Donnerstag, 24. September 2026
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Primestar übernimmt 47 Apartments in Berlin aus Revo-Insolvenz

Primestar übernimmt 47 Apartments in der Goethestraße 87 aus der Revo-Insolvenz und eröffnet dort ab September 2026 das June Stay Berlin.

Housekeeping-Wagen mit Clipboard im Korridor eines Serviced-Apartment-Hauses, Mitarbeiterin von hinten
Symbolbild · KI-generiert

47 Apartments in der Goethestraße 87 in Berlin City West firmieren ab dem 1. September 2026 als June Stay Berlin. Neuer Betreiber ist die Primestar Group, die den Serviced-Apartment-Betrieb aus der Insolvenz von Revo Hospitality übernommen hat. Zuvor lief das Haus als Townhouse Berlin unter dem insolventen Betreiber.

Es ist eines der ersten Objekte aus einer der größten Betreiberpleiten der jüngeren DACH-Hotellerie, das neu verteilt wird. Der Fall zeigt, wie finanzstarke Aparthotel-Betreiber die Sanierung eines Wettbewerbers nutzen, um sich in A-Lagen einzukaufen.

Was Primestar in Berlin übernimmt

Laut Hospitality Net übernimmt Primestar den bestehenden Betrieb in Berlin-Charlottenburg und positioniert das Haus mit 47 Apartments ab September 2026 als June Stay neu. Es handelt sich nicht um einen Immobilienkauf, sondern um einen Betriebsübergang: Der Eigentümer bleibt an Bord, die Zusammenarbeit ist langfristig angelegt. Die Transaktion begleitete die Kanzlei Hogan Lovells um Marc P. Werner (Hospitality Net).

June Stay gehört zu den Eigenmarken, die Primestar 2022 lanciert hat. Der Betreiber trennt dabei zwischen dem boutiqueartigen June Six und dem aparthotelartigen June Stay (CoStar). June Stay Berlin ist laut Tophotel die dritte June-Adresse der Hauptstadt und die zweite June-Eröffnung des Jahres 2026, nachdem im März das June Six Salzburg als Tribute Portfolio Hotel von Marriott startete.

„Die Kombination aus erstklassiger Lage, etabliertem Team und langfristiger Partnerschaft mit dem Eigentümer gibt uns eine starke Grundlage, um in die Immobilie zu investieren und das volle Potenzial von June Stay zu heben“, sagt Managing Director Ronald Giese (HOGAPAGE).

Der Verkäufer: Anatomie der Revo-Pleite

Revo Hospitality, bis 2025 unter dem Namen HR Group firmierend, war ein White-Label-Operator. Revo pachtete und betrieb fremde Immobilien im Besitz von Investoren oder Fonds und führte darauf internationale Franchise-Marken wie Accor oder Wyndham sowie zugekaufte Eigenmarken wie Hyperion, H2 oder Amedia (Hotel Inside).

Das Wachstumstempo wurde zum Problem. Seit 2020 wuchs die Gruppe von 51 auf 250 Hotels in zwölf europäischen Ländern (Hotel vor9), getrieben durch die Übernahmen von Centro Hotels und H-Hotels 2024 und 2025. Zuletzt lag der Jahresumsatz bei 1,3 Milliarden Euro, rund 8.300 Menschen waren beschäftigt (Hospitality Investor). Im Januar und Februar 2026 beantragte Revo laut Tophotel für insgesamt 138 Hotelgesellschaften beim Amtsgericht Charlottenburg Insolvenz in Eigenverwaltung. Betroffen sind rund 125 Hotels in Deutschland und Österreich mit etwa 5.500 Beschäftigten (Hotel Inside).

Als Ursachen nennt das Unternehmen gestiegene Lohn-, Miet-, Energie- und Nahrungsmittelkosten. Vor allem aber habe die schnelle Expansion zu Doppelstrukturen und Integrationsproblemen geführt; die Übernachtungszahlen stiegen nicht wie erwartet, der Umsatzplan für 2025 wurde verfehlt (Serviced Apartment News). Genau diese Sanierung setzt Objekte frei, weil sich das Unternehmen von Betrieben trennt.

