Donnerstag, 24. September 2026
DasHotellerie
Köpfe

Lohbeck holt ersten eigenen CFO – Finanz-GF für 100-Mio.-Gruppe

Privathotels Dr. Lohbeck bekommt erstmals einen eigenen Finanzchef auf Geschäftsführungsebene: Axel Kleingarn, 51, verantwortet künftig Finanzsteuerung, Rechnungswesen und Budgets der 31-Häuser-Gruppe.

Backoffice eines Privathotels: Aktenordner, Zahlenausdruck an Pinnwand, Person von hinten, Bürolicht
Symbolbild · KI-generiert

Axel Kleingarn, 51, übernimmt als dritter Geschäftsführer der Privathotels Dr. Lohbeck exklusiv den Bereich Finanzen. Die inhabergeführte Gruppe mit Sitz in Schwelm beschäftigt laut Unternehmensangaben rund 1.100 Menschen und kam zuletzt inklusive ihrer US-Häuser erstmals auf einen Nettoumsatz von über 100 Millionen Euro. Damit bekommt die Finanzfunktion erstmals einen eigenen Kopf auf Geschäftsführungsebene.

Was die Besetzung konkret bedeutet

Neben den bisherigen Geschäftsführern Peter Göhle und Armin Schauer verantwortet Kleingarn künftig Finanzsteuerung, Rechnungswesen sowie Abschlüsse und Budgets. Laut der über presseportal.de verbreiteten Unternehmensmitteilung handelt es sich um ein eigenständiges Finanzressort, nicht um ein Anhängsel eines Operations- oder Vertriebsbereichs.

Sein Profil passt zu diesem Zuschnitt. Kleingarn ist gelernter Hotelfachmann, ausgebildet im Brenners Park-Hotel & Spa in Baden-Baden, studierte danach Tourismus-Betriebswirtschaft und ließ sich zum Bilanzbuchhalter fortbilden. Führungspositionen im Finance-Bereich hatte er nach eigenen Angaben bei den internationalen Ketten Hyatt und IHG inne. Diese Mischung aus operativer Hotelherkunft und Konzern-Finanzerfahrung heben Göhle und Schauer im Statement hervor.

„Er kennt den Finanzbereich aus unterschiedlichen Perspektiven – von der Buchhaltung bis hin zur strategischen Finanzplanung“, so Armin Schauer laut der Mitteilung.

Peter Göhle nennt „unternehmerisches Denken und den Blick für effiziente Prozesse“ als Grund für die Berufung. Übersetzt heißt das: Kostensteuerung über ein wachsendes Portfolio hinweg, nicht bloß saubere Bücher.

Ein Detail, das die Meldung nicht erwähnt

Die Personalie hat eine Vorgeschichte, die in der aktuellen Mitteilung fehlt. Bereits 2023 baute Lohbeck die Geschäftsführung zur Dreierspitze aus. Zum 1. August 2023 trat laut hotelier.de Maria Daniela Schulze, damals 54, als dritte Geschäftsführerin neben Göhle und Schauer an, allerdings mit einem operativen Hotelmanagement-Profil, nicht mit Finanzfokus.

Jetzt bekommt der dritte Stuhl einen klaren Finanz-Zuschnitt. Der Verbleib von Schulze lässt sich aus den öffentlich zugänglichen Quellen nicht klären; aktuelle Impressen der SSK Hotelbetriebsgesellschaft nennen nur noch Göhle und Schauer als Geschäftsführer. Belegen lässt sich die Verschiebung des dritten Postens von Operations zu Finance. Die Gruppe priorisiert damit die Finanzfunktion höher als ein eigenes Operations-Ressort.

