Donnerstag, 24. September 2026
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Accor flaggt Das Stue in Berlin von SO/ auf Sofitel um

Das Berliner Das Stue soll von SO/ zu Sofitel wechseln, meldet die ahgz. Für Eigentümer und Betreiber im DACH-Markt zeigt der Fall: Die Marke ist ein Vertragsgegenstand, kein Naturgesetz.

Rezeptionstresen im Das Stue Berlin, Mitarbeiterin von hinten, SO/-Logo-Schild, Morgenlicht
Symbolbild · KI-generiert

Das Berliner Designhotel Das Stue soll unter die klassische Luxusmarke Sofitel wechseln, das meldet die ahgz am 22. September 2026. Das Haus im ehemaligen Gebäude der Königlich Dänischen Gesandtschaft am Tiergarten firmierte seit 2018 als „SO/ Berlin Das Stue“ und war das erste Haus der Lifestyle-Luxusmarke SO/ in Europa. Das Objekt umfasst rund 80 Zimmer, darunter 20 Suiten.

Was Accor am Stue verändert

Accor ordnet das Haus innerhalb der eigenen Markenarchitektur neu ein: weg von SO/, der verspielten Lifestyle-Interpretation von Luxus, hin zu Sofitel, dem klassischen Luxussegment des Konzerns. Belegt ist der Schritt bislang nur über die ahgz-Überschrift. Eine zweite, unabhängige Bestätigung ließ sich in der Recherche nicht finden. Der Vorgang ist damit eine Ankündigung, keine vollzogene Tatsache.

Die Markenzuordnung war schon vor der Meldung uneinheitlich. Five Star Alliance sprach zuletzt von „the 79-room the SO Sofitel Das Stue“, während Accors eigene Portale all.accor.com und sofitel.accor.com das Haus weiterhin als „SO/ Berlin Das Stue“ listen. Die Unschärfe zeigt Bewegung im Portfolio, ohne den Zeitpunkt zu belegen.

Es geht um einen Marken- und Managementvertrag, nicht um Eigentum. Accor betreibt das Haus, besitzt es aber nicht. Laut Recherche gehört das Objekt der Hotel Drakestrasse GmbH; als Investor wird der Berliner Christian Elleke genannt. Ein Markenwechsel ändert also die Fassade nach außen, nicht die Besitzverhältnisse.

Ein Haus mit mehr Markenidentitäten als Betriebsjahren

Die geschwungene Klinkerfassade entwarf zwischen 1938 und 1940 der Architekt Johann Emil Schaudt, der auch das KaDeWe verantwortete. Laut Forbes Travel Guide und theluxurytravelexpert.com diente das Gebäude ursprünglich als dänische Gesandtschaft. Danach folgten Nutzungsbrüche: Ab Ende 1983 übernahm das Land Berlin das Haus, 1986 richtete die Deutsche Bundespost ein Schulungszentrum ein, von 2005 bis 2009 stand es weitgehend leer.

Auf Initiative dreier Familien aus Spanien, Andorra und Panama renoviert, eröffnete das Objekt 2012 als privates Luxushotel Das Stue. Das Interior stammt von der spanischen Designerin Patricia Urquiola, die die öffentlichen Räume mit Naturholz, gedämpften Tönen und Kupfer prägte. Zum Haus gehört ein 260 Quadratmeter großer Wellnessbereich mit drei Massageräumen, finnischer Sauna und einem 14-Meter-Innenpool.

2018 kam der nächste Bruch. Am 6. März verkündete Duncan O’Rourke, damals Chief Operating Officer Europe Luxury Brands, vor rund 300 geladenen Gästen den Europastart der Marke SO/. Das Stue wurde noch während der Party umgetauft. Signature-Designer wurde das niederländische Duo Viktor&Rolf, das die Uniformen entwarf. Das Restaurant „Cinco by Paco Pérez“ erhielt einen Michelin-Stern. Joao Rocco, VP Luxury Brand Management Sofitel Brands, beschrieb SO/ damals gegenüber hotelnewsresource.com als stilvolle, verspielte Erfahrung mit unkonventioneller, aus französischen Wurzeln stammender Haltung. Sollte der Markenwechsel 2026 zutreffen, verlässt das Haus nach acht Jahren wieder eine Identität.

Accors Berliner Baustellen im oberen Segment

Der Vorgang steht nicht allein. Accor hat in Berlin im Luxus- und Upper-Upscale-Bereich, dem gehobenen Mittelbau darüber, mehrfach Häuser verloren oder umgeflaggt. Das Sofitel Berlin Gendarmenmarkt verließ laut tageskarte.io zum 31. August 2019 das Accor-Netzwerk und ging tags darauf als „Luc Hotel“ an Marriotts Autograph Collection. Das Sofitel Berlin Kurfürstendamm wurde nach dem Insolvenzantrag der Betriebsgesellschaft ab November 2020 als „Dorint Kurfürstendamm Berlin“ fortgeführt, wie loyaltylobby.com berichtete.

Die Wettbewerbsdichte im Westen der Stadt ist hoch. Ein Branchenforum listet für den Raum Ku’damm und Charlottenburg alles von Hampton by Hilton und Motel One über NH, Indigo, Pullman und Steigenberger bis zum Waldorf Astoria auf. In diesem Umfeld steht jedes Premiumhaus unter Druck, sein Profil scharf zu halten. 2018 galt Accor in Deutschland mit rund 360 Hotels als Marktführer.

Was das für die Branche heißt

Für Hoteliers im DACH-Raum ist der Fall weniger Einzelmeldung als Muster: Konversionen, also Markenwechsel bei bestehenden Objekten, gewinnen an Gewicht, weil Neubau teuer und langsam ist. Wer ein Haus im Managementvertrag betreibt, tauscht die Marke, ohne einen Stein zu bewegen. Für Eigentümer heißt das: Die Marke ist ein Vertragsgegenstand mit Laufzeit, kein Naturgesetz.

Der Berliner Markt liefert den Rahmen. Laut IHA-Branchenreport stieg die Zimmerauslastung 2025 bundesweit um 0,9 Prozentpunkte auf 68,1 Prozent, während der Netto-Zimmerpreis um 2,8 Prozent auf 109 Euro nachgab und der RevPAR, der Umsatz je verfügbarem Zimmer, auf 74 Euro sank. Die A-Städte, Berlin eingeschlossen, lagen 2025 laut Christie & Co rund 9 Prozent über dem Bundesschnitt. Alexander Apitzsch von Christie & Co nennt 2025 ein Jahr der Konsolidierung; entscheidend sei, ob sich höhere Zimmerpreise durchsetzen lassen.

Die praktische Lehre für ein Premiumhaus ist konkret. Eine Lifestyle-Marke wie SO/ zieht ein jüngeres, ausgehfreudiges Publikum an, das „sehen und gesehen werden“ sucht. Sofitel adressiert eine erwartungssichere, gehobene Klientel. Wer die Marke wechselt, verschiebt Zielgruppe, Preislogik und F&B-Ausrichtung und muss Vertrieb, OTA-Positionierung (Buchungsplattformen wie Booking oder Expedia) und Gästekommunikation neu justieren. Der Stue-Fall zeigt für die Berliner Premiumhotellerie, dass Markenkonstanz im oberen Segment kein Standard mehr ist, sondern eine Entscheidung, die regelmäßig neu fällt.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.