Markus Harder wird CFO bei a&o – Tech statt Hotellerie
a&o Hostels beruft Markus Harder zum CFO. Der frühere DeepL-Finanzchef bringt Wachstumsfinanzierung und KI-Erfahrung mit – keine Hotellerie.

Markus Harder, bis zuletzt Finanzvorstand beim Kölner KI-Unternehmen DeepL, wird mit sofortiger Wirkung Chief Financial Officer bei a&o Hostels. Er verantwortet Finanzen, Recht, Risikomanagement und Beschaffung sowie eine Digitalstrategie mit Schwerpunkt künstliche Intelligenz und Cloud Computing. Die Berufung fällt in eine Phase, in der Europas größte Hostelkette eine Refinanzierung über 874 Millionen Euro abgeschlossen hat und bis 2030 rund 500 Millionen Euro in Wachstum steckt.
Ein CFO aus der Tech-Welt, nicht aus der Hotellerie
Harder war laut Property Week vier Jahre CFO und Vorstandsmitglied bei DeepL. Dort begleitete er nach Angaben von Hospitality & Catering News ein Zehnfach-Wachstum und führte zwei Finanzierungsrunden, die das Unternehmen mit über einer Milliarde Euro bewerteten. Davor hatte er leitende Finanzpositionen bei Contentful und SoundCloud inne, wie Hotel Owner berichtet. Contentful wurde später von Salesforce übernommen. Seine Laufbahn begann Harder im Real-Estate-Investmentbanking bei Morgan Stanley.
a&o besetzt die Finanzchef-Rolle damit nicht mit einem Hotelier, sondern mit jemandem, der Wachstumsfinanzierung für schnell skalierende Technologieunternehmen aufgesetzt hat. Die Investmentbanking-Erfahrung liefert die Brücke zum kapital- und immobilienlastigen Hostelgeschäft. Laut Presseportal übernimmt Harder Finanzen, Recht, Organisation, Geschäftssysteme und -prozesse sowie Risikomanagement und Beschaffung.
CEO und Gründer Oliver Winter ordnet die Berufung entlang des Kapitalthemas ein. „Markus‘ umfassende Erfahrung in den Bereichen Strategie- und Finanzplanung, Finanzanalyse sowie Fremd- und Eigenkapitalbeschaffung wird von höchstem Wert sein, um die Plattform weiter auszubauen und zu optimieren“, sagt Winter laut HOGAPAGE. Harder selbst verweist auf das Interesse institutioneller Investoren: „a&o ist ganz klar Marktführer in einer Kategorie, deren Potenzial institutionelle Investoren allmählich erkennen.“
Warum a&o gerade jetzt Kapitalkompetenz braucht
Im April 2026 schloss a&o laut STAY WYSE eine Refinanzierung über 874 Millionen Euro ab, bereitgestellt von Fonds unter Verwaltung von Apollo. Es ist eine der größten Fazilitäten, die der europäische Hostelsektor bislang gesehen hat. Sie ist zum Zeitpunkt der Refinanzierung im April 2026 gegen das Portfolio von 44 Objekten und rund 30.000 Betten in 29 Städten und zehn Ländern abgesichert und soll die nächsten 500 Millionen Euro der Wachstumsstrategie finanzieren.
Wie schnell a&o zukauft, zeigt eine Zahl von Travel and Tour World: In den vergangenen 24 Monaten gewann das Unternehmen rund 11.500 Betten hinzu, bestehende Häuser wie auch Objekte in Bau oder Sanierung. Mehrere Großprojekte laufen an. In Berlin entsteht laut Hospitality Net für 40 Millionen Euro ein Flagship mit 2.500 Betten nahe dem Checkpoint Charlie. In Heidelberg plant a&o nach Angaben von Hotelier.de einen fünfstöckigen Neubau mit 118 Zimmern und 320 Betten, Eröffnung Ende 2026. In Manchester investiert die Kette laut CoStar 8,2 Millionen Pfund in die Umwandlung zweier ehemaliger Accor-Häuser mit dann 1.218 Betten.
Ein CFO steuert hier weniger Buchhaltung als Kapital und Portfolio. Das erklärt, warum a&o einen Wachstumsfinanzierer geholt hat und keinen Betriebswirt mit Hotelroutine.
