Donnerstag, 24. September 2026
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Stadtwerke kappen Strom: Best Western Wittenberg schließt

Ende August 2026 kappten die Stadtwerke Wittenberg dem Best Western Soibelmanns den Strom – das 4-Sterne-Haus mit 80 Zimmern schloss daraufhin abrupt. Es ist das dritte Haus der Soibelmann-Gruppe, das innerhalb kurzer Zeit wegfällt.

Dunkle Hoteleingang an der Collegienstraße Wittenberg, Zettel an der Glastür, verlassener Koffer auf dem Gehweg.
Symbolbild · KI-generiert

Ende August 2026 stellten die Stadtwerke dem Best Western Soibelmanns in der Lutherstadt Wittenberg den Strom ab. Der Betrieb endete daraufhin, Gäste standen kurzfristig vor verschlossenen Türen. Das 4-Sterne-Haus mit 80 Zimmern an der Collegienstraße 56/57 gehört zur Soibelmann Hotels GmbH aus Groß-Gerau, deren Portfolio seit über einem Jahr Stück für Stück schrumpft.

Vom Buchungsbetrieb zum Blackout

Oliver Graue (FVW/AHGZ) berichtete am 2. September 2026 über die Schließung. Laut FVW kappten die Stadtwerke die Stromversorgung, woraufhin der Betrieb endete. Das Branchenportal Hotel vor9 benennt die Stadtwerke als Quelle für die Ursache. Zwei voneinander unabhängige Zuordnungen liegen damit vor.

Das Objekt war bis zuletzt regulär am Markt. Die Tourismus-Plattform der Stadt führt fünf Tagungsräume mit insgesamt 366 Quadratmetern für bis zu 160 Personen sowie 62 Doppel- und 18 Einzelzimmer. Die Listenpreise reichten laut kurzurlaub.de von 35 bis 399 Euro. Das Haus firmierte früher als „Best Western Stadtpalais Wittenberg“, einige Buchungsportale führen bis heute den alten Namen – eine Quelle für Verwechslungen bei der Recherche.

Wie viele Gäste betroffen waren, wie viele Beschäftigte am Standort arbeiteten und wie hoch die offene Stromrechnung war, ist bislang nicht belegt. Auch ein genaues Schließungsdatum liegt nicht vor, nur die Angabe „Ende August“.

Die Gruppe war längst in Auflösung

Der Blackout in Wittenberg markiert den vorläufig jüngsten Punkt einer längeren Abwärtsbewegung. Die Soibelmann Hotels GmbH mit Sitz in Groß-Gerau wurde laut companyhouse.de im Dezember 2012 mit einem Stammkapital von 25.000 Euro eingetragen, geführt von Emil und Haika Soibelmann. Die Gruppe fällt laut wer-zu-wem.de in die Beschäftigtenklasse 100 bis 249 Mitarbeiter.

Bereits im Mai 2025 hatte die Familie signalisiert, sich vom gesamten Bestand trennen zu wollen. Eine Mitarbeiterin bestätigte gegenüber der Frankenpost:

„Ja, unsere Belegschaft ist darüber informiert worden, dass sich die Familie Soibelmann von allen ihren Hotels trennen will.“

Der Standort Bad Alexandersbad zeigt, wohin das führte. Das Haus mit 102 Zimmern steht laut Frankenpost seit dem 31. März 2026 leer. Am 11. Juni 2026 eröffnete das Amtsgericht Hof das Insolvenzverfahren über die Soibelmann Hotel Alexandersbad GmbH (Aktenzeichen IN 19/26), der Berichtstermin war laut insolvenz-radar.de für den 24. Juni 2026 angesetzt. Soibelmann war 2015 selbst als Sanierer eingestiegen und hatte den damals insolventen Betrieb übernommen. Zehn Jahre später droht laut Frankenpost erneut das Aus.

Das dritte Haus, das Best Western Soibelmanns Frankfurt Airport, schloss bereits vor Wittenberg und dient laut der Stadt Groß-Gerau nun als Flüchtlingsunterkunft. Die zugehörige Betreibergesellschaft ging laut northdata.com im Mai 2025 in Liquidation. Das Portfolio schrumpft Haus für Haus, Wittenberg reiht sich ein.

Einordnung: Wenn die Marke stabil wirkt, aber die GmbH wankt

Der Fall legt einen Mechanismus offen, der für inhabergeführte Markenhäuser im DACH-Raum relevant ist. Best Western beziehungsweise BWH ist ein Franchise- und Membership-Verbund: Die Häuser tragen die Marke, werden aber eigenwirtschaftlich betrieben. Die Soibelmann-Objekte firmierten als Doppelmarke „Best Western soibelmanns“, das Haus in Hof lief dagegen unter Choice Hotels. Für den Gast sehen solche Betriebe stabil aus. Das operative und finanzielle Risiko liegt jedoch bei der Betreibergesellschaft, nicht beim Markengeber.

Ein gekappter Versorgungsvertrag legt einen laufenden Betrieb binnen Stunden lahm, schneller als jedes Insolvenzverfahren. Strom, Wasser, Zahlungsdienstleister und Softwarelizenzen sind Abhängigkeiten ohne Vorwarnzeit. Für kleinere Häuser ohne Konzernrücklagen kann ein einzelner offener Posten den Betriebsstopp auslösen, sobald der Versorger die Geduld verliert. Der Kontrast innerhalb derselben Gruppe zeigt die Bandbreite: In Bad Alexandersbad lief der reguläre Anschein laut Frankenpost bis zuletzt, in Wittenberg kam der Schnitt abrupt.

Praktisch lohnt der Blick auf die eigene Liquiditätssteuerung. Werden Versorger-Rechnungen und kritische Dienstleisterverträge mit derselben Priorität behandelt wie Personal- und Bankverbindlichkeiten? Gibt es Frühwarnschwellen, bevor eine Sperrandrohung ins Haus flattert? Wer im Betrieb weiß, welche Verträge im Ernstfall zuerst gekündigt oder gekappt werden? Für Wittenberg liegen weder ein Statement des Betreibers noch von BWH oder den Stadtwerken vor. Ob für die Wittenberg-Gesellschaft ein eigenes Insolvenzverfahren läuft, ist bislang nicht belegt. Belegt ist der Auslöser: Der Strom war weg.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.