Donnerstag, 24. September 2026
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MHP sichert Autograph-Collection-Hotel in Düsseldorf für 2029

MHP Hotel AG pachtet ein Autograph-Collection-Haus mit rund 180 Zimmern im Düsseldorfer Carsch-Haus-Ensemble – Eröffnung 2029, Zielumsatz über 20 Mio. Euro jährlich.

Bauzaun am Carsch-Haus-Ensemble in Düsseldorf, Bauarbeiter mit Plänen, Rohbau im Hintergrund
Symbolbild · KI-generiert

Rund 180 Zimmer, Eröffnung bis 2029, ein Pacht- plus Franchisevertrag mit Marriott: Die MHP Hotel AG übernimmt ein Hotel der Autograph Collection im Carsch-Haus-Ensemble nahe der Düsseldorfer Königsallee. Im stabilisierten Betrieb soll das Haus laut nebenwerte-magazin.com und 4investors.de mehr als 20 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaften. Das Projekt entsteht dort, wo zuletzt ein gescheitertes Signa-Luxuskaufhaus geplant war.

Was MHP in Düsseldorf unterschrieben hat

Der Deal beruht auf einer Doppelkonstruktion. Laut EQS-Pflichtmitteilung vom 14. Juli 2026 schloss MHP einen Pachtvertrag für das Hotel und parallel einen Franchisevertrag mit Marriott International. MHP betreibt das Haus als Pächter, Marriott stellt die Marke. Die Autograph Collection ist eine Softbrand von Marriott, also eine Sammlung von Häusern mit eigenständigem Charakter, die unter dem Kettendach laufen, ohne deren Standarddesign zu tragen. Sie liegt im gehobenen bis luxuriösen Segment.

Projektentwickler ist Midstad, mit dem MHP nach eigenen Angaben bereits bei anderen Vorhaben zusammenarbeitet. Angepeilt werden eine DGNB-Zertifizierung in Platin für Bestandsgebäude und eine Wiredscore-Zertifizierung in Platinum. Neben dem Hotel sind Handels- und Gastronomieflächen geplant. Rechtlich beriet GSK Stockmann in München die MHP, Kucera Rechtsanwälte in Frankfurt begleitete Midstad, wie tophotel.de berichtet.

Der Standort: aus einer Signa-Ruine wird ein Hotel

Die Vorgeschichte des Ensembles fehlt in der MHP-Meldung, prägt das Projekt aber. Am Standort sollte über Jahre der kleinste KaDeWe-Ableger Deutschlands entstehen, ein Luxuskaufhaus mit rund 10.000 Quadratmetern Nutzfläche, das auch zahlungskräftige Kunden aus den Benelux-Ländern anziehen sollte. Wie textilwirtschaft.de berichtet, begannen die Planungen rund sieben Jahre vor dem jetzigen Deal, getragen von der thailändischen Central Group und der österreichischen Signa-Gruppe. Die zuletzt für Herbst 2027 geplante Eröffnung war mehrfach verschoben worden.

Die Signa-Insolvenz 2023 beendete das Vorhaben. Central übernahm zunächst alle Anteile, verkaufte das Carsch-Haus laut textilwirtschaft.de aber Anfang Juli 2026 an Midstad, die Immobilientochter der Eigentümerfamilie von Peek & Cloppenburg Düsseldorf. Das benachbarte Büro- und Geschäftshaus Kasernenstraße 6 hatte Midstad bereits 2024 für 26 Millionen Euro aus der Signa-Insolvenzmasse erworben, wie textilwirtschaft.de unter Berufung auf die Rheinische Post schreibt.

Beide Gebäude verbindet eine gemeinsame Tiefgarage, künftig sollen sie zusammen entwickelt werden. Laut schuhkurier.de wird das Carsch-Haus mit mehr als 10.000 Quadratmetern Nutzfläche zu einem Mixed-Use-Standort. Das Muster wiederholt sich derzeit im deutschen Immobilienmarkt: Aus gescheitertem Einzelhandel wird Hotel- und Mischnutzung.

