Donnerstag, 24. September 2026
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MHP steigert Umsatz um 25 % – und senkt die Gewinnprognose

MHP Hotel AG wächst stark – auf Kosten der Marge. Der Münchner Betreiber meldet für H1 2026 ein Konzern-EBITDA von 0,2 Millionen Euro, obwohl der Umsatz um 25 % auf 99,3 Millionen stieg.

Backoffice-Schreibtisch mit korrigiertem Zahlendruck und Kaffeefleck, Person von der Seite unscharf
Symbolbild · KI-generiert

Die MHP Hotel AG steigerte ihren Konzernumsatz im ersten Halbjahr 2026 um 25,1 Prozent auf 99,3 Millionen Euro und senkte am selben Tag die Gewinnprognose. Statt eines EBITDA (operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von über 10 Millionen Euro erwartet der Münchner Betreiber für das Gesamtjahr jetzt rund 8 Millionen. Die Ad-hoc-Mitteilung nach Artikel 17 der EU-Marktmissbrauchsverordnung datiert vom 11. September 2026.

Der Umsatzsprung verdeckt einen Ergebnisbruch: MHP kauft sich sein Wachstum teuer ein.

Was MHP tatsächlich gemeldet hat

Der Hotelumsatz kletterte laut Ad-hoc-Mitteilung um 25,3 Prozent auf 98,4 Millionen Euro. Der Logis-Umsatz, also der reine Beherbergungserlös ohne Speisen und Getränke, legte um 21,8 Prozent auf 73,2 Millionen Euro zu, der F&B-Umsatz (Food & Beverage, die Gastronomie) um 41 Prozent. Isoliert im zweiten Quartal stieg der Hotelumsatz um 26 Prozent auf 56,8 Millionen Euro. Die Belegungsquote lag im Halbjahr bei 79 Prozent und damit im Rahmen der Erwartungen.

Beim Ergebnis kippt das Bild. Das Konzern-EBITDA belief sich im ersten Halbjahr 2026 auf 0,2 Millionen Euro, nach 2,3 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Vorjahresvergleich braucht eine Fußnote: Im ersten Halbjahr 2025 verbuchte MHP einen Eigentümerzuschuss von rund 4,0 Millionen Euro für FF&E-Investitionen (Furniture, Fixtures & Equipment, also Möbel, Einrichtung, Ausstattung) beim Conrad Hamburg. Rechnet man diesen Einmaleffekt heraus, lag das operative EBITDA 2025 bei minus 1,7 Millionen Euro. Operativ hat sich MHP also um rund 1,9 Millionen Euro verbessert. Für die Marge reicht das nicht.

Die gesenkte Jahresprognose sieht nun einen Konzernumsatz von 220 bis 225 Millionen Euro vor, zuvor waren es rund 225 Millionen. Die vollständigen Halbjahreszahlen legt MHP am 14. September vor. Zwölf Hotels mit 3.501 Zimmern gehörten Ende Juni zum Portfolio, drei weitere sind in Planung oder Umbau.

Zwei Häuser, ein Preis

Der Umsatzschub kommt nicht aus dem Bestand, sondern aus zwei Neuzugängen. Das Conrad Hamburg, im September 2025 eröffnet, trug im ersten Halbjahr 2026 erstmals über den gesamten Berichtszeitraum bei. In der Anlaufphase 2025 hatte es nur drei Millionen Euro Erlös gebracht.

