GMH trennt sich von VZB: 70,3-Prozent-Anteil geht an Gravity Capital
70,3 Prozent der niederländischen GMH-Holding gehen an Gravity Capital aus Hongkong – während das Amsterdamer Gericht eine Untersuchung der Kapitalstruktur angeordnet hat. Was DACH-Partner jetzt prüfen sollten.

70,3 Prozent an der niederländischen Beteiligungsgesellschaft Grand Metropolitan Hotels Holding B.V. wechseln zum Stichtag 30. Juni 2026 an Gravity Capital aus Hongkong. Die Gesellschaft firmiert künftig als Gravity Capital Hospitality, die Nutzung der Marke Grand Metropolitan Hotels wurde ihr entzogen. Damit erklärt die von Martin R. Smura geführte Gruppe die Trennung von ihrem Joint-Venture-Partner, dem Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin (VZB), für abgeschlossen.
Was übertragen wurde, was in der Familie bleibt
Laut Mitteilung der Kingstone Capital AG Schweiz, über PR Newswire verbreitet und von tophotel.de aufgegriffen, zog sich Kingstone zum 30. Juni 2026 vollständig aus der bisherigen Beteiligungsstruktur zurück. Die Tochtergesellschaft in den Vereinigten Arabischen Emiraten, die den 70,3-Prozent-Anteil an der niederländischen Holding hielt, ging an Gravity Capital über. Direktoren und Aufsichtsrat der Holding traten zurück.
Mitübertragen wurden die Mehrheitsbeteiligungen an den Hospitality-Technologiefirmen Genesis AI, Room Hub und Xenios. Diese Konstellation ist relevant, weil die Bewertung der KI-Beteiligung im Zentrum des Amsterdamer Verfahrens steht.
Das operative Geschäft bleibt davon getrennt. Die Marken Top International Hotels, Voile d’Or, Signature Hotels, Castlewood und weitere bleiben nach Unternehmensangaben vollständig in der Grand Metropolitan Hotels Group, die der Smura-Familienholding gehört. Kingstone Capital bleibe strategischer Investor und wolle das internationale Wachstum außerhalb der bisherigen Struktur fortsetzen. Für die Markengruppe ändere sich strategisch nichts, sie setze ihre Asset-Light-Strategie in Management, Branding, Franchise und Affiliation fort. Asset Light bedeutet: Die Gruppe betreibt Häuser, ohne die Immobilien selbst zu besitzen.
Der Investor, den keine Quelle eindeutig benennt
Wer genau Gravity Capital ist, lässt sich mit den verfügbaren Quellen nicht sauber belegen. Es existieren mehrere gleichnamige Investmentgesellschaften, und keine öffentliche Quelle identifiziert die konkrete übernehmende Firma zweifelsfrei.
Vorliegend ist eine Selbstbeschreibung aus der Kingstone-Pressemitteilung: Gravity Capital sei international tätig mit Fokus auf technologiegetriebene Unternehmen, geistiges Eigentum, Softwarelösungen sowie Investitionen in Tourismus, Medizin, Immobilien und Hospitality. Diese Angabe stammt aus der Mitteilung der Gegenseite, nicht aus einer unabhängigen Prüfung.
Alle Meldungen zu diesem Vorgang, ob ahgz, HotelNewsResource, hotelvor9 oder hotelinside.ch, gehen auf dieselbe Kingstone-/GMH-Pressemitteilung zurück. Eine unabhängige Bestätigung der Transaktion durch das VZB oder das Amsterdamer Gericht liegt bislang nicht vor. Auch wie die neuen Partner die künftige Finanzierung der Gesellschaft regeln, bleibt laut Grand Metropolitan Hotels selbst offen.
Der Streit um 200 Millionen Euro
Der Trennung ging ein Gesellschafterstreit voraus. Das VZB, Pflichtversicherung für rund 10.000 Zahnärzte in Berlin, Brandenburg und Bremen, kam 2023 als Minderheitsgesellschafter hinzu. Laut hotelinside.ch hält es 25,1 Prozent plus 4,6 Prozent über eine weitere Gesellschaft; andere Darstellungen nennen rund 25 oder 30 Prozent.
Im Kern geht es um die Werthaltigkeit von Sacheinlagen. Bei Gründung verfügte die niederländische Holding laut Wirtschaftswoche über ein Eigenkapital von einem Euro, das bis April 2024 schrittweise auf 200.600.000 Euro stieg. Die größte Einlage: Zehn Tage nach Gründung gab die Gesellschaft laut hotelvor9.de knapp 100 Millionen Aktien an Kingstone aus, als Gegenleistung für Anteile an einer Gesellschaft, deren wesentlicher Vermögenswert eine KI-Software namens „Genisys AI“ beziehungsweise „Genesis AI“ sein soll. Das Bewertungsgutachten hatte Kingstone selbst in Auftrag gegeben.
