Bayern: Mehr Ankünfte, aber Gasthöfe verlieren 5,1 Prozent
Bayern zählt 18,6 Millionen Ankünfte im ersten Halbjahr 2026, aber das Plus verteilt sich ungleich: Gasthöfe minus 5,1 Prozent, Pensionen minus 3,9 Prozent – während Hotels zulegen.

18,6 Millionen Gäste zählten Bayerns Beherbergungsbetriebe im ersten Halbjahr 2026, ein Plus von 2 Prozent. Gasthöfe verloren im selben Zeitraum 5,1 Prozent bei den Übernachtungen, Pensionen 3,9 Prozent. Hotels und Campingplätze legten zu. Das Wachstum verteilt sich nicht auf alle.
Die Zahlen stammen vom Bayerischen Landesamt für Statistik und liefen über eine dpa-Meldung, unter anderem bei ahgz.de. Alle Nachrichtenquellen speisen sich aus derselben Agenturmeldung. Es handelt sich um eine amtliche Statistik, nicht um eine breite Mehrquellenlage.
Die Zahlen im Detail: mehr Gäste, kürzere Aufenthalte
Der Gesamtanstieg täuscht über eine Verschiebung hinweg. Die Ankünfte legten um 2 Prozent zu, die Übernachtungen aber nur um 0,5 Prozent auf 46,3 Millionen. Es kamen mehr Gäste, sie blieben kürzer. So formuliert es auch Onetz in der Wiedergabe der Landesamt-Daten.
Getragen wird das Plus vom Inland. Laut Radio Mainwelle stiegen die inländischen Ankünfte um 2,1 Prozent auf 14,5 Millionen, die Übernachtungen um 0,6 Prozent auf 37,4 Millionen. Der Auslandsmarkt stagniert: 1,6 Prozent mehr Ankünfte (4,1 Millionen), aber nur 0,1 Prozent mehr Übernachtungen (8,9 Millionen).
Die eigentliche Nachricht steckt in der Betriebsart. Hotels, Jugendherbergen, Ferienzentren und Campingplätze wachsen, Gasthöfe und Pensionen verlieren. Regional zeigt sich ein gemischtes Bild: Oberbayern bleibt mit 20,6 Millionen Übernachtungen führend, muss aber laut HOGAPAGE ein Minus von 0,1 Prozent hinnehmen. Oberfranken verliert 2,5 Prozent auf 2,4 Millionen. Mittelfranken legt um 4,1 Prozent auf 4,5 Millionen zu, Unterfranken um 2,2 Prozent auf 3,5 Millionen.
Kein Einbruch, sondern Fortsetzung
Der Rückgang bei Gasthöfen und Pensionen ist kein Phänomen dieses Halbjahrs. Er läuft seit Jahren. Schon in der Jahresbilanz 2025 hielt das Landesamt den anhaltenden Rückgang fest. Damals verloren die Pensionen 4,3 Prozent auf rund 3,3 Millionen Übernachtungen, die Gasthöfe 3,6 Prozent auf rund 5,5 Millionen. Selbst die Hotels lagen mit minus 0,9 Prozent leicht im Minus.
Der Jahresverlauf 2026 bestätigt die Kontinuität. Im Januar brachen die Übernachtungen in Gasthöfen um 7,8 Prozent ein, in Pensionen um 4,7 Prozent. Im April folgte ein Umsatz-Warnsignal: Laut Bayern Business, gestützt auf Landesamt-Daten, sank der Umsatz im bayerischen Gastgewerbe gegenüber dem Vorjahresmonat, besonders stark in der Beherbergung.
Der DEHOGA Bayern ordnet den Trend ein. Landesgeschäftsführer Dr. Thomas Geppert sagte gegenüber nn.de:
„Diese beinahe ausgeglichene Bilanz verschleiert jedoch, dass viele traditionelle und inhabergeführte Betriebe vor dem Aus stehen, während sich insbesondere systemgastronomische Konzepte zunehmend durchsetzen.“
Ohne gezielte Maßnahmen, so Geppert, werde die bayerische Wirtshauskultur zunehmend von standardisierten Kettenbetrieben verdrängt.
