Berlin verliert 6,4 % Auslandsübernachtungen im ersten Halbjahr 2026
Berlin zählt im ersten Halbjahr 2026 nur noch 13,6 Millionen Übernachtungen – ein Minus von 2,7 %. Der Rückgang kommt fast ausschließlich vom Auslandsmarkt, der 6,4 % einbüßt.

13,6 Millionen Übernachtungen zählte Berlin im ersten Halbjahr 2026, ein Rückgang von 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Minus geht auf den Auslandsmarkt zurück: Reisende aus dem Ausland buchten 6,4 Prozent weniger Nächte, während der Inlandsmarkt zulegte. Die Zahlen stammen laut dpa vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg.
Ein Minus mit klarer Handschrift
Zwischen Januar und Juni kamen rund 5,9 Millionen Gäste in die Hauptstadt, 0,3 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bei den Übernachtungen fiel der Rückgang mit 2,7 Prozent stärker aus. Die Lücke zwischen Gäste- und Übernachtungszahl zeigt: Es kommen fast gleich viele Menschen, sie bleiben aber im Schnitt kürzer.
Den Ausschlag geben die internationalen Gäste. Knapp zwei Millionen Auslandsbesucher registrierte das Statistikamt, ein Minus von 4,1 Prozent. Ihre 5,2 Millionen Übernachtungen liegen 6,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Inlandsmarkt federt das ab, ohne es auszugleichen: 3,9 Millionen deutsche Gäste bedeuten ein Plus von 1,8 Prozent, doch ihre Übernachtungszahl sank leicht auf 8,3 Millionen (minus 0,3 Prozent). Mehr Inlandsgäste mit kürzeren Aufenthalten kompensieren die wegbrechenden internationalen Nächte nicht.
Bei den ausländischen Herkunftsmärkten führt laut Statistikamt das Vereinigte Königreich mit 564.000 Übernachtungen, gefolgt von den USA mit 511.000 und den Niederlanden mit 361.000. Der Tourismus bleibt für Berlin eine der wirtschaftlich wichtigsten Branchen mit einem jährlichen Umsatz von rund 11,5 Milliarden Euro.
Kein Ausrutscher, sondern ein Muster
Der Halbjahreswert reiht sich in eine längere Reihe ein. Schon das Gesamtjahr 2025 war rückläufig: 29,4 Millionen Übernachtungen bedeuteten laut visitBerlin-Bilanz vom Februar 2026 ein Minus von 3,8 Prozent, die Gästezahl sank um 2,7 Prozent auf 12,4 Millionen. Im Rekordjahr 2019 zählte Berlin noch 34 Millionen Übernachtungen. Die Hauptstadt liegt damit weiterhin unter Vorkrisenniveau.
Ein Teil des 2025er-Rückgangs erklärt sich über den Basiseffekt der Fußball-EM 2024, als Spiele in Berlin für einen einmaligen Nachfrageschub sorgten. Dieser Effekt trägt 2026 nicht mehr, das Muster wiederholt sich trotzdem. Bereits 2025 sanken die Auslandsübernachtungen um 5,4 Prozent. Der unterjährige Verlauf 2026 zeigt die Konstanz: Von Januar bis April lag das Übernachtungsminus bei 3,0 Prozent, von Januar bis Mai ebenfalls bei 3,0 Prozent.
Als strukturelle Ursache benennt visitBerlin die schwache Langstrecken-Anbindung. Geschäftsführer Burkhard Kieker kritisierte in der Jahresbilanz die Drehkreuz-Strategie der Lufthansa, die vom BER nur Frankfurt und München anfliegt. Täglich starten laut Kieker rund 200 Langstreckenflüge aus Westdeutschland, aber nur vier bis fünf aus Ostdeutschland. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey verwies auf gute Bahnanbindungen, sah aber Defizite im Flugverkehr und den Bund in der Pflicht.
Der Gesamtmarkt hält trotz Ratendruck
Berlins Problem ist nicht rein konjunkturell. Der deutsche Hotelmarkt insgesamt steckt in einer preisgetriebenen Konsolidierung, bleibt dabei aber stabiler. Für das Gesamtjahr 2025 meldet Christie & Co bundesweit eine leicht steigende Auslastung (OCC, Belegungsquote der verfügbaren Zimmer) bei nachgebender ADR (Average Daily Rate, Durchschnittsrate pro verkauftem Zimmer). Der RevPAR (Revenue per Available Room, Umsatz pro verfügbarem Zimmer) tendierte mit rund minus 0,7 Prozent nur leicht ins Minus.
