MHP meldet Rekordumsatz – doch ADR sinkt auf 229 Euro
56,8 Millionen Euro Hotelumsatz im zweiten Quartal 2026 – MHP-Rekord, getragen vom Hyatt Regency Vienna. Gleichzeitig sinken ADR und RevPAR spürbar.

56,8 Millionen Euro Hotelumsatz, plus 26 Prozent, der höchste Quartalswert der Firmengeschichte: Die MHP Hotel AG hat im zweiten Quartal 2026 einen Rekord gemeldet. Getragen wird er wesentlich von einem einzigen Objekt, dem im Februar übernommenen Hyatt Regency Vienna. Während Umsatz und Belegung steigen, sinken durchschnittliche Zimmerrate und Umsatz pro verfügbarem Zimmer.
Das Wiener Haus zieht die Bilanz nach oben
Der Umsatzsprung fällt zeitlich exakt mit dem ersten vollen Wien-Quartal zusammen. Laut tophotel.de trieb neben dem Bestandsportfolio vor allem die erstmalige Vollquartalskonsolidierung des Hyatt Regency Vienna das Ergebnis. Im ersten Quartal 2026 lag der Hotelumsatz noch bei 41,5 Millionen Euro (Q1 2025: 33,3 Mio.), wie die Tageskarte berichtet. Im zweiten Quartal folgte der Sprung auf 56,8 Millionen Euro. Über das erste Halbjahr summiert sich das Plus auf 25,3 Prozent, der Halbjahresumsatz erreicht 98,3 Millionen Euro.
Das Objekt ist kein Randposten. Das Haus nahe Schloss Belvedere im 3. Wiener Gemeindebezirk zählt 303 Zimmer, darunter 44 Suiten. MHP nannte in der Ad-hoc-Meldung vom Februar 2026 einen erwarteten Jahresumsatzbeitrag von rund 25 Millionen Euro – gemessen am Konzernumsatzziel von rund 225 Millionen Euro für 2026 ein spürbarer Block. MHP übernahm den Betrieb des ehemaligen Andaz Vienna am Belvedere im Februar 2026 auf Basis eines langfristigen Pachtvertrags mit der WestInvest, einer DekaBank-Tochter, die zugleich das Eigentum an der Immobilie erwarb; die Umbenennung zum Hyatt Regency erfolgte ab April 2026. Die Neupositionierung zielt laut Hogapage stärker auf internationale Geschäftsreisende und das MICE-Segment, also Tagungs- und Kongressgeschäft.
Umsatzrekord, aber die Rate bröckelt
Das Wachstum kommt aus Fläche und Volumen, nicht aus Preisdurchsetzung. Die Erlösstruktur zeigt das genau: Der Umsatz im Bereich Food & Beverage (Speisen und Getränke) wuchs laut tophotel.de um 41 Prozent, der Logis-Umsatz um 22 Prozent, der sonstige operative Umsatz um 14 Prozent. MHP wertet den überproportionalen F&B-Zuwachs als Beleg für die wachsende Bedeutung von Erlösquellen jenseits des Zimmergeschäfts. Die bereinigte Belegung stieg auf 82 Prozent (Vorjahr 80 Prozent), einschließlich der Conrad-Hamburg-Anlaufphase auf 79 Prozent.
Die Preiskennzahlen laufen gegenläufig. Die ADR (durchschnittliche Zimmerrate) sank laut Tageskarte auf 229 Euro (Vorjahr 238 Euro), der RevPAR (Umsatz pro verfügbarem Zimmer) auf 180 Euro (Vorjahr 189 Euro). Bereinigt um die Hamburg-Anlaufphase liegt die ADR bei 225 Euro (minus 6 Prozent), der RevPAR bei 184 Euro (minus 3 Prozent). Beide Werte lägen weiterhin über dem Branchendurchschnitt, betont MHP.
Als Ursachen nennt das Unternehmen zwei Faktoren: die Anlaufphase des im September 2025 eröffneten Conrad Hamburg während des saisonal schwachen Winterauftakts im dortigen Markt sowie eine temporär schwächere Nachfrage im April 2026 infolge geopolitischer Spannungen im Nahen und Mittleren Osten. Der April habe branchenweit den Tiefpunkt des laufenden Geschäftsjahres markiert, danach habe die Belegung wieder angezogen.