„Die Eigenverwaltung ermöglicht eine rasche Stabilisierung und einen geordneten Übergang zu einem Investor, ohne die zahlreichen Hotelbetriebe wesentlich einzuschränken“, so Sanierer Benedikt de Bruyn (Serviced Apartment News). Im Januar hatte er ergänzt, mit Einleitung des Verfahrens dürfte sich das Investoreninteresse noch erhöhen (Hotel vor9).

Warum Primestar zugreift

Der Zeitpunkt passt zur Strategie. Primestar betreibt laut Hospitality Net mehr als 4.300 Zimmer in deutschen und österreichischen A-Städten. Das Franchise-Portfolio umfasst 17 Hotels mit 4.056 Zimmern, das Ziel liegt bei 30 Häusern (CoStar). Neben dem Salzburger June-Six-Deal mit Marriott unterzeichnete der Betreiber im Januar einen Franchisevertrag für das 195-Zimmer-Hilton im Hamburger Elbtower, Eröffnung 2029 (CoStar).

In Berlin verdichtet Primestar sein Netz. Das künftige Flaggschiff June Six & Stay am Warschauer Platz mit rund 350 Einheiten soll bis 2028 entstehen (konii.de). June Stay Berlin ergänzt diesen Cluster. Chairman und Eigentümer Roland Rausch setzt auf das mittlere Preissegment: „Bei der Inflation, wie sie ist, haben wir eine Chance in der Mitte“, sagte er gegenüber CoStar und verwies auf die Möglichkeit eines „Sub-200-Euro-5-Sterne-Hotels“. Für die Binnennachfrage führte Rausch an, dass 82 Prozent der Übernachtungen in Deutschland von Deutschen selbst stammen (CoStar). Ein bestehender Betrieb mit Team und fertiger Lage lässt sich zudem günstiger übernehmen als ein Neubau.

Was das für die Branche heißt

Für Aparthotel-Betreiber verschiebt sich die Frage vom Ob zum Wie schnell. Die Revo-Sanierung ist ein Reservoir an Betrieben in Innenstadtlagen, die ohne Neubauzeit und Baukostenrisiko verfügbar werden. Wer Kapital und eine tragfähige Marke hat, kann jetzt in Lagen einsteigen, die im Neubau kaum noch darstellbar wären. Der Betriebsübergang mit bleibendem Eigentümer zeigt ein Muster: Investoren wollen ihre Immobilie im Betrieb halten, brauchen aber einen zahlungsfähigen Operator. Das macht finanzstarke Betreiber zur ersten Adresse.

Der Markt selbst ist im Umbruch. Laut Apartmentservice-Marktreport (Stand April 2026) zählt Deutschland 59.300 Serviced-Apartment-Einheiten in 1.160 Häusern; Berlin führt bei der Zahl der Häuser, München bei den Einheiten. Die Auslastung blieb 2025 stabil bei 81 Prozent, die ADR (durchschnittlicher Zimmerpreis) fiel von 92 auf 89,50 Euro. Bis 2029 soll das Segment um 38 Prozent wachsen. Zugleich kippt die Stimmung: Nur noch 24 Prozent der befragten Betreiber blicken positiv auf die Entwicklung, vor einem Jahr waren es 59 Prozent.

Savills-Expertin Tina Haller ordnet die Lage als „Phase der Institutionalisierung und Konsolidierung“ ein, „die von einer starken Expansion einzelner Betreiber begleitet wird“. Für die operativen Verantwortlichen bedeutet das mehr Wettbewerb, auch mit der klassischen Hotellerie. Anett Gregorius von Apartmentservice verweist auf eine „höhere Preissensibilität in den Unternehmen“ durch die Wirtschaftslage. Wer im Metropolen-Aparthotel-Geschäft plant, sollte einkalkulieren, dass Player wie Primestar oder Limehome ihre Portfolios in genau den Städten ausbauen, in denen die eigene Nachfrage sitzt, und dass der Preisdruck im Kernsegment eher zunimmt.

Quellen

Thema Eröffnungen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.