Gerhard Bosse leitet Reiters Supreme nach 25 Jahren Kempinski
Gerhard Bosse, 57, wechselt vom Kempinski Das Tirol ins Reiters Supreme in Bad Tatzmannsdorf. 25 Jahre Konzernhotellerie, davon 18 im Ausland – nun erstmals für ein Familienunternehmen.

Gerhard Bosse, 57, übernimmt ab sofort die Leitung des Fünfsterne-Resorts Reiters Supreme in Bad Tatzmannsdorf. Rund 25 Jahre trug er die Marke Kempinski mit, davon 18 im Ausland – von St. Petersburg über Abu Dhabi bis nach China. Die vergangenen acht Jahre arbeitete er in Kitzbühel und kennt den österreichischen Markt aus erster Hand.
Bei der Personalie treffen zwei Modelle aufeinander: ein Manager aus der internationalen Konzernhotellerie und ein inhabergeführtes Familienresort im Südburgenland. Laut tophotel.de soll Bosse die Entwicklung des Hauses begleiten, laut dem Fachmagazin gast.at verantwortet er die strategische und die operative Führung.
Was der Wechsel konkret bedeutet
Bosse übernimmt kein kleines Haus. Das Reiters Supreme ist ein Adults-only-Resort mit rund 180 Zimmern, das laut Michelin Guide auf einem Areal von 125 Hektar liegt. Herzstück ist ein großer Spa-Bereich, hier weichen die Angaben allerdings voneinander ab: Hotelkommunikation und tophotel.de sprechen von mehr als 9.000 Quadratmetern, die Umweltzeichen-Zertifizierung dokumentiert 8.200 Quadratmeter. Dazu kommen ein hoteleigener 27-Loch-Golfplatz und, laut supremehotel.at, rund 360 Beschäftigte in der gesamten Reiters Reserve.
Die Eigentümerstruktur ist klar: Betreibergesellschaft ist die Golfhotel Bad Tatzmannsdorf Gesellschaft m.b.H., an der die Karl Reiter Holding GmbH laut firmenabc.at zu 99 Prozent beteiligt ist. Bosse arbeitet also für ein Familienunternehmen, nicht für eine Kette. Karl Reiter begründet die Besetzung gegenüber gast.at so:
„Mit Gerhard Bosse gewinnen wir einen international erfahrenen Hotelier, der gleichzeitig den österreichischen Markt und die Besonderheiten der Spitzenhotellerie hierzulande sehr gut kennt. Entscheidend ist für uns aber auch, dass er unsere Werte teilt und versteht, wofür Reiters steht.“
Bosse selbst formuliert seine Rolle als Balanceakt zwischen Bewahren und Verändern. „Meine Aufgabe sehe ich darin, diese Identität zu respektieren und gemeinsam mit dem Team weiterzuentwickeln – mit neuen Impulsen, internationaler Erfahrung und einem klaren Blick auf die Zukunft“, sagt er laut gast.at. Sein Führungsansatz zielt aufs Personal: „Exzellente Gästeerlebnisse beginnen mit exzellenten Mitarbeitererlebnissen.“
Von St. Petersburg bis Kitzbühel: die Laufbahn
Bosses Weg lässt sich über die Kempinski-Häuser nachzeichnen. Nach Stationen im Grand Hotel Europe in St. Petersburg und einem Golf-Resort im türkischen Belek war er fünf Jahre Executive Assistant Manager im Emirates Palace in Abu Dhabi. Anschließend übernahm er als Hotel Manager Verantwortung im Hotel Indonesia Kempinski Jakarta, dem ersten Fünfsternehaus des Landes. Es folgten laut hogapage.de fünf Jahre als General Manager des Kempinski Hotel Suzhou in China.
Die Suzhou-Station ist mit Blick auf die neue Aufgabe interessant: Dort verantwortete Bosse die Neupositionierung eines Businesshotels zu einem Haus für Wochenend- und Familienaufenthalte. Repositionierung ist für ihn kein Fremdwort. 2018 wechselte er nach Österreich und wurde, wie die ahgz berichtet, General Manager im Kempinski Hotel Das Tirol in Jochberg bei Kitzbühel, wo er auf Henning Reichel folgte.
Der unternehmerische Hintergrund reicht weiter zurück. Bosse stammt aus Alfeld bei Hannover, wo seine Eltern laut meinbezirk.at ein Feinkostgeschäft mit Kaffeerösterei betrieben. Dazu kommen eine vierjährige Offiziersausbildung und ein MBA an der Neoma Business School in Reims.
