Donnerstag, 24. September 2026
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Geschäftsreise-Ausgaben 2026: Preis treibt, nicht Volumen

Weltweit fließen 2026 rund 1,71 Billionen Dollar in Geschäftsreisen – ein Plus von 7,2 Prozent. In EMEA steigen Hotelraten aber nur um 0,6 Prozent. Für die RFP-Runde 2027 wird der Begründungsdruck größer.

Geöffneter Koffer, Hotelrechnung und Kaffeebecher auf Schreibtisch im Geschäftsreisezimmer, Morgen
Symbolbild · KI-generiert

1,71 Billionen US-Dollar: Auf diese Summe steuern die weltweiten Geschäftsreise-Ausgaben 2026 zu, ein Plus von 7,2 Prozent. Das Reisevolumen wächst im selben Zeitraum nur um 1,3 Prozent auf rund 1,84 Milliarden Reisen. Die Ausgaben legen damit gut fünfmal so schnell zu wie die Zahl der Trips.

Die Zahlen stammen aus dem GBTA Business Travel Index 2026, den der Verband am 3. August 2026 auf seiner Convention in Chicago vorgestellt hat, wie hotelvor9.de und reisevor9.de berichten. Für Hoteliers im Corporate-Segment steckt darin eine doppelte Botschaft: Es fließt mehr Geld in Geschäftsreisen, doch die Unternehmen prüfen härter, wofür sie es ausgeben.

Der Preis trägt das Wachstum, nicht die Reise

Global stiegen die Ausgaben 2025 laut GBTA um 8,4 Prozent auf 1,59 Billionen Dollar, ursprünglich prognostiziert waren 6,6 Prozent. Getragen wird dieses Wachstum inzwischen weniger durch zusätzliche Reisen als durch höhere Preise pro Reise. Das wird 2026 erstmals sichtbar, weil der BTI in diesem Jahr das tatsächliche Reisevolumen quantifiziert und nicht nur die Ausgaben.

Die 18. Ausgabe des Index deckt 72 Länder und 44 Branchen ab und stützt sich auf Umfragen unter mehr als 4.700 Geschäftsreisenden in 66 Märkten. Bei den Preistreibern steht die Hotel-ADR – Average Daily Rate, der durchschnittlich erzielte Zimmerpreis – 2026 bei 168 Dollar, ein Plus von 3,7 Prozent. Der globale Durchschnitts-Flugpreis liegt bei 756 Dollar, 4,7 Prozent mehr als im Vorjahr.

Für den DACH-Markt zentral: Die ADR-Zuwächse verteilen sich regional ungleich. Lateinamerika legt um 9,5 Prozent zu, Asien-Pazifik um 5 Prozent. Die Region EMEA, zu der Europa zählt, bleibt mit plus 0,6 Prozent nahezu flach, wie eventplanner.net unter Berufung auf die GBTA-Daten schreibt. Der globale Preisboom bei Hotelraten schlägt in Europa also kaum durch.

Deutschland auf Rang drei – und ein scheinbarer Widerspruch

Deutschland liegt in der GBTA-Rangliste mit knapp 78 Milliarden Euro auf Platz drei, ein Plus von 6,7 Prozent gegenüber 2025. Ein anderes Bild zeichnet die Geschäftsreiseanalyse des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR): Danach wurden 2025 in Deutschland 116,1 Millionen Geschäftsreisen unternommen, 8,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Zugleich sanken die durchschnittlichen Kosten pro Reise um 4,8 Prozent auf 418 Euro.

Der Widerspruch löst sich, wenn man Volumen und Preis trennt: In Deutschland reisen die Firmen wieder häufiger, aber günstiger und kürzer. Global treibt dagegen der Preis das Ausgabenwachstum. Auffällig ist die Rolle der kleinen und mittleren Unternehmen: Laut VDR entfallen 90,3 Millionen Reisen auf KMU, deren Reisetätigkeit mit plus 5,6 Prozent fast fünfmal so stark zulegte wie bei Großunternehmen.

Wie diszipliniert deutsche Firmen steuern, zeigen die Zahlen zum Reisemanagement: 72 Prozent der Unternehmen überwachen ihre Reiserichtlinie, 45 Prozent nutzen Sonderkonditionen, nur 19 Prozent wollen die Reisen selbst reduzieren, wie firmenauto.de aus der VDR-Studie zitiert. Der Sparhebel liegt also bei Konditionen und Kontrolle, nicht beim Verzicht.

Wie es so weit kam

Die Erholung fiel stärker aus als erwartet. Als Gründe für das Übertreffen der 2025er-Prognose nennt die GBTA eine robustere Konjunktur, einen schwächeren US-Dollar und nachlassende Handelskonflikte. Bis Ende 2025 hatten 14 der 15 größten Geschäftsreisemärkte ihr nominales Ausgabenniveau von 2019 wieder erreicht. Einzige Ausnahme bleibt China.

GBTA-CEO Suzanne Neufang benennt die Verschiebung. Laut Travolution sagte sie: „Die große Geschichte in diesem Jahr ist, dass Unternehmen sich nicht vom Reisen abgewendet haben, aber zunehmend selektiver und produktivitätsorientierter vorgehen.“ Reisen bleibe unverzichtbar, doch die Firmen seien „kritisch diszipliniert, wo, wie und warum sie reisen“, wie Travelers Today berichtet.

Aus DACH-Sicht ordnet VDR-Präsident Christoph Carnier das ähnlich ein. Er bezeichnet Geschäftsreisen als „Frühindikator für Wirtschaftsdynamik“ und den persönlichen Austausch in einem unsicheren Markt als „strategischen Faktor“, wie geschaeftsreisekontakt.de berichtet.

Was das für Corporate-Raten und Verhandlungen 2027 heißt

Für Revenue- und Corporate-Sales-Verantwortliche in DACH-Betrieben ergibt sich daraus eine konkrete Ausgangslage für die kommende RFP-Runde, die jährliche Ausschreibung der Firmenraten. Die Zahlungsbereitschaft im Corporate-Segment ist da, das Budget wächst. Zugleich sind die ADR-Zuwächse in EMEA mit 0,6 Prozent minimal, und die Travel-Manager stehen unter Kostendruck. Ihr Hebel ist der Preis pro Reise.

Das verschiebt die Verhandlungsposition. Wer 2027 höhere Raten durchsetzen will, muss sie stärker begründen als in den Vorjahren. Auslastung, Lage und Zusatzleistungen zählen mehr als pauschale Aufschläge, weil auf der Gegenseite Monitoring-Systeme laufen und jede Reise auf ihren Wert geprüft wird. Edward Galvin, VP North America, Visa Commercial Solutions, bringt es auf den Punkt: Weil die Ausgaben schneller wachsen als das Reisevolumen, legten Unternehmen mehr Gewicht auf den Wert jeder einzelnen Reise, so Hotel Dive.

Für 2027 prognostiziert die GBTA laut eventplanner.net nur noch 1,8 Prozent Ratenanstieg bei Hotels und 1,5 Prozent bei Flügen. Der Aufwärtsdruck verlangsamt sich, kehrt sich aber nicht um. Für die Ratenrunde heißt das: Der Spielraum bleibt, wird aber schmaler und muss präzise begründet werden. Im oberen Segment und bei projektgetriebener Nachfrage, etwa rund um Bau- und Technologievorhaben, lohnt es, Bedarfsspitzen früh zu identifizieren und dort die Raten zu verteidigen, wo Volumen und Wert der Firmenkunden stimmen.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.