Donnerstag, 24. September 2026
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Accor legt konzernweit zu – Deutschland fällt zwei Quartale in Folge zurück

Accor wächst konzernweit, Deutschland zieht den Europa-RevPAR nach unten – bereits das zweite Quartal in Folge. Höhere Auslastung kaschiert sinkende Preise, löst das Strukturproblem aber nicht.

Housekeeperin schiebt Reinigungswagen durch Hotelkorridor, Tür einen Spalt offen, Morgenlicht.
Symbolbild · KI-generiert

Accors RevPAR – der Umsatz je verfügbarem Zimmer – legte im ersten Halbjahr 2026 konzernweit um 2,2 Prozent zu, bereinigt um den Nahen Osten um 4,6 Prozent. Deutschland fiel dagegen ins Minus, obwohl der Markt elf Prozent des Zimmerumsatzes der Region Europa/Nordafrika stellt. Es ist das zweite schwache Quartal in Folge in einem Kernmarkt des Konzerns.

Was Accor gemeldet hat – und wo Deutschland aus dem Bild fällt

Der französische Konzern steigerte laut Tageskarte den Umsatz währungsbereinigt um 3,0 Prozent auf 2,76 Milliarden Euro. Das wiederkehrende EBITDA – der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – stieg um 6,5 Prozent auf 563 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr peilt Accor ein wiederkehrendes EBITDA zwischen 1.260 und 1.285 Millionen Euro an. Das Portfolio umfasste Ende Juni 881.928 Zimmer in 5.835 Hotels, im ersten Halbjahr kamen 109 Häuser mit knapp 14.000 Zimmern hinzu.

Die Region Europa/Nordafrika (ENA) erreichte nach Angaben von Tageskarte nur ein RevPAR-Plus von 0,2 Prozent. Deutschland zog diesen Wert nach unten. Accor begründet das schwächere Wachstum hierzulande mit einem ungünstigeren Kalender aus Messen und Veranstaltungen. Auf Konzernebene bremste vor allem der Nahe Osten: Der RevPAR im zweiten Quartal lag laut Reuters, zitiert über MarketScreener, um 0,2 Prozent unter Vorjahr, nachdem die Nachfrage in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingebrochen war. Im April lag die Geschäftstätigkeit in den VAE zeitweise fast 80 Prozent unter Vorjahr, im Juni noch rund 40 Prozent.

Im Statement von Accor, dokumentiert bei Hospitality Net, heißt es, man habe trotz der Störungen im Nahen Osten solides Wachstum geliefert – getragen von der Dynamik in den Kernmärkten, der Markenstärke und strikter Kostendisziplin.

Kein Ausrutscher: Die Deutschland-Schwäche zieht sich

Wer nur die Halbjahresmeldung liest, könnte das Deutschland-Minus für einen Kalendereffekt halten. Die Vorquartale zeigen ein anderes Bild. Schon im ersten Quartal 2026 rutschte der deutsche RevPAR laut MarketScreener ins negative Terrain, bei einem Aktivitätsniveau, das Accor ausdrücklich als stark messe- und eventabhängig beschreibt. Der Konzern-RevPAR stieg im selben Quartal um 5,1 Prozent. Die Schere zwischen Gesamtkonzern und deutschem Markt war also bereits offen.

Auch die Gewichtung verschiebt sich: Im Q1 2026 gab Accor Deutschland noch mit 12 Prozent des Regions-Zimmerumsatzes an, im Halbjahresbericht sind es 11 Prozent. Der Beitrag des deutschen Markts sinkt, während andere ENA-Länder zulegen. Bereits im ersten Halbjahr 2025 lagen die Deutschland-Zahlen laut ahgz unter dem Konzernschnitt. Zwei Quartale Rückgang bilden ein Muster, keine Momentaufnahme.