Wie aus dem Steigenberger ein Reiters wurde
Die Handschrift, die Bosse übernimmt, ist über zwei Jahrzehnte gewachsen. Das Haus wurde laut reiseinsider.at 1993 als Steigenberger Golf- und Thermalhotel eröffnet und 2004 vom Tiroler Hotelier Karl J. Reiter samt einem zweiten Familienhotel übernommen. Der Steigenberger-Rückzug fiel dem Konzern schwer. „Wir verlassen Bad Tatzmannsdorf nur sehr ungern“, zitiert rollingpin.at den damaligen Vorstandssprecher Karl Anton Schattmaier.
Reiters Einstieg war ursprünglich anders gedacht. „Eigentlich wollte ich ein Hotel in Florida kaufen“, erinnert er sich laut rollingpin.at; geplant waren zunächst rund 15 Millionen Euro Investition. Daraus wurde weit mehr: Zum 20-Jahres-Jubiläum bezifferte die BVZ die Gesamtinvestitionen im Südburgenland auf über 100 Millionen Euro. Allein für den Umbau der Häuser „Finest Family“ und „Supreme“ kündigte Reiter 2020 bis zu 50 Millionen Euro an. Die Gesundheitsschiene sichert das Merkur Lifestyle Spa mit medizinischen und therapeutischen Leistungen und Arzt vor Ort.
Was das für die Branche heißt
Für den Betriebsalltag im DACH-Raum zeigt die Personalie zwei Dinge. Erstens holt sich ein Familienresort gezielt Konzern-Know-how ins Haus, ohne die Marke aufzugeben. Wer als Eigentümer über einen ähnlichen Schritt nachdenkt, sieht hier ein Muster: internationale Erfahrung plus nachgewiesene Kenntnis des heimischen Marktes. Ein GM aus Fernost ohne DACH-Bezug wäre für ein inhabergeführtes Wellnesshaus ein größeres Risiko.
Zweitens setzt Bosse den ersten inhaltlichen Akzent nicht bei Marketing oder Preis, sondern beim Personal. Laut dem Branchenportal hotelinside.ch bleibt der österreichische Arbeitsmarkt angespannt, die WKO spricht von einem strukturellen Arbeitskräftemangel. Gleichzeitig verschlechtert sich die Ertragslage: Der Deloitte/ÖHV-Tourismusindex sank laut smarthotelkey.at auf 3,2, den schlechtesten Wert seit 2021 – bei stabiler Nachfrage, aber steigenden Kosten. Für ein Fünfsternehaus mit hoher Personalintensität wie Reiters ist Mitarbeiterbindung damit eine betriebswirtschaftliche Größe. Der ÖHV-Fitness-Check 2025 bestätigt zwar Umsatzsteigerungen pro Zimmer in der 5-Sterne-Kategorie, betont aber, dass Preissteigerungen die Kostensteigerungen nur teilweise kompensieren.
Quellen
- tophotel.de – Gerhard Bosse ist neuer Hoteldirektor im Reiters Supreme
- gast.at – Personalie Gerhard Bosse / Reiters Supreme
- meinbezirk.at – Porträt Gerhard Bosse (Kitzbühel)
- hogapage.de – Karrierestationen Gerhard Bosse
- ahgz.de – Bosse wird GM im Kempinski Das Tirol Jochberg
- Michelin Guide – Reiters Supreme, Bad Tatzmannsdorf
- RELAX Guide – Reiters Supreme
- supremehotel.at – Philosophie & Areal
- firmenabc.at – Golfhotel Bad Tatzmannsdorf GmbH / Karl Reiter Holding
- umweltzeichen-hotels.at – Zertifizierungsdaten Reiters Supreme
- reiseinsider.at – Vorgeschichte Steigenberger / Übernahme 2004
- rollingpin.at – Karl Reiter über Übernahme und Investition
- BVZ.at – 20 Jahre Reiters / Investitionen im Südburgenland
- merkur-versicherung.it – Merkur Lifestyle Spa im Reiters Supreme
- holidaycheck.at – Reiters Supreme, Spa & Merkur Health
- hotelinside.ch – Marktlage österreichische Hotellerie 2025/2026
- oehv.at – Fitness-Check 2025 / STR-Kennzahlen
- smarthotelkey.at – Deloitte/ÖHV-Tourismusbarometer 2026


