B&B Hotels kurz vor Revo-Paket – Brown Hotels bereits drin
B&B Hotels steht laut Revo-Sanierern kurz vor dem Abschluss einer Übernahme im hohen einstelligen Bereich. Brown Hotels hat bereits fünf Häuser mit 1.179 Zimmern für 15,8 Mio. Euro gesichert.

B&B Hotels steht laut den Revo-Sanierern „kurz vor der Unterschrift“ für die Übernahme von Hotels „im hohen einstelligen Bereich“ aus dem Bestand der insolventen Revo Hospitality Group. Das berichtet Hotel vor9 unter Berufung auf das Handelsblatt. Zeitgleich hat die israelische Israel Canada Hotels (ICH) mit ihrer Marke Brown Hotels fünf Häuser mit 1.179 Zimmern für rund 15,8 Millionen Euro erworben. Der eigentliche Konsolidierungshebel liegt dabei nicht bei den Neueinsteigern, sondern bei einem etablierten Budget-Betreiber.
Fünf Häuser, ein Markteintritt: der ICH-Deal als Auftakt
Für ICH und Brown Hotels ist die Transaktion der Einstieg in den deutschen Markt. Laut Hogapage, gestützt auf Angaben der beratenden Kanzlei FPS, übernimmt die Gruppe das H2 Hotel München Messe, das H4 Hotel München Messe, das H4 Hotel Hamburg Bergedorf, das Centro Park Hotel Berlin und das H4 Hotel Leipzig. Der Kaufpreis liegt bei rund 15,8 Millionen Euro für 1.179 Zimmer.
Die anderswo kursierende Zahl von sechs Häusern erklärt sich aus einer zweiten Lesart. Das israelische Branchenportal Passport News, aufgegriffen von der Tageskarte, zählt zusätzlich das Berliner Excelsior-Projekt mit, das Brown Hotels wiederbeleben will. Vorgesehen sind dort laut Tageskarte 316 Zimmer und Suiten, Gastronomieflächen und eine Dachterrasse, die Investitionssumme wird mit rund 50 Millionen Euro angegeben. In dieser Rechnung kommt Brown auf sechs Hotels und rund 1.500 Zimmer.
ICH betreibt nach Angaben von Tophotel mehr als 40 Hotels in Israel und Griechenland. FPS-Partner Menso Engelmann spricht laut Tophotel von einer „guten Grundlage für weiteres Wachstum“.
B&B Hotels: der zweite Käufer mit dem größeren Hebel
Anders als ICH ist B&B Hotels kein Neuling im deutschen Budget-Segment. Der französische Betreiber verfügt laut Hotel vor9 (2024) über mehr als 800 Hotels in 17 Ländern in Europa, Großbritannien, Brasilien und den USA. Bis 2030 sollen es allein in Deutschland und Österreich 400 Hotels sein, weltweit 3.000.
Der Käuferkreis rund um Revo ist überschaubar. Laut Tageskarte, die sich auf das Handelsblatt beruft, zählen dazu Prism, ICH, Leonardo Hotels, B&B Hotels und Motel One. Dass gerade B&B kurz vor Abschluss steht, verschiebt die Gewichte. Ergänzt ein Betreiber mit ohnehin dichter Präsenz im Economy-Bereich ein weiteres Paket, wächst nicht nur das Portfolio, sondern auch die Marktkonzentration in einem klar abgrenzbaren Segment.
Wie B&B den Budget-Markt schon vor Revo aufrollte
Die Revo-Übernahme wäre für B&B kein Einzelfall, sondern die Fortsetzung eines Musters. Im September 2024 meldete Hotel vor9 den bis dahin größten Zukauf: 30 Ibis-Budget-Hotels in Deutschland mit 2.308 Zimmern, erworben von BC Partners Real Estate und Hova Hospitality aus dem Bestand von Accor Invest. Arno Schwalie, CEO für Mittel- und Nordeuropa bei B&B Hotels, nannte den Schritt damals laut Hotel vor9 „die größte Übernahme in der Geschichte von B&B Hotels“.
Das Vorgehen folgt einer Logik: Statt einzelner Häuser kauft B&B ganze Ketten-Portfolios. Damit tritt der Betreiber im Revo-Prozess nicht als Markteinsteiger auf, sondern als Verdichter eines Feldes, das er längst mitprägt.
Der Revo-Kollaps als Verteilmasse
Der Umfang der Insolvenz erklärt, warum sich so viele Käufer bedienen können. Die Revo-Gruppe hat laut Handelsblatt für rund 140 Gesellschaften Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Charlottenburg eingereicht, darunter 125 Hotels mit etwa 5.500 Mitarbeitern in Deutschland und Österreich. Bis April 2026 stieg die Zahl der betroffenen Betriebe laut Hogapage auf knapp 180 mit rund 5.900 Beschäftigten.