Der zweite Treiber steht in Wien. Am 2. Februar 2026 übernahm MHP den Betrieb des Hotels Andaz Vienna am Belvedere, seither auf Basis eines Franchisevertrags mit Hyatt als Hyatt Regency Vienna geführt. Das Haus mit 303 Zimmern läuft über einen langfristigen Pachtvertrag; für das laufende Geschäftsjahr rechnet MHP mit einem Umsatzbeitrag von rund 25 Millionen Euro. CEO Jörg Frehse ordnet das Wachstum so ein:

„Das Umsatzwachstum von 25 Prozent im ersten Halbjahr 2026 zeigt die Stärke unseres gewachsenen Portfolios. Mit dem Conrad Hamburg und dem Hyatt Regency Vienna haben wir eine breitere Basis für die weitere Entwicklung der MHP-Gruppe geschaffen.“

Genau hier liegt der Zielkonflikt. Pacht und Franchisegebühren fallen ab dem ersten Betriebstag an, der volle Ergebnisbeitrag eines neuen Hauses aber erst nach der Anlaufphase. Umsatz lässt sich zukaufen. Marge muss erarbeitet werden.

Vom Rekordjahr zur Warnung in vier Monaten

2025 war ein starkes Jahr: Der Konzernumsatz stieg laut den im Mai vorgelegten Zahlen um 11 Prozent auf 178,1 Millionen Euro, der Jahresüberschuss vervierfachte sich auf 5,8 Millionen, das EBITDA legte um 35 Prozent auf 14,0 Millionen Euro zu. Beim Preis war MHP mit einer ADR (Average Daily Rate, dem durchschnittlich erzielten Zimmerpreis) von 226 Euro Preisführer unter den zehn größten Hotelgruppen Deutschlands.

Noch am 6. Mai 2026 bestätigte MHP die Prognose für 2026 ausdrücklich: Umsatz rund 225 Millionen, EBITDA über 10 Millionen Euro. Frehse sprach damals von „robuster Nachfrageentwicklung“ und „vorsichtigem Optimismus“. Gut vier Monate später steht die Korrektur nach unten. Als Grund nennt der Vorstand nun „geopolitisch bedingte Nachfrageschwankungen“ und kündigt an, sich „fokussiert“ auf Kostenmanagement und zusätzliche Vertriebsimpulse zu konzentrieren.

Bemerkenswert ist der Marktkontext der Wiener Immobilie. Sie stammt aus dem Insolvenzverfahren der Signa Development Selection und ging laut Insolvenzverwalterin Andrea Fruhstorfer für 92 Millionen Euro an die WestInvest, eine DekaBank-Tochter. MHP füllt die Betreiberlücke, ein Muster bei der Nachverwertung insolventer Signa-Assets.

Was das für die Branche heißt

Der Fall MHP zeigt, was viele Betreiber im DACH-Premiumsegment gerade aushalten müssen. Wer über Übernahmen und Neueröffnungen wächst, kauft Top-Line-Umsatz sofort ein, belastet die Bottom-Line aber genauso schnell mit Pacht-, Franchise- und Anlaufkosten. Ein neues Haus im Portfolio schmeichelt der Umsatzmeldung, drückt aber im ersten Jahr die konsolidierte Marge. Wer intern nur auf Umsatzwachstum steuert, übersieht diesen Effekt.

Für die eigene Planung lohnt der Blick auf das GOPPAR (Gross Operating Profit per Available Room, das Bruttobetriebsergebnis je verfügbarem Zimmer) statt allein auf RevPAR und ADR. Hohe Belegung und Preisführerschaft nützen wenig, wenn die Fixkostenbasis durch Expansion schneller wächst als der Deckungsbeitrag. MHP verkaufte 2025 zum höchsten Durchschnittspreis der deutschen Top-Ten und liefert 2026 trotzdem ein Halbjahres-EBITDA nahe null.

Dazu kommt das Tempo. Dass eine im Mai bekräftigte Prognose im September fällt, verweist auf die Volatilität der Nachfrage im Luxussegment, das stark von internationalen Gästen und damit von geopolitischen Verschiebungen abhängt. Für Häuser mit hohem Anteil an Fern- und Golfstaaten-Klientel heißt das: Budgets brauchen Szenarien, keine Punktlandungen. Pachtverträge, die in guten Jahren die Rendite hebeln, wirken in schwächeren Quartalen als Fixkosten, die niemand wegverhandeln kann.

Quellen

Quelle: Originalmeldung

Beiträge aus der Redaktion von das Hotellerie.