Klaus-Michael Kühne stirbt mit 89 – Zukunft des Fontenay offen
Klaus-Michael Kühne starb in der Nacht auf Montag mit 89 Jahren in Schindellegi. Er hinterlässt das The Fontenay in Hamburg – 131 Zimmer, zwei Michelin-Sterne, kein direkter Erbe.

Klaus-Michael Kühne starb in der Nacht auf Montag mit 89 Jahren in Schindellegi im Kanton Schwyz. Den Tod des Logistik-Milliardärs bestätigte der Konzern Kühne+Nagel, zuerst berichtet hatte das Manager Magazin. Der Hotellerie hinterlässt Kühne das The Fontenay an der Hamburger Alster, ein Fünf-Sterne-Superior-Haus in seinem Alleineigentum: 131 Zimmer und Suiten, 17 Residenzen, gebaut auf persönliche Initiative eines damals 80-Jährigen.
Ein Hotel als persönliches Projekt
Das The Fontenay im Stadtteil Rotherbaum eröffnete am 19. März 2018, die Grundsteinlegung erfolgte im August 2014, laut Baubeteiligtem Holcim gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Olaf Scholz. Kühne eröffnete das Haus selbst. Die Investitionssumme wird unterschiedlich beziffert: tophotel.de nennt 130 Millionen Euro, Holcim spricht von 100 Millionen. Eine Auflösung der Differenz liegt nicht vor.
Die Objektdaten: 180 Mitarbeitende, drei Michelin Keys als Auszeichnung für herausragende Häuser, das hauseigene Restaurant Lakeside mit zwei Michelin-Sternen, Mitgliedschaft bei The Leading Hotels of the World. Der Bau des Architekten Jan Störmer folgt einer organischen Form. Die Atrium-Lounge misst 27 Meter Raumhöhe, der Spa-Bereich auf dem Dach umfasst laut Michelin Guide 1.022 Quadratmeter. Kühnes Detailversessenheit reichte bis zur Auswahl des Geschirrs und der Gestaltung der Bäder. In einem Interview mit dem Manager Magazin antwortete seine Frau auf die Frage, was er sich zeigen lasse: „Alles. Michael, sag’s, wie es ist.“
Vom verfallenen Intercontinental zum Alster-Flaggschiff
Das Fontenay steht am Standort des alten Intercontinental, in dem Kühne bei seinen Hamburg-Aufenthalten regelmäßig abgestiegen war. Gegenüber der WirtschaftsWoche sagte Kühne:
Ich habe bei meinen Aufenthalten in Hamburg im Hotel Intercontinental gewohnt, weil es einfach die schönste Lage hat. Dort, wo nun das Fontenay steht. Ich habe den Verfall des Hauses miterlebt, sowohl in der Substanz als auch wirtschaftlich.
Das Hotel war für ihn kein reines Renditeobjekt, sondern ein Heimatprojekt. Kühne war in Hamburg geboren und aufgewachsen, hatte den Firmensitz aber nach 1969 aus steuerlichen Gründen nach Schindellegi am Zürichsee verlegt. Der Hansestadt blieb er verbunden: über eine Beteiligung an Hapag-Lloyd, Spenden für die Elbphilharmonie und eine gegründete Logistik-Hochschule.
Die Signa-Wunde, beendet im eigenen Hotel
Kühnes Rolle als Immobilieninvestor hatte auch eine teure Seite. Laut NZZ stieg er Ende 2019 bei der Signa Prime des Österreichers René Benko ein und erhöhte seinen Anteil 2022 zweimal. In der Signa Prime lagen einige der prominentesten Immobilien des Benko-Imperiums, darunter das Luxushotel Park Hyatt in Wien und der Hamburger Elbtower. Business Insider zufolge zog sich Kühne rund ein Jahr vor der Signa-Pleite zurück. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bekannte er, sich habe um den Finger wickeln lassen und eine halbe Milliarde Euro verloren.
Ein Detail mit Symbolkraft: Laut Business Insider, gestützt auf das Buch „Inside Signa“, lud Kühne Benko am 1. Dezember 2022 zum Schlussgespräch ausgerechnet in sein eigenes Fontenay. Das Bruch-Statement zitiert news.at: „Es tut mir leid – das Vertrauen ist zerstört, und ich habe Herrn Gernandt gebeten, Ihnen meinen Wunsch nach Rückabwicklung unserer Beteiligung an der Signa Prime Selection AG anzuzeigen.“ Die Immobilien-Enttäuschung endete dort, wo Kühnes Herzensprojekt seinen Standort hat.