Der Ratendruck trifft die Standorte unterschiedlich. Laut ahgz hielten Hamburg und Nürnberg im laufenden Jahr im bundesweiten Vergleich stark, einer der beiden meldete sogar ein zweistelliges Plus. Hamburg zählte bereits im ersten Halbjahr 2025 mit 75,0 Prozent Auslastung zu den belegungsstärksten Städten Deutschlands, der RevPAR blieb mit 96,9 Euro nahezu stabil. Nürnberg verzeichnete 2025 Tourismusrekorde.
Wie der branchenweite Ratendruck wirkt, zeigt der Benchmark der BWH Hotels Central Europe für das erste Halbjahr 2026: Die Auslastung stieg von 54,8 auf 57 Prozent, die ADR sank um 2,1 Prozent auf 108,12 Euro, der RevPAR legte dennoch von 60,52 auf 61,63 Euro zu. Christie-&-Co-Consultant Alexander Apitzsch ordnet das Marktbild ein: „Die Zahlen des Jahres 2025 zeigen sehr deutlich, dass die Nachfrage nach Hotelübernachtungen in Deutschland weiterhin stark ist. Gleichzeitig bleibt 2025 ein Jahr der Konsolidierung: höhere Auslastung trifft auf schwächere Durchschnittsraten.“
Was das für Betreiber in der Hauptstadt heißt
Für Berliner Häuser ist der Befund unbequem: Während der Gesamtmarkt den Ratendruck über Belegung auffängt, fehlt der Hauptstadt zusätzlich das internationale Volumen. Wer in Berlin plant, kann nicht auf eine konjunkturelle Erholung setzen, die das Auslandsminus von selbst dreht. Die schwache Langstrecken-Anbindung ist ein Standortfaktor, den kein einzelner Betrieb beeinflusst.
Praktisch verschiebt das die Gewichte im Vertrieb. Der Inlandsmarkt wächst, kompensiert die verlorenen internationalen Nächte aber nicht eins zu eins, weil deutsche Gäste kürzer bleiben. Wer bisher stark auf Fernmärkte wie USA und UK gesetzt hat, muss die Ausfälle über andere Segmente auffangen: Messe- und Kongressnachfrage, europäische Quellmärkte, Inlandsgeschäft. visitBerlin verweist für das zweite Halbjahr auf IFA, Innotrans, Sportevents und Kongresse. Co-Geschäftsführer Jürgen Amann erklärte, Berlin habe damit „gute Voraussetzungen, zusätzliche Nachfrage zu gewinnen und neue Zielgruppen anzusprechen“. Ob diese Events die strukturelle Lücke schließen, hängt am Buchungsverhalten in einem Umfeld sinkender Raten.
Hinzu kommt die Kostenseite. Zum 1. Januar 2026 stieg die Berliner Übernachtungssteuer auf 7,5 Prozent, gleichzeitig fiel die 10-Betten-Grenze weg und die Steueranmeldung wechselte auf Quartalsbasis. Der DEHOGA Berlin hatte die Erhöhung als „falsches Signal“ in einem preisempfindlichen Umfeld kritisiert. Für Betreiber heißt das: In einer Phase, in der Volumen und Rate ohnehin unter Druck stehen, steigen die Nebenkosten pro Übernachtung. Wer die Steuer nicht an den Gast weitergeben kann, ohne Buchungen zu verlieren, trägt sie in der Marge.
Quellen
- ahgz – Tourismus: Weniger Touristen in Berlin im ersten Halbjahr
- Amt für Statistik Berlin-Brandenburg – Tourismus 1. Halbjahr 2026
- visitBerlin – Tourismusbilanz 2025 und Ausblick
- Christie & Co – Deutscher Hotelmarkt 2025 und Halbjahresvergleich
- IHA Hotelverband Deutschland – Branchenreport 2026
- BWH Hotels Central Europe – Halbjahresbilanz 2026
- DEHOGA Berlin – Stellungnahme zur Übernachtungssteuer