Dieselbe Krise, zwei Lesarten
Im Abgleich mit der Kapitalmarktseite wird die Nahost-Begründung interessant. Das Analysehaus NuWays deutet dieselbe geopolitische Lage genau umgekehrt. Analyst Philipp Sennewald wertet den Nahost-Konflikt laut finanztreff als Nachfragebeschleuniger für MHPs Märkte: Die deutschen Hotelumsätze stiegen im März 2026 um mehr als 60 Prozent gegenüber Vorjahr, weil Reisende auf sichere europäische Städte auswichen. München rangiere bei arabischen Gästen europaweit auf Platz drei hinter Paris und London, auch Wien profitiere. NuWays bestätigt ein Kaufvotum mit Kursziel 3,50 Euro, mwb research nennt 3,00 Euro. Die Aktie handelte zuletzt bei rund 1,42 Euro.
Beide Sichtweisen widersprechen sich nur scheinbar. Die April-Delle war ein kurzfristiger Nachfrageeinbruch, der Verlagerungseffekt in sichere Städte wirkt mittelfristig. Für MHP mit Schwerpunkt in deutschen und österreichischen Metropolen dürfte der zweite Effekt schwerer wiegen. Die Q2-Meldung erwähnt ihn nicht. Laut NuWays war MHP mit einer ADR von 226 Euro im Jahr 2025 der Preisführer unter Deutschlands zehn größten Hotelgruppen.
Was das für DACH-Betriebe heißt
Die MHP-Zahlen zeigen im Kleinen, was Branchenbeobachter als Konsolidierungsjahr beschreiben: höhere Auslastung trifft auf schwächere Durchschnittsraten.
Für den einzelnen Betrieb heißt das: Wer den Umsatz allein über Volumen und Zusatzerlöse hält, verschiebt das Risiko in die Kostenstruktur. Volle Häuser bei nachgebender Rate erhöhen den operativen Aufwand pro Euro Umsatz, F&B bindet Personal und Wareneinsatz. Die eigentliche Kennzahl ist nicht der Belegungsrekord, sondern die Frage, ob die Rate mitzieht. Sinkt sie, während das Haus voller wird, arbeitet der Betrieb härter für weniger Marge pro Zimmer.
MHPs Antwort ist Wachstum über die Pipeline. Das Muster wiederholt sich seriell: 2025 trug der im Juni 2024 eröffnete Koenigshof erstmals ein volles Jahr bei, 12,2 Millionen Euro Umsatzbeitrag, laut Tageskarte der Haupttreiber des Jahresplus. 2026 folgen Conrad Hamburg und Wien. Anfang 2027 übernimmt MHP das Wiener Hotel Savoyen und positioniert es als Sheraton Vienna neu, 310 Zimmer, bislang von Verkehrsbüro Hospitality unter der Marke Austria Trend betrieben. Ein deutscher Betreiber verdrängt damit einen österreichischen aus einem der stärksten Stadtmärkte Europas. Für Wiener Häuser bedeutet die Expansionswelle zusätzlichen Wettbewerb im oberen Segment, bei einer Rate, die schon jetzt unter Druck steht.
Quellen
- tophotel.de – MHP Hotel AG: 56,8 Millionen Euro Umsatz im zweiten Quartal
- Tageskarte – MHP Hotel AG Q2 2026 und Jahreszahlen 2025
- Hogapage – MHP Hotel AG Quartals- und Ausblickszahlen
- 4investors – MHP Hotel: Quartalsumsatz und Analystenschätzungen
- finanztreff – EQS-News MHP Hotel AG und NuWays-Analyse
- finanznachrichten – MHP Hotel: Streubesitz und Aktienkurs
- ad-hoc-news – MHP Hotel: Savoyen-Übernahme und EBITDA 2024
- AHGZ – MHP übernimmt Hotel Savoyen, künftig Sheraton Vienna
- Gastgewerbe-Magazin – IHA-Branchenreport 2025
- Hotel Inside – Dirk Iserlohe zur Lage der deutschen Hotellerie
- meinbezirk – ÖHV zur Wiener Ortstaxe


