Tamara Staudinger übernimmt Parkhotel Erding nach vier Jahren Vorbereitung
Tamara Staudinger (34) übernimmt das Best Western Plus Parkhotel Erding von ihrem Vater Friedrich – nach vier Jahren paralleler Führungsarbeit. Ein Modell für die Nachfolgewelle, die der DACH-Hotellerie bevorsteht.

Tamara Staudinger (34) übernimmt die Geschäftsführung des Best Western Plus Parkhotel Erding von ihrem Vater Friedrich. Das Vier-Sterne-Haus mit 66 Zimmern nordöstlich von München wechselt nach 32 Jahren die Führung. Bemerkenswert ist der Ablauf: Die Übergabe lief über vier Jahre als gesteuerter Prozess.
Laut einer Pressemeldung von BWH Hotels Central Europe, die HOGAPAGE, AHGZ und Tophotel gespiegelt haben, hat Staudinger die Leitung ab sofort übernommen. Ihr Vater führte das Haus seit der Gründung 1994 und bleibt beratend verbunden.
Ein Wechsel, der über vier Jahre lief
Der Betrieb steht seit 1995 ununterbrochen im Verbund der BWH Hotels Central Europe, seit 2022 arbeitet die Tochter im Unternehmen. Tamara Staudinger absolvierte laut BWH-Meldung eine Ausbildung zur Hotelfachfrau, ein Auslandsjahr sowie Stationen in Österreich und München, bevor sie nach Erding zurückkehrte. Sie ist Hotel- und Restaurantmanagerin und hat einen MBA in Hotellerie.
Nach Angaben der Hotel-Website umfasst das Haus 66 Zimmer, eine Suite, ein Apartment und drei Tagungsräume für bis zu 100 Personen. Standort ist der Bahnhof von Erding.
In der Vorbereitungsphase hat Staudinger bereits gearbeitet, statt auf die formale Übergabe zu warten. Laut BWH-Meldung reorganisierte sie Team- und Führungsstrukturen, führte eine einheitliche Du-Kultur ein, schärfte das Leitbild unter dem Motto „Freundlichstes Hotel der Stadt“ und ließ die Hotelhalle neu gestalten. Ihr Vater blieb in dieser Zeit an der Spitze, die Impulse liefen parallel zur bestehenden Führung.
„Die Grundphilosophie des Hauses war bereits vorhanden. Meine Aufgabe war und ist es nicht, etwas Neues zu erfinden, sondern das Bestehende zu erkennen, schärfer zu formulieren, sichtbarer zu machen und konsequenter zu kommunizieren – zuerst intern, dann nach außen“, sagt Tamara Staudinger laut BWH.
Was den Fall vom Durchschnitt unterscheidet
Familienbindung ist in der DACH-Hotellerie die Regel, kein Sonderfall. Ungewöhnlich am Erdinger Modell sind der frühe, geplante Start und die Reihenfolge: erst intern verändern, dann nach außen, dann die formale Übergabe. „Eine Übergabe kann nur auf Augenhöhe und mit beidseitigem Respekt funktionieren“, beschreibt Staudinger den Kern.
Zur Quellenlage: Die Meldung basiert auf einer BWH-Pressemitteilung, die mehrere Fachmedien übernommen, aber nicht unabhängig verifiziert haben. Ein Zitat des Seniorchefs liegt nicht vor, die Ich-Aussagen stammen durchgehend von der Nachfolgerin. Person, Zeitpunkt und Rollen sind dennoch breit belegt.
Die Nachfolgewelle, die auf die Branche zurollt
Der Einzelfall steht für ein Massenphänomen. Laut KfW Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 streben in Deutschland bis 2029 jährlich rund 109.000 mittelständische Unternehmen eine Nachfolgeregelung an. Gleichzeitig planen jährlich rund 114.000 Betriebe eine Geschäftsaufgabe nach dem Ausscheiden der Seniorgeneration. Über zwei Millionen Unternehmerinnen und Unternehmer sind laut KfW bereits 55 Jahre oder älter.