MHPs Autograph-Serie: Düsseldorf ist Nummer drei

Für MHP ist die Autograph Collection ein wiederkehrendes Element der Expansion. Das Berliner Hotel Luc gehört bereits zur Marke, im Stuttgarter Schlossgartenquartier ist ein weiteres Autograph-Haus für 2028 geplant, Düsseldorf folgt 2029. Zu Stuttgart formulierte MHP im November 2024 laut mhphotels.com das Ziel, mit dem Le Méridien und dem neuen Autograph-Hotel „die Qualitätsführerschaft im gehobenen bis luxuriösen Segment“ am Top-7-Standort anzustreben.

Das Gesamtportfolio zeigt die enge Bindung an Marriott: Le Méridien in Hamburg, Stuttgart, München und Wien, Sheraton Düsseldorf Airport, JW Marriott Frankfurt, Basel Marriott, der Königshof als Luxury-Collection-Haus in München, dazu das Conrad Hamburg und, seit Februar 2026, das Hyatt Regency Vienna. MHP baut Premium- und Luxusstandorte in den größten Städten auf, überwiegend unter Marriott-Marken.

Zahlen, die den Deal tragen

Die Expansion stützt sich auf ein verbessertes Geschäftsjahr. Laut tophotel.de stieg der Konzernumsatz 2025 um elf Prozent auf 178,1 Millionen Euro, das Ebitda, der Betriebsgewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, um 35 Prozent auf 14 Millionen Euro. Der Konzernjahresüberschuss vervierfachte sich laut hogapage.at auf 5,8 Millionen Euro.

Auch die Betriebskennzahlen legten zu. Der ADR, der durchschnittlich erzielte Zimmerpreis, stieg laut mhphotels.com 2025 um sechs Prozent auf 231 Euro. Bereinigt um den Anlaufeffekt des neuen Conrad Hamburg lag der RevPAR, der Umsatz pro verfügbarem Zimmer, bei 179 Euro, die bereinigte Belegung stabil bei 78 Prozent. Das vierte Quartal 2025 wurde mit 52,6 Millionen Euro Umsatz und einem Quartals-ADR von 249 Euro zum Rekordquartal.

Im ersten Quartal 2026 stieg der Hotelumsatz laut hogapage.at um 25 Prozent auf 41,5 Millionen Euro, getragen vom Conrad Hamburg und dem Hyatt Regency Vienna. Für das Gesamtjahr 2026 hält MHP an einer Umsatzprognose von rund 225 Millionen Euro und einem Ebitda von mehr als zehn Millionen Euro fest.

Was das für die Branche heißt

Den Kern nennt MHP-CEO Jörg Frehse. Das Asset-Light-Modell erlaube es, „erstklassige Standorte zu sichern, ohne eigenes Kapital in Immobilien zu binden, und genau das gibt uns die Geschwindigkeit, die für diese Art von Wachstum entscheidend ist“, zitiert ihn hogapage.de. Betreiber wie MHP sichern sich Toplagen über Pacht- und Franchiseverträge, während die Immobilie beim Entwickler bleibt. Das Investitionsrisiko der Steine trägt Midstad, das Betriebsrisiko MHP, die Markenrendite fließt an Marriott.

Das verschiebt die Konkurrenzsituation in den Top-7-Städten. Wer über einen börsennotierten Betreiber und eine internationale Softbrand verfügt, kann Standorte besetzen, die aus dem gescheiterten Einzelhandel frei werden, ohne eigenes Eigenkapital in Beton zu binden. So entsteht Premiumkapazität an guten Adressen schneller, und der Wettbewerb um Firmen- und MICE-Kunden, das Geschäft mit Tagungen, Kongressen und Events, verschärft sich.

Für einzelne Betriebe heißt das konkret: Der Preisdruck im gehobenen Segment kommt künftig auch von kapitalschonend expandierenden Betreibern, die ADR-Niveaus jenseits von 230 Euro halten wollen. Wer in Düsseldorf, Stuttgart oder Wien im gleichen Segment arbeitet, sollte Standortprofil und Buchungskanäle darauf einstellen, dass ab 2028/2029 zusätzliche Premiumzimmer mit internationaler Vertriebsanbindung an den Markt kommen.

Quellen

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.