Die Unternehmenskammer des Gerichtshofs Amsterdam ordnete mit Beschluss vom 16. Juli 2026 (Az. 200.362.950/01 OK) eine unabhängige Untersuchung des Geschäftsgebarens seit Gründung an. Nach Berichten von Handelsblatt und Wirtschaftswoche suspendierte das Gericht die Vorstandsmitglieder, darunter Smura, und die Aufsichtsräte, darunter den früheren FDP-Politiker Philipp Rösler. Die von Kingstone gehaltenen Anteile stellte es unter Zwangsverwaltung. GMH widerspricht der Reihenfolge: Aufsichtsrat und Direktoren seien bereits am 30. Juni zurückgetreten, also vor dem Gerichtsbeschluss.
Smura verteidigt die Bewertung. Die Werthaltigkeit von Genisys AI lasse sich jederzeit belegen, so seine Position laut ahgz; die Software habe bewusst keine Umsätze erzielt, weil für die Markteinführung weitere Investitionen nötig gewesen wären, die das VZB entgegen früherer Zusagen nicht geleistet habe. Eine neue Unternehmensbewertung sei bereits beauftragt. Das Gericht hatte moniert, es sei nicht ausreichend erläutert worden, welche Umsätze die Software erziele oder welche Kunden sie nutzten.
„Als wir das Joint Venture gegründet haben, waren wir überzeugt, mit dem VZB einen verlässlichen und langfristigen Partner gefunden zu haben. Die Entwicklungen der vergangenen Monate haben jedoch gezeigt, dass eine Fortsetzung der Zusammenarbeit nicht mehr möglich war“, sagte Martin R. Smura laut Pressemitteilung.
Die Dimension reicht über die Hotellerie hinaus. Das VZB steht laut investrends.ch vor geschätzten Verlusten von 1,1 Milliarden Euro, gut die Hälfte seines Anlagevermögens von zuletzt 2,2 Milliarden Euro. Der langjährige VZB-Direktor Ralf Wohltmann wurde gekündigt; das Arbeitsgericht Berlin hielt die Kündigung Ende Januar 2026 grundsätzlich für wirksam.
Was das für die Branche heißt
Für den Betriebsalltag eines DACH-Hotels, das mit GMH-Marken arbeitet oder darüber nachdenkt, verschiebt sich operativ zunächst wenig: Managementverträge, Branding und Affiliation liegen weiter bei der Smura-Familienholding. Wer heute unter Top International Hotels oder Voile d’Or firmiert, hat es vertraglich mit derselben Gruppe zu tun wie vor der Transaktion.
Die entscheidende Frage betrifft Bonität und Kontinuität dahinter. Ein Partner, dessen Kapitalstruktur eine gerichtlich angeordnete Untersuchung durchläuft und dessen 200-Millionen-Euro-Beteiligungsmantel gerade an einen Investor mit unklarer Identität übergeht, verdient bei Vertragsverlängerungen, Vorauszahlungen und Marketingbudgets erhöhte Aufmerksamkeit. Für Eigentümer, die einen Managementvertrag prüfen, heißt das konkret: Referenzen der Betreibergesellschaft einfordern, Ausstiegsklauseln schärfen und hinterlegte Technologieleistungen nicht auf dem Papier stehen lassen.
Auffällig ist das Tempo, mit dem GMH weiter expandiert. Nach eigenen Angaben überschritt die Gruppe zuletzt 600 Hotels in 50 Ländern, wächst mit rund 20 Managementverträgen pro Jahr und verhandelt exklusiv über die Übernahme eines weiteren Affiliation-Unternehmens; eine Bekanntgabe ist für September 2026 angekündigt. Wachstum in diesem Tempo bei gleichzeitig ungeklärter Finanzierung der abgespaltenen Holding bleibt der Punkt, den Partner beobachten sollten. Bereits im August 2025 trennte sich GMH mit sofortiger Wirkung von der Luxusmarke 7Pines. Solche kurzfristigen Markenbewegungen bergen für angeschlossene Häuser Planungsrisiken.
Quellen
- tophotel.de – GMH: Trennung von VZB-Joint-Venture ist abgeschlossen
- finanznachrichten.de / PR Newswire – Kingstone-Mitteilung zur Transaktion
- HotelNewsResource – Gravity Capital Hong Kong acquires Kingstone Capital UAE
- ahgz – Gravity Capital übernimmt Beteiligung
- hotelvor9 – Amsterdam-Beschluss und Streit um Genisys AI
- hotelinside.ch – Beteiligungsstruktur und Markenportfolio
- WirtschaftsWoche – Grundkapital und Registerauszug
- Handelsblatt – Suspendierung von Vorstand und Aufsichtsrat
- investrends.ch – VZB-Verluste und Kündigung Wohltmann
- VZB – Beschluss der Ondernemingskamer Amsterdam
- hogapage.de – GMH trennt sich von 7Pines
- hotel-online.com – Voile d’Or Standorte