Vom TPG-Deal zum Eigentümerwechsel
Ab Januar 2017 war TPG Real Estate Mehrheitsgesellschafter. Der US-Investor kaufte a&o laut STAY WYSE für 250 Millionen Euro; damals betrieb die Kette 20.000 Betten in 31 Häusern, überwiegend in Deutschland und Nordeuropa. Ende 2023 verkaufte TPG an die StepStone Group und Proprium Capital Partners. Der Preis lag laut Property Magazine bei 800 Millionen Euro, was nach Berechnung von ITHIC einem EBITDA-Multiple von 10,71 entspricht, also dem 10,71-Fachen des operativen Gewinns.
Der Wertsprung von 250 auf 800 Millionen Euro in sechs Jahren erklärt die Erwartungshaltung der neuen Eigentümer. Sie stellten laut Hotelier.de bis 2030 rund 500 Millionen Euro für Bau-, Umbau- und Modernisierungsmaßnahmen bereit. Im Januar 2026 folgte mit der Übernahme von Schulz Hotels die erste Unternehmensakquisition. Laut THP News bringt der Deal das 1.000-Betten-Haus Schulz Berlin am Ostbahnhof plus ein Pipeline-Projekt ein. Die Schulz-Gründer Nizar Rokbani, Oskar Kan und Sacha Gechter, die zuvor die Hybrid-Marke Meininger aufgebaut hatten, wechseln in Beirat und Management von a&o.
2024 verzeichnete a&o laut Wikipedia rund 6,2 Millionen Übernachtungen bei 232 Millionen Euro Umsatz. 2025 stieg die Zahl auf 6,6 Millionen Übernachtungen und 2,8 Millionen Gäste, bei einer Auslastung von 76 Prozent, wie Hospitality Net berichtet. Die Bettenangaben schwanken je nach Stichtag zwischen rund 30.000 und 31.600, ein Effekt der laufenden Zukäufe.
Was das für den DACH-Budgetmarkt heißt
Für Betriebe im deutschsprachigen Raum verschiebt sich der Wettbewerb im unteren Preissegment. a&o wächst nicht organisch aus dem Cashflow, sondern über institutionelles Kapital von Apollo, StepStone und Proprium. Das erlaubt ein Expansionstempo und einen Preisspielraum, den einzelne Häuser und kleine Gruppen kaum mitgehen. Wer in einer Stadt mit a&o-Standort ein Budget- oder Familienangebot betreibt, konkurriert künftig mit einem Anbieter, der Betten im Tausenderpaket zukauft und sein Vertriebssystem auf KI und Cloud umstellt.
Der Tech-Fokus des neuen CFO ist dabei mehr als ein Signal an Investoren. Automatisiert a&o Buchungsstrecke, Preisfindung und Gästekommunikation stärker, senkt das die Vertriebskosten pro Bett. Diesen Hebel haben kleinere Häuser mit OTA-Abhängigkeit (Online-Reisebüros wie Booking.com) so nicht. Für Revenue-Verantwortliche in vergleichbaren Segmenten heißt das: Der Preisdruck in Städten mit a&o-Präsenz dürfte steigen, während sich a&o über eigene Direktkanäle unabhängiger von den Provisionen der Portale macht. Wer im selben Markt spielt, sollte die eigene Direktbuchungsquote und die Kostenstruktur pro verkaufter Übernachtung genauer prüfen als bisher.
Quellen
- ahgz – Finanz- und Technik-Experte: Markus Harder ab sofort CFO von a&o Hostels
- HOGAPAGE – Neuer CFO für a&o Hostels
- Hospitality & Catering News – a&o appoints Markus Harder as CFO
- Hotel Owner – A&O Hostels appoints Markus Harder as CFO
- Presseportal – a&o führt Hospitality-Wandel an
- Property Week – A&O Hostels names new CFO
- STAY WYSE – a&o completes EUR 874 million refinancing with Apollo
- Travel and Tour World – a&o Hostels expansion and bed acquisitions
- Hospitality Net – a&o Berlin flagship and 2025 performance
- Hotelier.de – a&o Heidelberg-Neubau und 500-Millionen-Investition
- CoStar – a&o Manchester acquisition
- HOTELSMag – a&o expands UK portfolio in Manchester
- Wikipedia – A&O Hotels and Hostels
- Property Magazine – TPG verkauft a&o an StepStone und Proprium
- ITHIC – a&o transaction EBITDA multiple
- THP News – a&o acquires Schulz Hotels
Quelle: Originalmeldung