Wem gehört das Fontenay jetzt?
Kühne war kinderlos. Das Schweizer Magazin Bilanz schätzte sein Vermögen zuletzt auf rund 35 Milliarden Euro. Zu seinem Beteiligungsportfolio zählen laut t-online die Mehrheit an Kühne+Nagel, 20 Prozent an der Lufthansa, mehr als 20 Prozent am Chemikalienhändler Brenntag sowie Anteile an Flix, dem Pharmahersteller Aenova und dem Prothesenhersteller Ottobock. In Hamburg gehörte das Fontenay dazu. Zum Anteil an Kühne+Nagel kursieren zwei Werte: Wikipedia nennt 53,3 Prozent, andere Angaben verweisen auf 55,75 Prozent über die Kühne Holding AG.
Wer das Fontenay künftig besitzt und ob es im Stiftungsverbund gehalten wird, ist nach aktuellem Stand nicht öffentlich geklärt. Direkte Reaktionen der Hotellerie-Verbände lagen zum Redaktionsschluss nicht vor. Kühne+Nagel-Verwaltungsratspräsident Jörg Wolle würdigte Kühne laut SRF: „Mit dem Tod von Klaus-Michael ist ein Visionär, ein grosser Unternehmer und eine eindrucksvolle Persönlichkeit von uns gegangen.“
Was das für die DACH-Hotellerie heißt
Für den Betrieb eines Luxushauses entscheidet die Eigentümerkonstellation. Beim Fontenay lag sie über Jahre in einer Hand, gestützt durch das Privatvermögen eines Milliardärs mit persönlichem Standortbezug. Ein solches Modell puffert Häuser gegen Ertragsschwankungen ab, die im oberen Luxussegment mit hohen Fixkosten und niedriger Auslastungstoleranz üblich sind. Genau dieser Puffer steht mit dem Tod des Eigentümers zur Disposition.
Für vergleichbare Häuser im deutschsprachigen Raum stellt sich die Nachfolgefrage konkret: Geht ein Trophy-Asset in eine Stiftung über, die es unabhängig vom Renditedruck trägt, oder wird es Teil eines Portfolios, das nach Betreibervertrag und Marge bewertet wird? Für Direktion und F&B-Verantwortliche eines eigentümergeführten Luxushauses ändert ein Eigentümerwechsel oft mehr als eine Konjunkturdelle. Budgetlogik, Investitionsspielräume und die Bereitschaft, ein defizitäres Gourmetrestaurant als Reputationsfaktor zu halten, hängen daran.
Kühnes Hamburger Engagement wirkt über das Fontenay hinaus. Laut Entwicklungsstadt gehört er zum Konsortium um Projektentwickler Dieter Becken, das den ins Stocken geratenen Elbtower übernimmt; das Bundeskartellamt stimmte Anfang 2026 zu. Dort ist laut ingenieur.de das Hilton Hamburg Elbtower mit 195 Zimmern im Fünf-Sterne-Segment geplant, Betreiber Primestar, Eröffnung bis spätestens 2029. Wie sich Kühnes Wegfall auf das Konsortium auswirkt, ist offen. Für den Hamburger Luxusmarkt fehlt künftig ein Akteur, der Kapital, Standortloyalität und Risikobereitschaft in einer Person verband. Solche Konstellationen lassen sich nicht ohne Weiteres nachbesetzen.
Quellen
- tophotel.de – Klaus-Michael Kühne ist tot
- SRF – Logistik-Milliardär Klaus-Michael Kühne gestorben
- t-online – Unternehmer Klaus-Michael Kühne im Alter von 89 Jahren gestorben
- Südtirol News / APA – Milliardär Klaus-Michael Kühne gestorben
- Holcim – Referenzprojekt The Fontenay Hamburg
- Michelin Guide – The Fontenay
- Wikipedia – The Fontenay
- Manager Magazin – Interview mit Klaus-Michael Kühne
- WirtschaftsWoche – Klaus-Michael Kühne über das Fontenay
- NZZ – Kühne und die Signa Prime
- Business Insider – Kühnes Ausstieg bei Benko
- news.at – Kühnes Bruch-Statement an Benko
- Frankfurter Allgemeine Zeitung – Kühne über den halben Milliarden-Verlust
- Entwicklungsstadt – Elbtower-Konsortium und Kartellfreigabe
- ingenieur.de – Hilton Hamburg Elbtower
- taz – Kühne-Stiftung und Hamburger Oper


