Zimmer, Car-Suiten mit eigenem Autoaufzug, Eröffnung vor 2030: Die Motorworld Group entwickelt am Hockenheimring einen Hotelneubau – eingebettet in eine Standortsanierung mit bis zu 250 Mio. Euro Gesamtinvestition.

159 Zimmer, darunter Car-Suiten mit eigenem Autoaufzug, über den Gäste ihren Sportwagen direkt neben das Bett stellen: Mit diesen Eckdaten plant die Motorworld Group ein Vier-Sterne-Hotel am Hockenheimring. Laut Mitteilung vom 9. Oktober 2026 wird der Standort auf über 28.500 Quadratmetern Nutzfläche zur „Motorworld Hockenheimring“ umgebaut. Der Gesamtkomplex soll vor 2030 eröffnen.
Was am Hockenheimring konkret entsteht
Der Standort wird in mehreren Stufen entwickelt. Den Anfang macht die Gastronomie: Das „Motorworld Inn Restaurant“ eröffnet laut Betreiber am 21. November 2026 mit rund 200 Sitzplätzen und automobil geprägtem Design. Es entsteht im bestehenden Gebäude des Hotels Motodrom an der Start-Ziel-Geraden, dessen Restaurantbereich im Mai 2026 in den Umbau ging.
Das Bestandshotel bleibt erhalten und wird modernisiert. Künftig firmiert es als „Motorworld Inn Hotel“, die Arbeiten sollen laut walter-magazin.de im zweiten Quartal 2027 abgeschlossen sein. Zur bisherigen Zimmerzahl des Motodrom kursieren je nach Quelle Angaben zwischen 45 und 56.
Der Sprung liegt im Neubau. Das Vier-Sterne-Hotel mit 159 Zimmern soll neben Standard- und Themenzimmern die Car-Suiten enthalten. Über einen eigenen Autoaufzug lässt sich laut walter-magazin.de ein Sportwagen oder Motorrad auf die Hoteletage nehmen und direkt neben dem Zimmer abstellen. Andere Zimmer erhalten Balkone mit Blick auf die Rennstrecke. Dazu kommen ein Spa- und Fitnessbereich, ein Restaurant mit mehr als 200 Plätzen und eine Coffee Bar.
Rund 8.000 Quadratmeter des Gesamtkomplexes entfallen laut Immobilien Zeitung auf Handels-, Showroom- und Werkstattflächen. Der Baubeginn des Gesamtstandorts wird für das erste Halbjahr 2027 erwartet.
Der Deal hinter dem Deal
Das Hotelprojekt ist Teil einer breiter angelegten Standortentwicklung. Ausgelöst wurde sie 2024: Am 24. April stimmte der Gemeinderat Hockenheim dem Einstieg der emodrom group holding und weiterer Partner in den Gesellschafterkreis der Hockenheim-Ring GmbH zu. Die neuen Investoren halten seither laut SPEEDWEEK.com 74,99 Prozent der Anteile. Der Kaufpreis lag laut tageskarte.io bei rund 5,5 Millionen Euro.
Hinter dem Einstieg stehen fünf mittelständische Unternehmen, darunter neben der Motorworld Group die Paravan GmbH gemeinsam mit Arnold NextG, die Wirth Gruppe sowie die bereits beteiligten Partner Timbra Group und Assenheimer Gruppe (dmv-motorsport.de). Dass überhaupt neue Eigentümer gesucht wurden, hat finanzielle Gründe: Der Umbau der Strecke kostete einst über 60 Millionen Euro, laut motorjournalist.de lastet darauf noch eine Restschuld von etwa 20 Millionen Euro. Das letzte Formel-1-Rennen fand 2019 statt.
Die Hotellerie ist hier Baustein einer Standortsanierung, nicht Selbstzweck. Die kolportierten Investitionen von bis zu 250 Millionen Euro beziehen sich laut heidelberg24.de auf den Gesamtstandort, nicht allein auf die Motorworld-Flächen.
„Mit der Motorworld Hockenheimring realisieren wir eines der bedeutendsten Projekte in der Geschichte unserer Unternehmensgruppe“, sagt Andreas Dünkel, Gründer und Vorsitzender der Motorworld Group.
