Donnerstag, 24. September 2026
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Degenhardt übernimmt Bareiss-Direktion – mit klar begrenzter Autonomie

Clemens Degenhardt, bisher Executive Assistant Manager im Taschenbergpalais Kempinski Dresden, übernimmt ab 20. August 2026 die Direktion des Resorts Bareiss in Baiersbronn.

Housekeeping-Wagen im Hotelflur, Mitarbeiterin von hinten prüft Zimmerliste, Morgenlicht
Symbolbild · KI-generiert

Clemens Degenhardt, 40, übernimmt zum 20. August 2026 die Direktion des Fünf-Sterne-Superior-Resorts Bareiss in Baiersbronn-Mitteltal. Er kommt vom Taschenbergpalais Kempinski in Dresden. Damit endet eine rund siebenmonatige Vakanz an der Spitze des familiengeführten Hauses – und ein Konzernmanager rückt an die Spitze eines Betriebs, der seine Identität aus dem familiären Prinzip zieht.

Sieben Monate ohne Direktor, dann ein Externer

Nach dem Weggang von Tobias Bruckner Ende Januar 2026 ließ die Eigentümerfamilie die Stelle zunächst unbesetzt. Hannes und Britta Bareiss führten das Haus selbst weiter, wie die AHGZ berichtete. Die Neubesetzung solle „mit der gebotenen Umsicht geprüft“ werden, hieß es im Februar laut tophotel.de. Am Ende der Prüfphase stand die Wahl eines externen Kandidaten aus einer internationalen Konzernkette, was für ein familiengeführtes Resort keine Selbstverständlichkeit ist.

Degenhardts Zuständigkeit ist eng gefasst. Laut HOGAPAGE verantwortet er Front of House, Marketing, Sales, Housekeeping und das tägliche operative Geschäft und gehört der Geschäftsleitung an. Die Grenze zieht tageskarte.io: Die Familie behält die aktive Unternehmensführung sowie investive, operative und personelle Entscheidungen. Degenhardt agiert als „rechte Hand“ der Familie, als operativer Umsetzer einer familiär gesteuerten Strategie, nicht als eigenständige Führungsfigur.

Hannes und Britta Bareiss stellen bei der Personalie das Verhältnis über die Fachqualifikation. „Professionalität ist das eine, unverzichtbar. Aber Vertrauen ist noch unverzichtbarer“, zitieren die Restaurant Ranglisten das Ehepaar. Und weiter: „Das Bareiss ist an keiner Stelle nichts für Selbstdarsteller und Profilsüchtige.“ Eine deutliche Botschaft an einen konzernerfahrenen Manager.

Wer Degenhardt ist und warum er wechselt

Degenhardt, gebürtiger Bremer, arbeitet seit 2011 in Führungspositionen. Zu seinen Stationen zählen laut tophotel.de die deutschen Häuser von Starwood Hotels & Resorts, die Jumeirah-Luxushotels in Frankfurt und Rom, die Gekko Group in Frankfurt und Baden-Baden sowie das Pre-Opening des The Diaoyutai Mansion Frankfurt. Zuletzt leitete er als Executive Assistant Manager das operative Geschäft im Taschenbergpalais Kempinski Dresden, wie tageskarte.io berichtet.

Nach 15 Jahren in Konzernstrukturen habe er sich bewusst für den Wechsel in die private Luxushotellerie entschieden, so tophotel.de. Ausschlaggebend sei der Wunsch nach mehr Nähe und direktem Kontakt zu den Gästen gewesen. „Der Luxus im Bareiss ist nicht abweisend, er schafft keine Distanz“, wird Degenhardt zitiert. Der Standort passt: Er lebt mit Frau und zwei Söhnen in Freudenstadt, wenige Kilometer vom Hotel entfernt, wie Hotel vor9 meldet.

Das Bareiss in Zahlen

Das Resort zählt zu den renommiertesten Ferienhäusern im DACH-Raum. Die Zimmerzahl variiert je nach Quelle: Der Michelin Guide führt 100 Zimmer, das Branchenbuch „Die 101 Besten“ nennt in der Ausgabe 2026 rund 120 Zimmer und Suiten, Doppelzimmer ab 726 Euro inklusive Halbpension. Rund 300 Mitarbeiter beschäftigt das Haus laut Varta-Führer. Das Spa umfasst mehr als 6.000 Quadratmeter mit neun Pools, Naturbadeteich und fünf Saunen.

Der operative Kern liegt in der Gästestruktur: Rund 80 Prozent sind Stammgäste, so Wikipedia. Zentral für die Positionierung ist die Kulinarik. Das hauseigene Restaurant Bareiss unter Küchenchef Claus-Peter Lumpp trägt seit 2007 drei Michelin-Sterne. Hinzu kommen drei Michelin Keys, die höchste Hotelauszeichnung des Guides.

Doppelter Führungswechsel in einem Jahr

Der Direktorenposten ist nicht der einzige Umbruch. Bruckner verließ das Haus nach mehr als sieben Jahren, seit 2018 im Betrieb, ab 2022 Hoteldirektor. Der Schritt erfolgte laut tophotel.de aus beruflichen und persönlichen Gründen, war mit einem Branchenwechsel verbunden und langfristig mit der Familie abgestimmt. „Ich gehe, weil für mich der richtige Moment gekommen ist“, schrieb Bruckner auf LinkedIn.

Parallel wechselte die Küchenleitung. Im Juli 2026 übernahm Daniel Sorge, 42, als gesamtverantwortlicher Küchendirektor und trat in die Geschäftsleitung ein. Er folgt auf Oliver Ruthardt, seit mehr als 36 Jahren im Haus, wie HOGAPAGE meldet. An zwei zentralen Stellen, operativer Leitung und Küche, vollzieht das Bareiss damit binnen eines Jahres einen Generationsschnitt. Hermine Bareiss gründete das Haus 1951 als Kurhotel Mitteltal, heute führt es die Familie in dritter Generation.

Was das für die Branche heißt

Die Personalie zeigt, wie familiengeführte Spitzenbetriebe ihre Führungsspitze konstruieren, wenn sie extern besetzen. Das Bareiss holt Konzern-Know-how aus Kempinski- und Jumeirah-Strukturen in Sales, Marketing und Operations, ohne die Entscheidungshoheit abzugeben. Wer in einem inhabergeführten Luxushaus als Direktor antritt, führt operativ, aber nicht strategisch. Für Bewerber aus der Kettenhotellerie ist das eine relevante Unterscheidung: Der Titel signalisiert weniger Autonomie, als er in Konzernhäusern verspricht.

Für DACH-Hoteliers vor ähnlichen Nachfolgen liefert der Fall zwei Anhaltspunkte. Erstens: Eine mehrmonatige Vakanz an der Spitze ist bei einem Haus mit 80 Prozent Stammgästen tragbar, wenn die Familie selbst überbrückt. Die Gästebindung hängt am Prinzip, nicht an einer Einzelperson. Zweitens: Konzern- und Privathotellerie sind für Führungskräfte durchlässiger geworden. Der bewusste Wechsel aus der Kette in ein Familienhaus, den Degenhardt mit dem Wunsch nach Gästenähe begründet, dürfte sich in einem Markt mit angespannter Personallage wiederholen. Die Luxushotellerie profitiert dabei von ihrer relativen Stabilität. Im deutschen Gesamtmarkt gab der Netto-Zimmerpreis 2025 auf 109 Euro nach, der RevPAR, also der Umsatz pro verfügbarem Zimmer, sank auf 74 Euro, wie der IHA-Branchenreport ausweist.

Quellen

Quelle: Originalmeldung

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