Der Aufstieg verlief steil. Ruslan Husry gründete das Unternehmen 2008 mit einem Hotel in Leipzig, seit 2020 wuchs die Zahl der Häuser laut Tagesspiegel von 51 auf rund 250. Allein 2024 kam laut Marktaktuell das Centro-Hotels-Portfolio mit 34 Häusern hinzu, im Februar 2025 folgte die Übernahme der H-Hotels-Gruppe mit über 60 Standorten. Im April 2025 ging aus der bisherigen HR Group die Revo Hospitality Group hervor.
Genau diese Expansion wurde zum Problem. Laut Hotelbau verursachte das Tempo Doppelstrukturen und Integrationsprobleme, die Akquisitionen waren teuer, die Übernachtungszahlen stiegen nicht wie erwartet. Dazu kamen gestiegene Lohn-, Miet-, Energie- und Lebensmittelkosten. North Data zufolge, zitiert im Handelsblatt, schrieb der Konzern seit 2014 keine Gewinne mehr und war zuletzt mit 19,9 Millionen Euro überschuldet, bei einem Umsatz von rund 1,3 Milliarden Euro.
Die Verteilung ist weit fortgeschritten. Laut Hotelbau planen fünf Gruppen die Übernahme von rund 120 Häusern in Deutschland, den Niederlanden und Österreich, 45 sind bereits veräußert, für zehn Standorte wird noch nach Lösungen gesucht. Prism wächst laut Hogapage in Deutschland auf 35 Häuser und übernimmt dabei 24 frühere Revo-Standorte.
Was das für die Branche heißt
Für einen DACH-Hotelbetrieb im Economy- und Midscale-Bereich verschiebt sich der Wettbewerb konkret. Übernimmt B&B ein weiteres Paket, konkurriert man häufiger mit einem Betreiber, der über Volumen bei Einkauf, Distribution und Systemkosten skalieren kann. Für Pächter und Franchisenehmer bedeutet das schärferen Preisdruck im Budget-Segment, in dem die Marge ohnehin schmal ist.
Kartellrechtlich unterscheiden sich die Käufer. Ein Markteinsteiger wie ICH addiert Marktanteile aus dem Nichts, der Zusammenschluss bleibt unkritisch. Bei B&B kommt ein Zukauf zu einer bestehenden Basis hinzu, wodurch regionale Konzentrationen entstehen können, etwa an Messe- und Flughafenstandorten mit dichter Budget-Präsenz. Ob eine einzelne Transaktion die Anmeldeschwellen beim Bundeskartellamt erreicht, hängt an Umsatz und Zuschnitt des jeweiligen Pakets. Belastbare Zahlen zum B&B-Marktanteil im deutschen Budget-Segment liegen bislang nicht öffentlich vor.
Für Eigentümer und Investoren mit Pachtverträgen aus dem früheren Revo-Bestand zählt vor allem die Betreiberbonität nach dem Übergang. Ein finanzstarker Ketten-Operator senkt das Ausfallrisiko gegenüber der überexpandierten Vorgängerstruktur, bindet den Standort aber enger an eine externe Markenlogik. Wer aktuell selbst Objekte im Markt platziert, sollte den investmentrelevanten deutschen Hotelmarkt im Blick behalten. Dessen Wert stieg 2025 laut Tageskarte auf Basis von bulwiengesa und Union Investment auf 66,1 Milliarden Euro.
Quellen
- ahgz – Übernahme: Nächster Revo-Erbe in den Startlöchern?
- Hotel vor9 – B&B Hotels vor Revo-Übernahme / Ibis-Budget-Deal 2024
- Tophotel – Israel Canada Hotels steigen in den deutschen Markt ein
- Hogapage – Brown Hotels übernimmt fünf Revo-Häuser / Prism-Wachstum
- Tageskarte – Käuferkreis und sechs-Hotels-Lesart (Berufung Handelsblatt/Passport News)
- Immobilien Zeitung – ICH steigt mit fünf Ankäufen in den deutschen Markt ein
- Handelsblatt – Revo-Insolvenz: Zahlen und Überschuldung (North Data)
- Tagesspiegel – Wachstum der Revo-Gruppe seit 2020
- Hotelbau – Insolvenzursachen und Verteilung der Portfolios
- Marktaktuell – Centro- und H-Hotels-Übernahmen
- Business Insider – Arbeitsplätze und Berliner Zentrale