Jochen Nerpel, Geschäftsführer der Hockenheim-Ring GmbH, ordnet den Schritt ein: „Die Partnerschaft verbindet die Kompetenzen und Netzwerke zweier etablierter Marken und generiert ein zukunftsweisendes Angebot, das weitere Zielgruppen erschließen wird.“
Motorworld als System: warum Hockenheim kein Einzelfall ist
Die Motorworld Group betreibt nach eigenen Angaben elf Standorte in fünf europäischen Ländern und richtet gruppenweit rund 5.000 Events pro Jahr aus (robertcspies.de). Das Unternehmen ist damit weniger Hotelbetreiber als ein Ökosystem aus Handel, Werkstätten, Showrooms, Gastronomie und Übernachtung. Das Hotel ist darin ein Modul von mehreren.
Als Blaupause dient das AMERON München Motorworld mit 156 Zimmern, darunter Junior Suiten und Car-&-Bike-Studios. Hockenheim überträgt dieses Modell auf eine Destination mit eigener Frequenz: Am Ring finden laut nikos-weinwelten.de jährlich über 600 Veranstaltungen mit rund 700.000 Gästen statt. Darin liegt der betriebswirtschaftliche Hebel. Die Nachfrage, die ein freistehendes Freizeithotel teuer über Marketing und OTA-Kanäle (Online-Buchungsplattformen wie Booking.com) einkaufen muss, liefert der Standort selbst.
Was das für Betreiber im Freizeitsegment heißt
Für Hoteliers im erlebnisgebundenen Segment verschiebt der Fall die Rechnung, sobald das Hotel an eine bestehende Besuchermaschine andockt. Ein Betrieb mit 159 Zimmern und 700.000 jährlichen Standortgästen hat eine andere Auslastungsbasis als ein isoliertes Themenhotel. Die zentrale Frage im Tagesgeschäft lautet weniger „Wie fülle ich die Zimmer“, sondern „Wie verwandle ich Tagesgäste in Übernachtungsgäste und hebe den ADR (durchschnittlichen Zimmerpreis) über das Erlebnis“.
Die Car-Suiten sind dafür mehr als eine Spielerei. Sie definieren ein Premiumsegment, das sich nicht über Lage oder klassische Ausstattung rechtfertigt, sondern über eine Nutzung, die anderswo nicht verfügbar ist. Für die Preisgestaltung bedeutet das Spielraum nach oben, solange das Erlebnis exklusiv bleibt.
Gleichzeitig verlagert sich das Risiko. Wer sein Hotelkonzept an einen Eventstandort koppelt, macht die Auslastung vom Veranstaltungskalender abhängig. Rennwochenenden und Konzerte erzeugen Spitzen, die dazwischenliegenden Zeiträume müssen über Business- und MICE-Geschäft (Tagungen und Firmenveranstaltungen) sowie über die Gastronomie als eigenständigen Anziehungspunkt getragen werden. Dass die Motorworld das Restaurant zwei Jahre vor dem Neubau eröffnet, folgt genau dieser Logik: erst die Frequenz etablieren, dann die Betten dazubauen.
Für Eigentümer und Entwickler im DACH-Raum ist die Konstruktion über fünf mittelständische Partner bemerkenswert. Ein defizitärer Freizeitstandort wird nicht über einen einzelnen Großinvestor saniert, sondern über ein Konsortium aus Branchennachbarn, die jeweils eigene Nutzungen einbringen. Ob die bis zu 250 Millionen Euro Gesamtinvestition sich über die Mischnutzung tragen, entscheidet sich daran, wie gut Handel, Gastronomie und Hotellerie die Standortfrequenz monetarisieren.
Quellen
- ahgz – Hotel Motodrom: Motorworld kommt mit Hotel und Gastro an den Hockenheimring
- hockenheimring.de – Motorworld Hockenheimring, Pressemitteilung 09.10.2026
- Immobilien Zeitung – Motorworld plant Zentrum am Hockenheimring
- SPEEDWEEK.com – Hockenheimring: Motorworld und Gesellschaftereinstieg
- heidelberg24.de – Neue Motorworld am Hockenheimring
- nikos-weinwelten.de – Vier-Sterne-Hotel mit 159 Zimmern am Hockenheimring
- walter-magazin.de – Car-Suiten und Motorworld Inn am Hockenheimring
- tageskarte.io – Investoren steigen beim Hockenheimring ein
- dmv-motorsport.de – Die neuen Gesellschafter der Hockenheim-Ring GmbH
- motorjournalist.de – Finanzielle Lage des Hockenheimrings
- robertcspies.de – Interview mit Andreas Dünkel, Motorworld Group
- Schwetzinger Zeitung – Umbaustart am Hotel Motodrom