Ratendruck bundesweit: der Markt hinter der Spaltung
Bayerns Verschiebung passt in ein größeres Muster. Deutschlandweit steigt die Auslastung, während die Durchschnittsraten fallen. Der Branchenreport „Hotelmarkt Deutschland 2026″ des Hotelverbands IHA weist für 2025 eine Zimmerauslastung von 68,1 Prozent aus, ein Plus von 0,9 Prozentpunkten. Zugleich sank der Netto-Zimmerpreis um 2,8 Prozent auf 109 Euro, der RevPAR (Erlös pro verfügbarem Zimmer) ging auf 74 Euro zurück. Das berichtet ahgz.de auf Basis der IHA-Zahlen.
Dazu passt die Kombination aus Rekord und Krise: 497,4 Millionen Übernachtungen bedeuten laut IHA einen neuen Höchstwert, gleichzeitig stiegen die Unternehmensinsolvenzen im klassischen Beherbergungsgewerbe um 40,1 Prozent. Rekordnachfrage und Margendruck fallen zusammen.
Christie & Co kommt zu ähnlichen Werten. Laut Tageskarte stieg die Auslastung 2025 um rund 1,1 Prozent, die ADR (Durchschnittsrate pro verkauftem Zimmer) sank um etwa 1,8 Prozent, der RevPAR fiel um 0,7 Prozent. Analyst Alexander Apitzsch bewertet 2025 als Jahr der Konsolidierung. Für 2026 nennt er zwei Fragen: ob Hoteliers höhere Zimmerpreise durchsetzen und ob das Wachstum breiter trägt, jenseits einzelner Top-Destinationen.
Eine Gegenposition zum Preiskampf formuliert Dirk Iserlohe von der Honestis AG (Dorint) gegenüber hospitalityinside.com. Raten und RevPAR gehörten nicht nach unten, sondern um 20 bis 30 Euro nach oben, weil der Preiskampf Qualität und Wertschöpfung verhindere.
Was das für DACH-Betriebe heißt
Für den einzelnen Betrieb liegt die Lehre weniger in den absoluten Übernachtungszahlen als in ihrer Verteilung. Wer als Gasthof oder Pension arbeitet, konkurriert nicht nur um Preis, sondern um Sichtbarkeit und Buchungswege, die zunehmend Ketten und standardisierte Konzepte besetzen. Die kürzere Verweildauer verschärft das: Weniger Nächte pro Ankunft bedeuten mehr Aufwand pro erwirtschaftetem Euro bei Check-in, Reinigung und Verwaltung.
Bad Reichenhall zeigt einen Gegenentwurf. Laut prmitteilung.de stiegen die Übernachtungen dort im ersten Halbjahr um 1,05 Prozent auf 459.944, obwohl die Ankünfte um 3,1 Prozent zurückgingen. Längere Aufenthalte stützen die Bilanz, wo die Zahl der Gäste sinkt. Für Häuser abseits der A-Städte ist die Verweildauer damit der greifbarere Hebel als der Kampf um jede weitere Ankunft.
Bundesweit bleibt der Ratendruck das zentrale Thema. Steigende Auslastung ohne durchsetzbare Preise drückt die Marge, während indexierte Mietverträge und Kosten weiterlaufen. Die dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf Speisen auf 7 Prozent zum 1. Januar 2026, von IHA-Vorsitzendem Otto Lindner als Schritt zu faireren Wettbewerbsbedingungen bewertet, entlastet die Gastronomie, ändert aber nichts an der Preisschwäche im Zimmergeschäft. Für die Kalkulation 2026 heißt das: Auslastung allein taugt nicht mehr als Erfolgsmaßstab. Entscheidend ist, ob sich Raten stabilisieren lassen.
Quellen
- ahgz.de – Statistik Tourismus in Bayern: Mehr Gäste und Übernachtungen
- Radio Mainwelle – Tourismus in Bayern im ersten Halbjahr 2026
- Onetz – Mehr Gäste, kürzere Aufenthalte in Bayern
- HOGAPAGE – Bayerns Tourismus: Regionen und Betriebsarten im Vergleich
- nn.de – DEHOGA Bayern zum Strukturwandel in der Gastronomie
- Tageskarte – Christie & Co: RevPAR-Analyse Deutschland 2025
- hospitalityinside.com – Dirk Iserlohe zum Ratenverfall
- Hotelier.de – DEHOGA Bayern zu Steuern und Belastungen
- Gastgewerbe-Magazin – IHA-Report: Margenkrise trotz Rekordübernachtungen
- prmitteilung.de – Staatsbad Bad Reichenhall: Halbjahresbilanz 2026