Im Gastgewerbe ist die Lage angespannter. Nach Angaben von DIHK und IHK übersteigen die Verkaufsangebote die Nachfragen um mehr als das Fünffache. Als Gründe nennen die Kammern den Fach- und Arbeitskräftemangel sowie den Investitions- und Modernisierungsbedarf, den Übernehmende stemmen müssen. Bei Betrieben mit Schließungsplänen sagen laut DIHK 47 Prozent, dass die eigenen Kinder den Betrieb nicht weiterführen wollen.
Die IHK benennt zwei hausgemachte Fehler: Es werde zu spät angefangen, und der Betrieb funktioniere ohne den Inhaber nicht. Wer erst mit 64 über die Zukunft nachdenke, habe den besten Teil der Vorbereitung bereits verschenkt. Dazu kommt der wirtschaftliche Druck: Laut DIHK stiegen die Gastgewerbe-Insolvenzen 2025 zum vierten Mal in Folge, über 2.900 Betriebe waren betroffen.
In Österreich zeigt sich ein ähnliches Bild. Nach Daten der KMU Forschung Austria sollen zwischen 2020 und 2029 rund 8.000 Hotel- und Gastronomiebetriebe übergeben werden. Zwischen 70 und 80 Prozent der österreichischen Hotels sind Familienbetriebe. Die ÖHV empfiehlt, die Nachfolge mehrere Jahre vor dem geplanten Zeitpunkt anzugehen. Genau dieses Muster führt der Erdinger Fall vor.
Was das für den eigenen Betrieb heißt
Für Familienhotels in DACH liefert Erding weniger eine Personalie als eine Methode. Die Nachfolgerin arbeitete vier Jahre im laufenden Betrieb und setzte sichtbare Veränderungen um, bevor die formale Verantwortung wechselte. Wer diesen Vorlauf einplant, verwandelt die Übergabe von einem Risikomoment in einen kontrollierten Übergang. Team, Gäste und Prozesse sind an die neue Führung gewöhnt, bevor der Wechsel offiziell wird.
Im Tagesgeschäft bedeutet das drei Weichenstellungen. Erstens den Start früh setzen, nicht erst mit Mitte 60. Zweitens die Reihenfolge beachten: interne Strukturen, Führungskultur und Leitbild vor der Außenkommunikation. Drittens den Betrieb vom Inhaber entkoppeln, damit er ohne die Gründerperson trägt. Genau daran scheitern laut IHK die meisten Übergaben.
Die Kooperation liefert einen Stabilitätsanker. 30 Jahre durchgehende BWH-Mitgliedschaft bedeuten, dass Markenstandards, Vertrieb und Sichtbarkeit unabhängig von der Person an der Spitze weiterlaufen. Laut BWH stieg die Zahl der Neuzugänge von 13 im Jahr 2024 auf 18 im Jahr 2025, ein Plus von 38 Prozent. Wenn Verkaufsangebote im Gastgewerbe die Nachfrage um das Fünffache übersteigen, kann ein solcher Rahmen den Unterschied zwischen geregelter Übergabe und Schließung ausmachen.
Quellen
- Tophotel – Generationenwechsel im Parkhotel Erding
- HOGAPAGE – Generationenwechsel im Best Western Plus Parkhotel Erding
- AHGZ – Generationenwechsel Parkhotel Erding
- Hotel vor9 – Übergabe im Parkhotel Erding
- KfW – Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025
- DIHK/IHK – Report zur Unternehmensnachfolge im Gastgewerbe
- KMU Forschung Austria – Betriebsübergaben in Hotellerie und Gastronomie
- ÖHV – Empfehlungen zur Hotelnachfolge
- BWH Hotels Central Europe – Pressemeldung Generationenwechsel