Der deutsche Markt insgesamt: Auslastung rauf, Preise runter

Accors Deutschland-Schwäche passt in ein größeres Bild. Die durchschnittliche Zimmerauslastung stieg 2025 laut dem IHA-Report Hotelmarkt Deutschland 2026 um 0,9 Prozentpunkte auf 68,1 Prozent. Gleichzeitig gab der Netto-Zimmerpreis um 2,8 Prozent auf 109 Euro nach, der RevPAR sank auf 74 Euro. Bundesweit lag das RevPAR-Minus 2025 laut Gastgewerbe-Magazin bei 0,7 Prozent. Die Häuser füllen sich häufiger, setzen die höhere Belegung aber nicht in Preise um.

Die Deka-Zahlen bestätigen den Trend. Laut Deka Makro Research stieg die Auslastung 2025 auf 65,7 Prozent, während die ADR – der Durchschnittspreis je verkauftem Zimmer – um 3,6 Prozent auf 113 Euro fiel und der RevPAR um 3,1 Prozent auf 74 Euro nachgab. Selbst die A-Städte entkamen dem Muster nicht: Sie lagen laut Tageskarte beim RevPAR rund 9 Prozent über dem Bundesschnitt, verzeichneten aber ein Minus von 2 Prozent gegenüber 2024, weil die Auslastung die sinkenden Preise nicht auffing.

Der IHA spricht von einer strukturellen Margenkrise trotz Rekordübernachtungen. Als Ursachen nennt der Verband die höchste Kostenstruktur Europas, indexierte Mietverträge und bürokratische Belastungen. Die Nachfrage selbst ist nicht das Problem. Alexander Apitzsch, Senior Consultant bei Christie & Co, sagte laut Tageskarte: „Die Zahlen des Jahres 2025 zeigen sehr deutlich, dass die Nachfrage nach Hotelübernachtungen in Deutschland weiterhin stark ist.“ Es klemmt bei der Preisdurchsetzung.

Was das für DACH-Betreiber heißt

Die Einordnung ist unbequem: Wenn ein Konzern mit Accors Markenportfolio, Vertriebsmacht und Revenue-Systemen in Deutschland kein RevPAR-Wachstum durchsetzt, während er europaweit zulegt, liegt das nicht am einzelnen Betrieb. Es ist ein Marktsignal. Wer im Reporting steigende Belegung sieht und daraus wirtschaftliche Entspannung ableitet, misst die falsche Kennzahl. Entscheidend bleibt der RevPAR, und der steht unter Druck, weil die ADR nachgibt.

Für das Tagesgeschäft ergeben sich daraus drei Prüfaufgaben. Die erste betrifft die Abhängigkeit vom Veranstaltungskalender, denn Accor führt das Minus explizit auf schwächere Messewochen zurück. Häuser in Messestädten sollten prüfen, wie stark ihr Budget an einzelnen Events hängt und ob sich Nachfrageflauten zwischen den Peaks besser bespielen lassen. Die zweite betrifft die Preisstrategie. Höhere Auslastung, die mit Rabatten erkauft wird, verschlechtert die Marge; in A-Städten hat dieser Mechanismus 2025 bereits ein RevPAR-Minus produziert. Die dritte betrifft die Kostenseite, die der IHA als eigentlichen Margenkiller benennt. Indexierte Mieten und Personalkosten lassen sich nicht über Volumen kompensieren, sondern nur über Preis oder Struktur.

Für Österreich sieht die Lage anders aus. Statistik Austria meldet für das erste Halbjahr 2026 mit 76,93 Millionen Nächtigungen ein Plus von 1,0 Prozent, Wien allein legte um vier Prozent zu. Die Schweiz kämpft mit dem starken Franken: Im Juni 2026 sanken die Logiernächte laut BFS zum vierten Mal in Folge, bei ausländischen Gästen um 4,6 Prozent. Die deutsche Preisschwäche ist damit kein DACH-weites Phänomen, sondern ein hausgemachtes Struktur- und Kostenproblem. Für heimische Betreiber taugt Accors Halbjahresbilanz als Frühindikator: Volumen kaschiert die Preisschwäche, löst sie aber nicht.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.