Warum eine eigenständige Finanzfunktion jetzt gebraucht wird

Der Grund liegt im Wachstumstempo. Die 1978 vom Ehepaar Heidrun und Dr. Rolf Lohbeck gegründete Gruppe vergrößerte sich in den vergangenen Jahren vor allem über Zukäufe. Laut Tageskarte kam 2021 das Naturhotel Freund in Oberorke hinzu, womit die Gruppe auf 25 Hotels wuchs. Es folgten das Naturparkhotel Adler in Wolfach (2022), das Seehotel Fleesensee in Mecklenburg-Vorpommern (2023, zuvor ein TUI-Blue-Haus, wie die Immobilien Zeitung berichtet) und das Hotel Sonne in Baiersbronn zum 1. August 2024.

Mit dem Kauf in Baiersbronn stieg die Zahl der Standorte laut superior-hotel.net auf 31, davon 24 in Deutschland und Österreich sowie sieben in den USA. Drei Länder, zwei Währungsräume und US-Rechnungslegung bedeuten Abschlüsse, die über Ländergrenzen konsolidiert werden müssen. Parallel legte der Umsatz zu: Für 2023 rechnete die Gruppe laut Hogapage mit rund 85 Millionen Euro netto, mit den US-Häusern erstmals über 100 Millionen Euro. Aufsichtsrätin Christiane Lohbeck-Henkel wird bei tophotel.de mit dieser Marke zitiert.

Ein Vorbehalt zur Datenlage gehört dazu: Die Größenangaben schwanken je nach Quelle und Zeitpunkt zwischen 25 und 31 Hotels. Die Wirtschaftsdatenbank Die Deutsche Wirtschaft führt für die Gruppe zudem eine Schätzung von 20 Millionen Euro Umsatz und 550 Beschäftigten (Stand 04/2026), die unter den Unternehmensangaben liegt. Welche Zahl die Realität am besten trifft, ist von außen nicht zu klären.

Einordnung: Was das über den Professionalisierungsdruck verrät

Der eigentliche Punkt ist nicht der Name Kleingarn, sondern dass eine klassisch familiengeführte Gruppe die Finanzfunktion auf Geschäftsführungsebene verselbstständigt. In vielen Privathotellerie-Betrieben lief die Finanzsteuerung lange über die Inhaberfamilie, den Steuerberater und eine Buchhaltung, funktional, solange das Portfolio überschaubar blieb.

Genau diese Konstellation gerät unter Druck. Die Kostenbasis ist gestiegen: Laut DEHOGA-Zahlenspiegel lagen die Arbeitskosten im Gastgewerbe im vierten Quartal 2025 um 39,6 Prozent über dem Niveau von Ende 2019. Auch die Finanzierung wird zum Thema: In der Konjunkturumfrage der DEHOGA Niedersachsen bewertet jeder vierte Unternehmer (24 Prozent) die Finanzierungsproblematik als Risiko. Wer über Zukäufe wächst, braucht belastbare Zahlen für Banken, saubere Abschlüsse über mehrere Rechtsräume und ein Kostencontrolling, das mit der Zahl der Häuser Schritt hält.

Im Tagesgeschäft eines DACH-Betriebs heißt das: Wenn selbst eine familiengeprägte Gruppe einen dezidierten Finanzchef mit Ketten-Erfahrung holt, verschiebt sich der Maßstab für Professionalität im gehobenen Privatsegment. Für einzelne Häuser bedeutet das nicht zwingend einen eigenen CFO, wohl aber die Frage, ob Reporting, Budgetierung und Liquiditätsplanung noch zum eigenen Wachstum passen. Der Strukturwandel stützt diese Logik: Laut dwif-Betriebsvergleich sank die Zahl der Gastgewerbebetriebe in Bayern von 39.835 (2017) auf 36.272 (2023), während der Durchschnittsumsatz je Betrieb von rund 466.000 auf 644.000 Euro stieg. Wer bleibt, wird größer, und Größe verlangt nach anderer Steuerung.

Die Besetzung bei Lohbeck zeigt damit, an welcher Stelle inhabergeführte Gruppen aufrüsten, wenn aus einer Sammlung von Häusern ein Unternehmen mit dreistelligem Millionenumsatz wird.

Quellen

Thema Köpfe

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.